Peru – Das Land der unbegrenzten Ressourcen

Lima, das Paradies im Chaos. Meine Zeit in Südamerika und die Erfahrungen die ich sammeln durfte.

Peru und das Leben in Lima

Peru ist ein Land, das faszinierender nicht sein könnte. Das Staunen beginnt hier nicht, wie bei den meisten Ländern, aufgrund einer spezifischen Eigenheit, sondern viel mehr wegen der überwältigenden Fülle an Besonderheiten. Peru ist nicht das Land des unglaublichen Essens, nicht das Land des guten Wetters, der alten Kultur oder Geografischen Vielfalt – es ist das Land all dessen.

Peru hat circa 32 Millionen Einwohner. Ein Drittel davon lebt in der Hauptstadt Lima. Geografisch ist dieser Juwel Südamerikas in drei Bereiche aufgeteilt. Die Küste, die grossteilig als Wüstengebiet zwischen Pazifik und Anden liegt. Die bereits erwähnte Bergkette der Anden, die sich von Norden bis Süden durch das gesamte Land zieht. Und als drittes der Urwald, der sich, hinter der Bergkette beginnend, in Richtung des Herzens des Kontinents zieht.

In meiner Zeit in Peru hatte ich das Privileg, alle drei Segmente des Landes kennenzulernen. Die Eindrücke, die ich vor Ort sammeln konnte, bilden die Motivation des Titels «Das Land der unbegrenzten Ressourcen».

Was ich dort gesehen habe, hat mein Verständnis von Mutter Erde grundlegend verändert. In der Schweiz kennt man die romantischen Bilder der geschmückten Kühe, die anfangs Sommer in die Berge ziehen. Man tut dies damit man das spärlich wachsende Gras der Bergdörfer ernten und den Kühen im Winter verfüttern kann. Aus ökologischer Sicht ist Mutter Natur in der Schweiz sparsam und bietet ein spartanisches Nahrungsrepertoire. In Peru hingegen ist Mutter Natur eine Proletin, die nichts mehr geniessen könnte als mit ihrer Fürsorglichkeit, Macht und Fruchtbarkeit zu prahlen. In Peru sind circa 95 von weltweit 140 verschiedenen Mikroklimata beheimatet. In der Schweiz ist die Baumgrenze auf circa 1’800 Metern über Meer – in Peru habe ich auf über 4’500 Metern Kartoffelplantagen gesehen. Neben der unglaublichen Landwirtschaft bietet Peru eine Vielzahl an unterschiedlichen Mineralien. Insbesondere wird der Reichtum bei «Vinicunca», den Regenbogen-Bergen, deutlich. Die Oxide von Eisen, Mangan, Schwefel und Kupfer tönen das Land in seiner Farbpracht und sind damit ein vorzüglicher Indikator der Mineral-Vielfalt.

Lima, die Hauptstadt.

Während meiner Zeit in Peru war ich grösstenteils in Lima, der Hauptstadt von Peru, unterwegs. Das Leben in einer 10-Millionen-Stadt empfand ich anfangs als ungewohnt hektisch. Je länger ich dort lebte, desto mehr verstand ich jedoch, dass Lima eher sozioökonomisch als geografisch aufgeteilt ist. Was mir bis zum Ende meines Assignments jedoch ein Rätsel blieb, ist, wie jeden Morgen gefühlt 10 Millionen Menschen chaotisch mit unterschiedlichen Gefährten aufeinander treffen und sich hupend den Weg durch die Menge suchen, um sich dann immer wieder aufs Neue zu einigen, dass DIES die Art ist – wie sie den Strassenverkehr betreiben wollen. Lima hat mich desillusioniert und mich gelehrt, dass die Hupe im Auto mindestens so integral wie die Bremse zu handhaben ist.

Einblicke in eine Industrielle Kupfermine

Ein wichtiger Bestandteil meines Assignments in Peru war der Service vor Ort in einer der modernsten Kupferminen der Welt.

Die Anreise begann um 21 Uhr abends an einer Busstation in Lima (Meereshöhe). Der Bus fuhr die Nacht durch und wir kamen gegen 8 Uhr morgens an unserem Ziel in «AntaMina» an. Die Unterkunft dieser Miene liegt auf circa 4’400 Metern – was sich bei mir bereits nach wenigen Schritten bemerkbar machte. Höhenkrankheit ist ein Phänomen, an das man sich schnell gewöhnen kann und auf das Leute unterschiedlich reagieren. Während ich mich also für die fünf Treppenstufen am Geländer festklammerte und nach Luft rang, nahm mein Kollege Pablo, der diese Höhenunterschiede bereits gewohnt ist, gleich zwei Stufen auf einmal.

Eine Mine in dieser Grösse ist vergleichbar mit einem Ameisenhaufen. Überall lassen sich vorgegebene Wege ausmachen, jeder weiss genau, was seine Aufgabe ist und der Ablauf ist nahezu reibungslos koordiniert. Die Minenarbeiter bedienen Maschinen, so gross wie Häuser, die wie ein Uhrwerk getacktet ineinandergreifen und das Grubengut via «Conveyor-belt» durch die einzelnen Prozessschritte leiten. Das Produkt, das für diesen Service in unserer Zuständigkeit lag, ist die «Gearless Mill Drive», kurz GMD. Sie ist ein wichtiger Bestandteil bei der Verarbeitung des Gesteins. Unter anderem ist die Maschine mitverantwortlich für die Zerkleinerung des Durchlaufmaterials, welches wiederum essenziell für die Gewinnung des Kupfers aus dem Gestein ist.

Alles in allem war für mich der Einblick in die Kupfergewinnung wohl eines der aufregendsten Erlebnisse in Peru. Die Dimensionen, die Höhe und die Maschinerie sind allesamt beeindruckend und gaben mir einmal mehr zu verstehen, was wirklich hinter den Kupferleitungen, dem Nervensystem der Moderne, steckt.

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Über den Autor

Tobias Spiegelburg

Nach meinem Masterstudium mit dem Fokus in Robotics an der ETH Zürich habe ich im April 2019 mit dem Explorer Traineeprogramm begonnen. Mein erstes Assignment im Projektmanagement-Team bei Power Grids High Voltage (PGHV-GIS) in Zürich Oerlikon erlaubte es mir, mein technisches Wissen aus dem Studium durch praktische Erfahrungen zu erweitern. Von November 2019 bis März 2020 war das peruanische Lima mein neues zu Hause. Dort war ich als Service Projekt Manager im ABB’s Mining Area tätig.
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