San Francisco, London, New York, Minden?

Pioniergeist, Tradition und Erfahrung. Immer wieder betont ABB ihre Tradition bei der Entwicklung und dem Voranbringen neuer Technologien.

Aber stimmt das auch? Kreative Köpfe und unbekannte Pfade sind zumindest nichts Neues, wie das Beispiel am Standort Minden zeigt.

Das Silicon Valley gilt als das Mekka bei der Entwicklung neuer IT-Technologien. Eng verknüpft sind damit die Namen Steve Jobs, Bill Gates, Mark Zuckerberg. Blickt man einige Generationen zurück, reiht sich in die Erfinderriege auch Konrad Zuse ein, der mit dem Z3 den ersten funktionsfähigen Computer der Welt gebaut hat. Weit weniger bekannt ist dagegen der Name Hans Bückner.

Größte Rechenanlage Europas kommt aus Minden

In den fünfziger Jahren war Bückner Chefmathematiker bei Schoppe & Faeser (S&F) in Minden. Heute gehört das Unternehmen zu ABB. Gemeinsam mit seinem Kollegen und Chefingenieur Leonid Schomann arbeitete er an der Entwicklung der Rechnertechnik. Mit Erfolg! Im Jahr 1951 erhielten Bückner, Schomann und S & F ein Patent für „Integrieranlagen zu Lösung von Differentialgleichungen“. Bereits ein Jahr später folgte das nächste Highlight. Denn die erste und zugleich größte Anlage Europas machte sich auf den Weg von Minden nach England. Final Destination: Das National Physical Laboratory in Teddington. Drei weitere Rechner gingen nach Bonn, Erlangen und Hamburg.

Eine der vier Integrieranlagen ging nach Erlangen. Was ihre Entwickler damals noch nicht wussten: Dass sie irgend-wann im Deutschen Museum in München stehen wird. (Bild: 50 Jahre Schoppe & Faeser Jubiläumsschrift)

Neue Technologien drücken auf die Tube

Nicht nur heute entwickeln sich Technologien rasant weiter. Mit der wirtschaftlichen Hochkonjunktur legten diese auch in den 1950er Jahren ein ordentliches Tempo an den Start.

Mindener Rarität: Der elektronische repetierende Analogrechner R4 stammt ebenfalls aus Minden. Ein Exemplar er-hielt die Fachhochschule Bielefeld. In Serie ging er aber nie. (Bild: Technische Mitteilung, Schoppe & Faeser, 1958)

Und so verdrängten die deutlich günstigeren elektronischen Digitalrechner schon bald die großen Anlagen. Neuausrichtung lautete also das Gebot der Stunde für den Standort Minden. Gesagt, getan. Von der amerikanischen Firma Librascope/Royal Precision Corporation erwarb das Unternehmen 1954 eine Lizenz zur Fertigung von elektronischen Prozessrechenanlagen. Bis Ende der 1960er Jahre wurden mehr als 200 solcher Anlagen verkauft.

Über 200 Rechenautomaten des Typs LGP 30 kamen aus Minden. (Bild: Technische Mitteilung, Schoppe & Faeser, 1958)

Auf dem Weg zum Weltmarktführer

Dann der Bruch. Mit dem Ende der Zusammenarbeit mit Librascope endete auch die Produktion der LGP 30-Rechenautomaten. Prozessleitsysteme statt Rechner, so lautete von nun an die Devise. Und die zahlte sich aus. Nicht zuletzt dank der Erfahrungen aus der Rechnertechnik mauserte sich Schoppe & Faeser in den 1980er und 90er Jahren zu einem Weltmarktführer für Automatisierungssysteme.

Spannende Zeiten auch bei ABB

Bis heute hat sich an der Innovationskraft und an dem stetigen Wandel am Standort Minden wenig geändert. Mit Ausnahme des Namens: Denn seit 1999 wird hier unter einem anderen Namen weiter an der Geschichte geschrieben: ABB. Und die hat sicher auch einiges zu bieten. Wir sind jedenfalls gespannt auf die nächsten Erfindungen aus Minden.

Geschichte live und in Farbe:
Ihr habt noch nicht genug? Dann schaut doch mal im Deutschen Museum in München vorbei. Dort könnt ihr eine der vier großen Analogrechenanlagen aus den 1950er Jahren bestaunen.

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Über den Autor

Mona Streckert

Ein bisschen was von allem – so könnte man meine Aufgaben in der Unternehmenskommunikation bei ABB beschreiben. Hauptsächlich arbeite ich aber im Bereich Vorstandskommunikation und Public Affairs. Ob KI, E-Mobilität oder Gebäudeautomatisierung, spannende Themen sind in jedem Fall garantiert.
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