Łódź – Manchester des Ostens

Sechs Monate meines Traineeprogramms verbringe ich in Polen. Nicht nur die interessante Arbeit zog mich an den Ort, sondern auch meine polnischen Wurzeln.

Viele Leute haben noch nie von der Stadt Łódź 140 km südwestlich von Warschau gehört, dementsprechend stand ihnen die Verblüffung ins Gesicht geschrieben, als ich verkündete, dass ich sechs Monate lang dort leben werde. Zuerst einmal kommt die Frage auf, wie man den Namen dieser Stadt überhaupt aussprechen soll. Für die deutschsprachige Bevölkerung kommt es wohl am ehesten an «Wudsch» heran, für die meisten ist und bleibt es jedoch ein Zungenbrecher. Diese polnische Stadt mit kommunistischem Flair trägt aber noch weitere Namen, wie zum Beispiel «Manchester des Ostens».

Vor nicht einmal 200 Jahren lebten hier kaum mehr als ein paar hundert Menschen. Dann aber in der Mitte des 19. Jahrhunderts wuchs das Städtchen in wenigen Jahren zu einer Industriestadt heran, da reiche Unternehmer Fabriken für die Textilindustrie bauten, welche Baumwollstoffe nach Russland und Europa exportierten. Auch heute noch zieren mächtige Schornsteine und teilweise umgebaute oder verlassene Fabrikhallen aus Backstein das Stadtbild. In vielen dieser Backsteingebäuden gibt es nun gemütliche Cafés, hippe Bars mit lokalen Getränken und einladende Restaurants. Zusätzlich finden auch viele Ausstellungen und Designmessen an diesen Orten statt. Auch wenn die Textilindustrie heute in Łódź nicht mehr existiert, haben hier viele Firmen einen Standort, wie zum Beispiel auch die ABB.

Neben Backsteingebäuden gibt es viel Street Art, welche den etwas düster wirkenden Gebäuden Farbe verleiht. © ABB

ABB Motion in Łódź

Etwas ausserhalb von Łódź, in Aleksandrów Łódzki, befinden sich zwei Produktionen, welche Teil vom Business Motion sind. In der einen werden Elektromotoren hergestellt, in der anderen Geräte für die Leistungselektronik, wie zum Beispiel Mittelspannungsantriebe. ABB bietet eine grosse Palette an Mittelspannungsantrieben an, welche dazu dienen die Motorendrehzahl dem tatsächlichen Bedarf anzupassen. Dadurch wird der Energieverbrauch reduziert und die Kontrolle über den Prozess optimiert. Weitere Produktionsstandorte von ABB Antriebstechnik befinden sich beispielsweise in China, Indien, Finnland und der Schweiz. Ich selbst arbeite im Produktmanagement für einen Mittelspannungsantrieb, welcher zur Familie der System Drives gehört, und dessen Produktion in Łódź ist.

ABB Standort, Aleksandrów Łódzki. © ABB

Arbeiten bei ABB Polen

Da es keinen passenden öffentlichen Verkehr gibt, fahre ich mit dem Auto zur Arbeit. Das Auto ist das beliebteste Verkehrsmittel in Polen, weshalb oft viel los ist auf den Strassen. Da ich im Stadtzentrum wohne, habe ich das Glück, dass die meisten Leute morgens und abends in die entgegengesetzte Richtung von mir fahren und ich deshalb dem Stau einigermassen entgehen kann. Das polnische Team, welches sich mit den Mittelspannungsantrieben befasst, besteht aus Sales, Sales Support, Order Execution, Product Management, Product Engineering & Quality, OPEX und Busniness Controlling und umfasst ca. 30 Leute. Es ist ein multikulturelles Team, weshalb man neben Polnisch und Englisch, auch noch Deutsch, Mandarin und Hindi hört. Diese Diversität gefällt mir sehr, da es dem Team Schwung und Elan verleiht.

