Vom Konsumenten zum Prosumer: Die Nutzung von Solarstrom wird immer attraktiver

Immer mehr Menschen können ihren selbst erzeugten Solarstrom durch Speicherlösungen, E-Mobilität und intelligente Steuerungen auch selbst verbrauchen.

Die Nutzung von Solarstrom gewinnt an Attraktivität. Die Investitionskosten haben sich deutlich verringert und kommerzielle Anlagen rechnen sich besser. Das zeigt sich sowohl auf globaler Ebene als auch in vielen einzelnen Ländern. So prognostizierte eine internationale Forschergruppe 2017 im Wissenschaftsmagazin Science, dass sich die installierte Solarleistung bis 2030 weltweit mindestens verzehnfachen würde. Insbesondere in klimatisch begünstigten Weltregionen sei die Sonne die günstigste Stromquelle.

Auch in der vergleichsweise weniger sonnenreichen Schweiz befindet sich die Photovoltaik (PV) im Vormarsch: Gemäss Angaben von Swissolar, dem schweizerischen Fachverband für Sonnenenergie, waren Ende 2017 hierzulande insgesamt fast 2 Gigawatt PV-Leistung installiert. Der entsprechende Wert hat im laufenden Jahrzehnt Jahr für Jahr stark zugenommen. Allein 2017 wurden 241 MW neu zugebaut. Zu diesem Wachstum tragen nicht zuletzt die zum Teil deutlich gesunkenen Investitionskosten für PV-Anlagen bei. Die jährliche Stromerzeugung aus Photovoltaik in der Schweiz erreichte 2017 über 1,8 TWh. Das entspricht dem Verbrauch von rund 460 000 Haushalten.

Photovoltaik auf dem Vormarsch.

Zentraler Pfeiler der Energiezukunft

Im Rahmen der 2017 vom Schweizer Volk angenommenen Energiestrategie 2050 kommt dem Ausbau erneuerbarer Energien eine zentrale Rolle zu. Gerade in der Photovoltaik sieht das Bundesamt für Energie eine wichtige Technologie für die nachhaltige Energieversorgung der Zukunft. Das langfristige Potenzial dieser Stromerzeugungsform stuft die Behörde als beträchtlich ein: Bis zum Jahr 2050 könnten rund 20 Prozent des derzeitigen Strombedarfs aus Photovoltaik erzeugt werden. Mittlerweile berücksichtigen auch viele Investoren Solaranlagen schon bei der Planung von Neubauten und diese werden so optimiert, dass die erzeugte Energie direkt selbst verwendet werden kann.

Vom Konsumenten zum Prosumer

Es gibt somit einen Rollenwechsel der bisherigen Konsumenten: Sie werden zu Prosumern – Marktteilnehmer, die zugleich Solarstrom produzieren und verbrauchen. In Zukunft wird es zur Normalität werden, dass Menschen den Strom für ihr Elektroauto selbst auf dem Dach erzeugen, um das ganze Potenzial der beiden Technologien auszunutzen. Die ganzheitliche Betrachtung ist auch unter dem Umweltaspekt sehr wichtig. Es spielt eine wesentliche Rolle, wie der Strom gewonnen wurde, der das E-Auto antreibt. Nur mit sauberer Energie, die zudem nicht über weite Strecken transportiert werden muss, lässt sich die CO2-Bilanz wirksam verbessern.

Intelligente Lösungen sind gefragt

Die Prosumer-Bewegung treibt die Nachfrage nach Lösungen an, die den eigenverantwortlichen Umgang mit Energie unterstützen, Stromrechnungen senken und der Gesellschaft dabei helfen, den Klimawandel durch niedrigere CO2-Emissionen zu mildern. Solarenergie ist hierbei ein wesentlicher Aspekt.

