東京 – jeder Tag ein neues Abenteuer

Facettenreich, faszinierend, fantastisch - als Explorer Trainee verbringe ich ein halbes Jahr in Japan. Hier gibt es täglich Neues zu entdecken!

Was mir nach meiner Ankunft in Tokio sofort auffällt: Diese Stadt ist noch viel grösser, als ich sie mir vorgestellt habe und Englisch ist tatsächlich nicht immer erfolgsversprechend.

Daher sah ich mich nach einer Stunde auf japanischem Boden auch direkt der ersten Herausforderung meines sechsmonatigen Japan-Abenteuers gegenüber: Vom Flughafen zu meiner neuen Wohnung zu kommen. Ohne jegliche Japanischkenntnisse ist es doch sichtlich schwieriger, als ich vermutet hatte.

Der Shibuya Scramble Square bietet einen atemberaubenden Blick auf Tokio und Mount Fuji.

Eine Stadt der Superlative

In der Stadt Tokio – oder 東京 wie es überall in Kanji, der japanischen Schriftsprache, angeschrieben steht – leben knapp 14 Millionen Menschen. Erweitert man das Ganze auf angrenzende Nachbarstädte, beziehungsweise die Metropolregion Tokio, sind es mehr als 38 Millionen. Es handelt sich um die bevölkerungsreichste Gegend der Welt und das wird einem auch jeden Morgen im Berufsverkehr vor Augen geführt.

Meine Wohnung liegt in Shinjuku und mein Arbeitsweg führt mich täglich zur Shinjuku-Station. Mit Superlativen begonnen, machen wir damit doch direkt weiter: Hier treffen sich jeden Tag aufs Neue 3,7 Millionen Pendlerinnen und Pendler, die diesen Ort zum verkehrsreichsten Bahnhof der Welt machen. Mit mehr als 200 Ausgängen, kann man sich durchaus mal verlaufen. Mittlerweile konnte ich meine Transitzeit aber von 45 auf 5 Minuten verkürzen – optimales Performance Management.

Im Berufsverkehr sieht man so gut wie ausschliesslich «Salarymen» gekleidet in «Business Professional». Im Klartext heisst das top gestylt von Kopf bis Fuss, denn die meisten Japanerinnen und Japaner sind zu jeder Zeit ausserordentlich gut gekleidet.

Im Minutentakt bringt mich mein Zug ins Büro nach Ōsaki (大崎). Einen Sitzplatz sucht man hier vergebens, aber das ist nicht weiter tragisch, bewegen ist sowieso nicht möglich, umfallen schon gar nicht. Vielleicht mag der Eindruck entstehen, es wäre unorganisiert und chaotisch, aber weit gefehlt, denn in Japan hat alles ein System. Tugenden wie Ordnung, Höflichkeit und Schlangestehen werden den Menschen hier wohl mit in die Wiege gelegt.

Entspannt komme ich an meinen Zielbahnhof an und sehe an meiner rechten Seite den «Thinkpark Tower», in dem sich mein Büro befindet. Es ist eines dieser modernen vollverglasten High-Rise-Buildings, die Tokios Stadtbild prägen. Jeden Tag fühle ich mich wie in einem Hollywoodfilm, spaziere durch das riesige Foyer, passiere die Entrance Gates und gehe zu meiner Aufzugsgruppe. Im 22. Stock begrüsst mich ein Schild mit der Aufschrift «ABB».

Mein Arbeitsplatz im Grossraumbüro.

Meine Arbeit bei ABB Power Grids Japan

In meiner Position als Change Project Managerin sind die Aufgaben sehr vielfältig und abwechslungsreich. Während ich an einem Tag zusammen mit dem Management an der Definition neuer Marktstrategien arbeite und Businesspläne entwerfe, schneide ich am nächsten ein Video für unser Teambuilding Event, halte ein Seminar über das digitale Produktportfolio von ABB oder nehme an einer Konferenz mit ABB China teil, um Massnahmen zu definieren, wie wir Salesforce zukünftig effektiver in unserem Team einsetzen können.

Heute Nachmittag ist mein Kalender für ein Meeting zur Vorbereitung der «World Smart Energy Week» geblockt, einer Messe für smarte und erneuerbare Energien, bei der ABB Power Grids im Februar 2020 unter anderem digitale Lösungen aus dem Grid Automation-Portfolio aber auch für Transformatoren vorstellen wird. Ich bin bereits intensiv mit der Vorbereitung des Messeauftritts beschäftigt. Die meisten Personen, die einen Meetingraum betreten, beginnen jeweils die Besprechung mit dem Wort Sumimasen (すみません). Das bedeutet so viel wie «Entschuldigung» und wird hier oft benutzt, denn Japaner entschuldigen sich aufgrund der Erziehung zur Höflichkeit sehr häufig.

Da vor allem die zwischenmenschliche Ebene in meinem Assignment eine grosse Rolle spielt, gehören die kulturellen Unterschiede doch mit zu den grössten Herausforderungen. Ein gutes Beispiel ist die Frage nach dem Einhalten einer Deadline. Mittlerweile weiss ich, dass ich auf ein klares «Nein»  vergebens warte und ein «mh .. you know» dem gleichzusetzen ist. Als Deutsche bin ich eher direkt und das steht im extremen Kontrast zur zurückhaltenden und mehr als höflichen japanischen Kultur.

Japans Landschaften sind einfach atemberaubend.

Langeweile? Keine Spur

Aber diese täglich neuen Herausforderungen sind genau das, was mir an meiner Zeit hier am meisten gefällt. Kein Tag ist wie der andere. So habe ich in acht Wochen noch kein Restaurant zweimal besucht – mit einer Ausnahme: dem wirklich erstklassigen Dessertrestaurant im Stadtteil Ropppongi. An jeder Ecke gibt es Neues zu entdecken und man wird mit Reizen überflutet.

Aber schafft man es dann einmal raus aus Tokio und fährt in die Natur, fühlt man sich direkt wie zu Hause. Wunderschöne Landschaften, Seen und Berge, nur sind diese hier bewaldeter als ihre «grossen Brüder»  daheim in der Schweiz. Zusammenfassend lässt sich sagen: Tokio ist bereits jetzt zu meinem neuen Zuhause geworden.

ありがとうございます Japan!

Auch ausserhalb Tokios gibt es viel zu entdecken, wie hier den Fushimi Inari Schrein in Kyoto.
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Über den Autor

Anna-Lena Krichel

Das Explorer Trainee Program bei ABB bot für mich den perfekten Einstieg ins Berufsleben nach dem Abschluss meines Studiums zur Wirtschaftsingenieurin an der Hochschule Luzern. Während meines ersten Assignments bei Power Grids, Generator Circuit Breaker, sammelte ich Erfahrungen im Bereich Lean Management. Seit Oktober 2019 arbeite ich im Business Development für Power Grids Japan. Immer auf der Suche nach neuen Herausforderungen reizt mich besonders der Austausch mit anderen Kulturen.
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