Von Klingnau bis ins Weltall

Mit 100 Jahren Erfahrung gehört ABB Kunststofftechnik zu den Isolationsspezialisten innerhalb von ABB. Ihre Produkte fliegen sogar mit ins All.

Wer hätte das gedacht: Im beschaulichen Klingnau der Schweiz werden von ABB Kunststofftechnik unter penibler Qualitätskontrolle wichtige Isolationsteile für Kraftwerke, Schalter und sogar Komponenten für Weltraumraketen hergestellt. ABB Kunststofftechnik hat sich auf die Produktion von Elektroisolationsteilen für den Hochspannungs- und Niederspannungsbereich spezialisiert. Diese werden in Schaltschränken, Hochspannungsschaltern, Transformatoren und Turbogeneratoren eingesetzt und bestehen vorwiegend aus Kunststoffplatten, die mit Glasfasern verstärkt sind. Neben ABB als interne Kundin, setzen weltweit Kunden aus dem Energiesektor, der Verkehrs- und Raumfahrt auf ihre Komponenten und Kompetenz.

Langjähriges Wissen über Kunststoffe. © ABB

Im Jahr 1918 wurde das Unternehmen MICAFIL in Altstetten gegründet, was bald darauf vollständig von BBC übernommen wurde. Seitdem werden Materialien bearbeitet, beschichtet, geprüft und weiterentwickelt, um eine optimale Isolation zu erreichen. Nach dem Zusammenschluss der Abteilung Kunststofftechnik der UNIFER und der Abteilung Generatorisolation MICAFIL aus Altstetten in Zürich im Jahr 2010, entwickelte das Team den Standort Klingnau und das Angebot kontinuierlich weiter.

Schon seit 1918 im Isolierbereich tätig

Heute arbeitet die ABB Kunststofftechnik auf Basis von 100 Jahre MICAFIL-Technologie mit grundlegender Erfahrung im Bereich der Isolation und stellt individuell gefertigte Produkte her. Rund 45 Personen arbeiten am Standort in Klingnau. Zur Nachwuchsförderung werden derzeit fünf Lehrlinge ausgebildet. Für die Herstellung und mechanische Bearbeitung der Materialien stehen der Einheit diverse hochpräzise Maschinen zur Verfügung. Jedes Jahr werden zehntausende Meter Nut-Kanäle in L- und U-Formen und spezielle, besonders spannfähige Keile produziert. Erst kürzlich wurde eine spezielle Feder mit einzigartiger Form angefertigt und nun an externe Kunden verkauft. Auch Frames, das sind passgenaue Module für Frequenzumrichter, werden nach engen Kundenvorgaben bearbeitet. Gerade Express-Anfragen sind bei ihren Produkten zudem keine Seltenheit, denn insbesondere Kraftwerke dürfen schliesslich nicht lange stillstehen.

Speziell angefertigte Frames. © ABB

Weltraumrakete Ariane: Komponenten in der Verkleidung verbaut

ABB Kunststofftechnik liefert dabei von der Schweiz weltweit an langjährige Kunden. Neben der Energieübertragung und -erzeugung sowie Elektronik werden die ABB-Produkte in Branchen wie der Bahn- und Luftfahrtindustrie und sogar auch in der Raumfahrttechnik verwendet. So stecken beispielsweise diverse präzise angefertigte Verstärkungsteile in der Nutzlastverkleidung der europäischen Weltraumrakete Ariane.

Handzeichnungen für damalige Teile

Die langjährige Erfahrung ist auch noch bei Renovationen von alten Kraftwerken gefragt, bei der heute zum Teil noch Handzeichnungen hinzugezogen werden müssen, um die damaligen Teile wieder herzustellen. Dafür gibt es einen ganzen Bestand an alten archivierten Zeichnungen nicht mehr gefertigter Generatoren oder Grosselektromotoren der früheren BBC. Früher haben sie sogar Maschinen hergestellt und bekommen heute noch teilweise Anrufe, ob sie noch verfügbar ist.

Herausforderung durch enge Toleranzen

Die individuellen Materialien und Komponenten müssen an die entsprechenden Produkte und an die mechanischen, thermischen und elektrischen Bedingungen angepasst werden. Auch die Umgebungseinflüsse müssen wir berücksichtigen. In den Produktbereichen gibt es sehr enge Toleranzen, hier muss die individuelle Passform und die Isolation exakt passen, um schwerwiegende Folgen zu vermeiden. Die eigenen Prüfanlagen, die heutzutage kaum noch jemand hat, sind da ein unabdingbarer Qualitätsgarant.

Inzwischen eine Seltenheit: ABB Kunststofftechnik hat ihr hauseigenes Prüflabor. © ABB

So wird jeder Satz Isolationskomponenten, jeder Nut-Kanal und auch jedes Spezialprodukt intensiv geprüft. Dabei bedienen sie sich moderner Entwicklungstools und arbeiten mit dem Forschungszentrum innerhalb der ABB zusammen. Derzeit arbeiten sie auch an einer Kooperation mit dem Department für Kunststofftechnik an der Fachhochschule Nordwestschweiz zusammen, um über Forschungs- und Studierendenprojekte gemeinsame Erkenntnisse über Materialien zu gewinnen. Mit der Hochschule in Luzern (HSLU) werden ebenfalls Studierendenprojekte durchgeführt.

Der Standort Klingnau. © ABB
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Über den Autor

Greta Clasen

Für ABB als führendes, digitales Technologieunternehmen spannende Themen zu realisieren – diese Vorstellung setzte mich sofort unter Strom. Und doch musste ich bei Themen wie Trockentransformatoren im ersten Moment erst einmal schlucken. Mit mehr Wissen und Verständnis wurde mir jedoch klar, wie viel tatsächlich hinter der für mich erst einmal unbekannten Technik steckt und die Begeisterung kam automatisch. Ich freue mich, jeden Tag tiefer in die komplexesten Themen einzutauchen.
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