7 einfache Schritte zur Auswahl von Überstrom-Schutzeinrichtungen – Beispiel Sicherungsautomat

Die Vorgehensweise von Profis bei der Auslegung von Kabel- und Leitungssystemen in und an Gebäuden nach DIN VDE 0298-4: so funktioniert es!

Bei der Auslegung von Kabel- und Leitungsanlagen sind Anforderungen zu berücksichtigen, die den sicheren Betrieb und den Schutz im Fehlerfall ermöglichen. Die Auslegung von Kabel- und Leitungsanlagen bezüglich der Strombelastbarkeit für die Anwendung in und an Gebäuden erfolgt üblicherweise nach DIN VDE 0298-4 (Geltungsbereich beachten!), wobei die Anforderungen im Zusammenhang mit der Ausrüstung von Maschinen in DIN EN 60204-1 (VDE 0113-1) aufgeführt sind.

Ziel ist, gegen thermische Überbeanspruchung sowohl im Überlastfall als auch im Kurzschlussfall zu schützen und Kabel/Leitungen so auszulegen, dass die im Betrieb zu erwartenden Einflüsse keine unzulässigen Auswirkungen verursachen.

Die Auslegung von Kabel- und Leitungsanlagen erfordert die Berücksichtigung von unterschiedlichsten Parametern wie:

  • Betriebsstrom des Stromkreises
  • Art der Verlegung von Kabeln/Leitunge
  • Leitungstyp
  • Umgebungsbedingungen
  • usw.

Bei der Ermittlung der kennzeichnenden Werte hat sich folgende Vorgehensweise  bewährt – die 7 einfachen Schritte zur Auswahl von Überstrom-Schutzeinrichtungen:

  1. Festlegung des zu erwartenden maximalen Betriebsstroms Ib des zu schützenden Stromkreises
  2. Festlegung der Verlegeart(en), z. B. aufgrund von baulichen Gegebenheiten
  3. Ermittlung erforderlicher Reduktionsfaktoren f1, f2, … (z. B. bei Häufung, abweichender Umgebungstemperatur etc.) ggf. Berechnung eines neuen, fiktiven Betriebsstroms Ib,neu gemäß I_(b,neu)=I_b/(f_1*f_2*…)
  4. Bestimmung der notwendigen Strombelastbarkeit Iz des Kabels/der Leitung auf Basis von Ib bzw. Ib,neu
  5. Auswahl des Kabel-/Leitungstyps und -querschnitts
  6. Zuordnung der Überstrom-Schutzeinrichtung (Typ, Charakteristik, Bemessungsstrom) unter Beachtung der angeschlossenen Betriebsmittel
  7. Ermittlung der maximalen zulässigen Leitungslänge für jeden Leitungsabschnitt
  • aufgrund des zulässigen angenommenen Spannungsfalls
  • aufgrund der erforderlichen Abschaltzeiten für den Schutz gegen elektrischen Schlag (Fehlerschutz)
  • soweit zutreffend ggf. Erhöhung des Leiterquerschnitts oder Reduzierung des Bemessungsstroms der Schutzeinrichtung

Weitere Informationen, praktische Beispiele und Berechnungsbeispiele haben wir in unserer Broschüre zusammengestellt

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Über den Autor

Florian Krackhecke

Ich arbeite bei ABB im Bereich der Niederspannungsprodukte als Produktmarketingmanager für Installationsprodukte. Meine Aufgabenschwerpunkte liegen in der Lebenszyklusbetreuung von Sicherungsautomaten und unserem Stecksockelsystem Smissline TP. In diesem Zusammenhang erstelle ich den richtigen Marketing Mix und unterstütze das operative Tagesgeschäft. Am liebsten erkläre ich jedoch meine Produkte, informiere mich auf Messen und Veranstaltungen über neue Trends, Produkte, Anwendungen und Lösungen im Rahmen der Energieeinspeisung und Verteilung von Niederspannungsanlagen.
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