Kapstadt – die Mutterstadt von Südafrika

Arbeiten und Leben zwischen Tafelberg und Meer

Da ich nicht wusste, was mich in Kapstadt erwarten würde, bin ich ohne grosse Erwartungen losgezogen. Von vielen Personen aus meinem Umfeld hörte ich zwar einerseits, dass es eine unglaublich schöne Stadt sei – andererseits aber auch, dass es oft Probleme bezüglich Sicherheit gebe.

Schon im Landeanflug wurde mir ein unglaubliches Panorama geboten: Das Zentrum der Stadt ist umgeben von mehreren markanten Bergen, darunter natürlich der weltbekannte Tafelberg. Die Stadt grenzt direkt an das Meer und schon vom Flugzeug aus konnte ich einige wunderschöne Strände entdecken. Kein Wunder, dass die Stadt gerade bei Mountainbikern und Wassersportlern sehr beliebt ist. Aber auch Feinschmecker und Weinliebhaber kommen auf ihre Kosten und ein Besuch auf einer der zahlreichen Weinfarmen darf auf keiner Südafrika-Reise fehlen.

Aussicht auf den Tafelberg. © ABB

Auf dem Weg vom Flughafen in die Stadt sah ich dann aber auch gleich die weniger schöne Seite von Kapstadt: links und rechts von der Autobahn reihen sich auf über 10 Kilometern Wellblechhütte an Wellblechhütte in riesigen Townships. Näher am Stadtzentrum werden die Häuser zwar grösser und die Quartiere freundlicher, es fällt aber auf, dass in guten Gegenden Häuser häufig mit hohen Mauern und sogar Stacheldraht und Elektrozäunen geschützt sind. Sicherheit ist definitiv ein Problem in Kapstadt und in ganz Südafrika und man muss sich dementsprechend verhalten und anpassen – die Gründe dafür sind vielschichtig und komplex.

Start ins südafrikanische Arbeitsleben

Der Hauptsitz von ABB in Südafrika liegt in Longmeadow, einem Vorort von Johannesburg. In Kapstadt befindet sich ein kleinerer Standort, etwa 20 Minuten ausserhalb des Stadtzentrums, der von verschiedenen Geschäftsbereichen geteilt wird. Von hier aus betreibt ABB Turbocharging das Servicegeschäft für South & Southern Africa und hat neben Büroräumlichkeiten hier auch eine Werkstatt. Mit insgesamt 12 Mitarbeitenden hier am Standort sind wir ein kleines Team. Ich wurde sehr herzlich begrüsst und war schnell fester Bestandteil vom Team, das hat mir den Einstieg leicht gemacht. Trotz der kleinen Teamgrösse sind wir ABB-typisch international zusammengesetzt und können immerhin vier verschiedene Nationalitäten vorweisen.

ABB Standort in Südafrika. © ABB

Die Niederlassung in Kapstadt stellt die Zentrale des Servicenetzwerks der Region Subsahara-Afrika dar. Weitere Servicestellen mit Werkstätten befinden sich in Durban in Südafrika, Walvis Bay in Namibia und Dar es Salaam in Tansania. Die Organisation und Koordination der Serviceaufträge für alle Service Stationen läuft dabei mehrheitlich über die Station in Kapstadt. Nebst den üblichen Serviceeinsätzen auf verschiedenen Schiffen, befinden sich in der Region auch zahlreiche Kraftwerke, von denen wir Aufträge erhalten.

Aufgabenbereich Operations – meine vielseitigen Tätigkeiten

Meine Aufgaben sind im Bereich Operations angesiedelt. Das Hauptprojekt im Assignment besteht darin, den gesamten Geschäftsprozess von Offerte bis zur Rechnungsstellung zu dokumentieren, Verbesserungspotential zu identifizieren und etwaige Verbesserungsprojekte durchzuführen. Das Projekt wurde vom neuen Business Manager initiiert, der erst seit kurzem die Aufgabe übernommen hat und einige Dinge umstrukturieren will.

Eines dieser Verbesserungsprojekte ist der Wechsel auf ein anderes SAP-Modul für die Erstellung der Offerten und Serviceaufträge. Der Wechsel ermöglicht die Verbindung des lokalen SAP mit dem von Turbocharging weltweit eingesetzten CRM-System. Im Zuge dieses Projektes soll auch das Serviceangebot standardisiert werden. Diese Veränderungen sollen das Erstellen von Offerten in Zukunft vereinfachen und effizienter machen.

Daneben erhalte ich viele kleinere Aufgaben und habe so einen Einblick in die verschiedensten Tätigkeiten in einer Servicestation. Aufgrund des kleinen Teams übernehme ich auch einige operativen Tätigkeiten, wie das Erstellen von Bestellungen.

Mein typischer Arbeitstag

Mein typischer Arbeitstag beginnt normalerweise um 7.30 Uhr. Zur Arbeit fahre ich mit dem Mietwagen – leider sind die öffentlichen Verkehrsmittel nicht wirklich gut ausgebaut und auch nicht sehr sicher. Am Security Gate muss ich meinen Batch vorweisen und einen Alkoholtest machen. Dies ist absolut normal in Südafrika und nach anfänglichem Erstaunen gewöhnte ich mich schnell daran. Da wir keine Cafeteria im Gebäude haben, fahren wir über den Mittag in ein nahegelegenes Café. Normalerweise endet der Arbeitstag zwischen 16 und 17 Uhr – am Freitag normalerweise etwas früher. Die Arbeitszeiten sind also ähnlich wie in der Schweiz.

In der Arbeitskultur gibt es bedeutende Unterschiede. Alles ist etwas spontaner und scheint weniger organisiert. Teilweise sind nicht optimale Situationen in der Abstimmung mit der Landesorganisation schon länger bekannt, wurden aber in der Vergangenheit aus diversen Gründen nicht angegangen. Auch um gewünschte Informationen zu erhalten muss man hartnäckig bleiben, da die räumliche Trennung vom Hauptstandort Longemeadow die Kommunikation erschwert.

Mit dem Mountainbike die Natur erkunden und Strände geniessen

Über das Wochenende bin ich häufig mit dem Mountainbike unterwegs und entdecke zusammen mit einigen Locals die verschiedenen Trails um Kapstadt. Vielfach befinden sich die Trails auf privaten Farmen und sind somit echte Geheimtipps. Daneben hat die Region um Kapstadt echt viele Attraktionen zu bieten und ich unternehme oft Tagesausflüge. Natürlich darf ab und zu ein ruhiger Strandtag nicht fehlen – das Baden im Meer ist bei circa 15 Grad eine echte Erfrischung!

Biketour in der Nähe von Stellenbosch. © ABB

 

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Über den Autor

Fabian Schertenleib

Nach dem Bachelorabschluss zum Wirtschaftsingenieur an der Hochschule Luzern, habe ich im April 2018 mit dem Explorer Trainee Programm bei ABB Schweiz begonnen. In meinem ersten Assignment konnte ich als Junior Project Manager ein eigenes GIS-Projekt in Chile von der Übernahme bis kurz vor Produktionsstart betreuen. Seit Januar bin ich nun in meinem Auslandsassignment bei ABB Turbocharging South & Southern Africa in Kapstadt. In meiner Freizeit bin ich gerne auf dem Mountainbike unterwegs und entdecke gerne fremde Kulturen.
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