Montréal – Bonjour, ҫa va?

Mein neues Zuhause: Im Rahmen des Trainee Programms verbringe ich sechs Monate in der kanadischen Provinz Quebec.

Kaum in Montreal angekommen, wurden meine Französischkenntnisse bereits herausgefordert. Die offizielle und einzige Amtssprache in der Provinz Quebec ist Französisch, das heisst, egal wo man ist, man wird auf Französisch angesprochen. Trotz meinem mässigen Französisch habe ich es dann aber durch die Einwanderungsbehörde, den Zoll und die Fahrzeugvermietung geschafft und mich Richtung Downtown aufgemacht!

Die Stadt Montreal liegt auf der «Île de Montréal» und ist von Flüssen umgeben. Auf der Insel selbst sind die meisten Einwohner zweisprachig, sobald man jedoch die Insel verlässt und je weiter man sich in die Provinz Quebec bewegt, desto wichtiger werden die eigenen Französischkenntnisse.

Arbeiten am kanadischen Hauptsitz

Ich bin Teil des «Electric Vehicle Charging Infrastructure»-Teams von ABB Elektrifizierung in Kanada. Wir planen, offerieren und implementieren Lösungen für Ladeinfrastrukturen in ganz Kanada. Das Spektrum reicht von Pantographen und Depotladern für Schwerfahrzeuge bis hin zu Schnellladestationen für Personenwagen. Meine Aufgabe im Team ist es, ein neues Produkt im nordamerikanischen Markt einzuführen.

Das Büro befindet sich ausserhalb von Montreal. Daher kommen praktisch alle Mitarbeitende mit dem Auto zur Arbeit. Dabei gilt: je grösser das Auto, desto besser. Ich selbst bin da leider keine Ausnahme und komme täglich mit meinem Jeep ins Büro. Dabei verbringe ich auf den mit Schlaglöchern übersäten Strassen Montreals viel Zeit im Stau. Die Kanadier nehmen das aber sehr gelassen und kommentieren solche Umstände gerne mit «it is what it is».

Im Geschäftsalltag wird meist Englisch gesprochen. Ich selbst habe oft mit den Kolleginnen und Kollegen in den USA und den Niederlanden zu tun und spreche daher auch hauptsächlich Englisch. Die Mitarbeitenden im Büro sprechen jedoch meist Französisch untereinander (und auch mit mir). Das erinnert mich jeweils an den Alltag in der Schweiz, in dem es sich ähnlich mit dem Schweizerdeutsch und Englisch verhält.

Grundsätzlich ist das Arbeiten hier sehr ähnlich wie in der Schweiz. Die Menschen sind jedoch viel offener und teilen gerne und ausgiebig ihre privaten Geschichten und Ereignisse vom Wochenende mit. Eine gute Gelegenheit dazu bietet die Mittagspause, welche viele Leute in ihrer Kaffeeküche verbringen. Dort gibt es Kühlschränke, welche ausreichend Platz für das von zu Hause mitgebrachte Lunchpaket bieten. Nach dem Essen gibt’s dann nicht selten eine kleine Spazierfahrt zum nächstgelegenen Tim Hortons um sich noch etwas Süsses und einen Kaffee zu gönnen.

Unser Test- und Service-Fahrzeug vor dem Büro in Montreal. Rechts zwei Schnellladestationen (Terra 53) und im Hintergrund ein Pantograph (Pantograph down).

Der Winter kommt!

Seit Anfang Oktober ist der Winter eines der beliebtesten Gesprächsthemen der Kanadier. Die Leute beklagen sich zwar gerne und ausgiebig darüber und doch habe ich das Gefühl, dass die Menschen dort den ersten Schneefall insgeheim kaum erwarten können. Doch bevor es soweit ist, gilt es gewisse Vorkehrungen zu treffen: Zum Beispiel bauen Hausbesitzer ein sogenanntes «Tempo» auf, um ihre Garageneinfahrt vor den meterhohen Schneemassen zu schützen. Ich selbst habe das Glück und kann mein Fahrzeug in der Tiefgarage parken. Mein Arbeitskollege jedoch nicht, deshalb habe ich ihm geholfen sich auf den kanadischen Winter vorzubereiten.

Das Gerüst für das «Tempo» steht.

Mit dem Winter kommt natürlich auch etwas anderes zurück, auf das sich die Kanadier freuen – Eishockey ist der offizielle Nationalsport in Kanada. Das ist auch in der Provinz Quebec keine Ausnahme. An Spieltagen steht die ganze Stadt zur Unterstützung ihres Heimteams bereit. Nicht nur vor dem Stadion, auch vor den umliegenden Restaurants und Pubs bilden sich lange rote Schlangen, da alle in ihren Hockey-Trikots mit ihrem Heimteam mitfiebern. In der Tat ist Montreal die Heimat des erfolgreichsten NHL-Teams der Geschichte – nämlich der Montreal Canadiens. Der letzte «Stanley Cup»-Sieg der Canadiens war jedoch im gleichen Jahr wie meine Geburt, und daher schon eine Weile her. Doch wer weiss, vielleicht funktioniert es ja mit meiner Unterstützung dieses Jahr. «GO HABS GO!!»

Dominic Bonfanti (auch ein ABB Explorer Program Trainee) und ich im Bell Centre. Die LA Kings unterlagen zu Gast bei den Montreal Canadiens 3:2.
Kategorien and Tags
Über den Autor

Stefan Deringer

Nach meinem Maschinenbaustudium an der ETH Zürich habe ich im April 2019 mit dem Explorer Trainee Programm begonnen. Bei meinem ersten Assignment durfte ich als Projektmanager für gas-isolierte Schaltanlagen einen Einblick in das Projektgeschäft erlangen und erste Erfahrungen im Umgang mit Kunden sammeln. Unterdessen bin ich nach Montreal gezogen und hier im Marketing von Ladeinfrastrukturlösungen für Elektrofahrzeuge tätig. Meine Aufgabe ist es, eine Produkteinführung im nordamerikanischen Markt vorzubereiten und durchzuführen.
Kommentiere diesen Blogbeitrag