Zu Beginn ist mir sofort aufgefallen, dass man sich in Polen morgens im Büro zur Begrüssung die Hand gibt, was ich eine sehr sympathische Angewohnheit finde, welche leider in der Schweiz meiner Erfahrung nach nicht verbreitet ist. Im Allgemeinen herrscht bei ABB in Polen eine motivierte und angenehme Arbeitsatmosphäre. Meistens sind die Leute sehr spontan, was praktisch ist, wenn schnell eine Lösung her muss, planen aber etwas schwieriger macht.

Die Aufgaben eines Produktmanagers sind sehr unterschiedlich und man arbeitet mit vielen Schnittstellen zusammen. Man befasst sich mit der aktuellen und zukünftigen Marktsituation und den Bedürfnissen der Kunden. So gehört es zu den Aufgaben, die Portfoliosituation zu überwachen und sich um das Produktportfolio zu kümmern. Zur Zeit arbeite ich viel mit Leuten vom Marketing und Sales zusammen, da eine neue Marketingkampagne für den Antrieb geplant ist. Die Arbeit im Produktmanagement finde ich sehr interessant, da sie abwechslungsreich ist und ich die interne Zusammenarbeit mit anderen ABB Standorten sehr schätze. So nahm ich im Juni an den Drives Expert Training Days in Helsinki teil. Während drei Tagen kamen Experten von den Tief- und Mittelspannungsantrieben zusammen und nahmen an Produktpräsentationen und Workshops teil. Dadurch konnte ich viel über das Antriebsportfolio der ABB erfahren und neue Kontakte knüpfen. Zudem hielt ich selbst eine Produktpräsentation über den Antrieb, den wir in Polen herstellen, was eine neue und wertvolle Erfahrung war.

ABB Drives Expert Training Days in Helsinki. © ABB

Polen entdecken

Łódź liegt im Zentrum von Polen, was Wochenendausflüge in andere Städte, wie zum Beispiel Warschau, Krakau oder Wrocław, mit dem Zug oder Auto problemlos ermöglicht. Wenn man genug von Städten hat, kann man auch ein Wochenende am baltischem Meer entspannen. Ich geniesse diese Möglichkeit sehr und versuche während diesen sechs Monaten so viel wie möglich von Polen zu entdecken.

Wochenendausflug an der Ostsee (links) und Besuch in Krakau (rechts). © ABB

 

Explorer Trainee Programm von ABB Schweiz
Das Swiss Explorer Trainee Programm fokussiert sich auf die praktische Ausbildung junger Absolventinnen und Absolventen im Ingenieurbereich mit bis zu anderthalb Jahren Berufserfahrung. Während drei «Assignments» à 6 Monaten lernen die Trainees unterschiedliche Bereiche von ABB kennen. Sie gestalten das Programm aktiv selbst mit, in dem sie sich die «Assignments» selbst suchen und somit von Beginn an mitentscheiden, welchen beruflichen Weg sie während, aber auch nach dem Programm, einschlagen. Ziel eines Trainee-Programms ist es, auf eine breite und aufeinander abgestimmte Basis für die anschliessende Festanstellung bei ABB Schweiz hinzuwirken. Mehr Informationen über das Trainee Programm findest Du hier.

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Über den Autor

Anna Polek

Ich absolvierte mein Bachelor- und Masterstudium in Materialwissenschaften an der ETH Zürich, während dem ich für ein Forschungsprojekt in Australien und für ein Semester in Schweden war. Im Rahmen meiner Masterarbeit forschte ich in dem Gebiet der Natrium-Batterien, um Alternativen für den stationären Energiespeicher zu finden. Schliesslich fing ich im Oktober 2018 bei ABB mit dem Explorer Trainee Programm an. Mein erstes Assignment machte ich im Projektmanagement im Hochspannungsbereich für zwei GIS Projekte. Zurzeit bin ich für mein zweites Assignment in Polen im Bereich der Mittelspannungsantriebe im Produktmanagement tätig.
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