Intelligenter Wechselrichter mit Cloud-Anbindung als Lösung für dezentrale Photovoltaik-Anlagen. © ABB

Gleichzeitig bedeutet die Smart-Home-Revolution, dass Verbraucher heute anspruchsvoller sind und mehr Kontrolle über ihren Energieverbrauch erwarten. Prosumer wollen Solarstrom speichern und dann nutzen, wenn sie die selbst erzeugte Energie benötigen. Es ist diese Forderung nach intelligenter Steuerung, Speicherung und Konnektivität, die das wirkliche Potenzial für Solarstrom in Wohngebäuden erschliessen wird.

Wegweisende Projekte, komplette Lösungen

Verschiedene Projekte, insbesondere auch in der Schweiz, zeigen, welche kompletten Lösungen mit heute verfügbarer Technologie möglich sind. In Brütten bei Winterthur leben beispielsweise acht Familien in einem zu 100 % energieautarken «Haus der Zukunft», welches die UmweltArena Schweiz in Spreitenbach gebaut hat, und in dem verschiedene ABB-Systeme zum Einsatz kommen. Solarmodule bedecken das Dach und die Fassade und erzeugen Gleichstrom, der von 26 ABB-Wechselrichtern für den häuslichen Gebrauch in Wechselstrom umgewandelt wird. Überschüssige Energie wird für den späteren Gebrauch in Batterien gespeichert.

Das erste energieautarke Mehrfamilienhaus der Welt steht in Brütten. © ABB

Ein anderes Beispiel ist die Fachhochschule Nordwestschweiz in Brugg-Windisch: Sie hat eine Solaranlage installiert, nachdem sich die Studierenden für nachhaltige Energien und für den Eigenverbrauch eingesetzt hatten. Im Rahmen ihres Studiengangs haben Studierende der Abteilung Energie- und Umwelttechnik gemeinsam mit ABB ein Projekt entwickelt, um die Effizienz von komplexen Photovoltaik-Installationen auf Flachdächern und auf anspruchsvollen Konstruktionen zu maximieren. Durch eine ausgeklügelte Eigenverbrauchsoptimierung können 99 Prozent des PV-Stroms auf dem Campus genutzt werden.

Die Fachhochschule Nordwestschweiz hat in Brugg-Windisch eine Solaranlage installiert. © ABB

Globales Modell für saubere Energie

In den Vereinigten Arabischen Emiraten hilft ABB dabei, die Kraft der Sonne für Dubais erste vollelektrische Stadt zu nutzen. Sie wird etwa 2000 Einwohner beherbergen. Auf Robben Island, der berüchtigten früheren Gefängnisinsel von Nelson Mandela, ermöglicht es die Microgrid- und Wireless-Technologie von ABB, mit nachhaltiger, stabiler Sonnenenergie zu arbeiten. So ist das südafrikanische Gefängnis heute nicht nur Weltkulturerbe, sondern dient als globales Modell für die Zukunft der sauberen Energie.

Die frühere südafrikanische Gefängnisinsel Robben Island ist heute ein globales Modell für die Zukunft der sauberen Energie. © ABB

Noch weit südlicher liegt einer der klimatisch extremsten Orte, an denen eine ABB-Solaranlage ihren Dienst tut: Temperaturen bis nahe -70 °C und Windgeschwindigkeiten von 200 km/h herrschen in der Antarktis. Dort forschen die Mitarbeitenden der uruguayischen Polarstation Artigas Basis im ewigen Eis. Zu ihrer Energieversorgung trägt seit Kurzem eine fernüberwachte Solar-Pilotanlage mit ABB-Wechselrichtern bei; eine 100-kWp-Anlage ist in Planung.

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Über den Autor

Frederic Haervelid

Ich arbeite in der Unternehmenskommunikation von ABB Schweiz als Projektleiter. In meiner Freizeit treibe ich Sport oder treffe mich mit Freunden. Ich interessiere mich für Gesundheit und Fitness, liebe Bücher und mag "Die Simpsons".
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