Shenzhen – die Stadt, in der die Zukunft bereits angekommen ist

Sechs Monate in der Hi-Tech-Hauptstadt von China, wo jahrtausendealte Kultur und Traditionen den Innovationsgeist von heute treffen.

Erste Eindrücke und Basic Facts

Nach einer zweiwöchigen Einführung in der globalen Einheit der Produktgruppe «Electric Vehicle Charging Infrastructure» (a.k.a. «EVI») in den Niederlanden, bin ich Mitte Oktober nach Hongkong geflogen und dann ging es mit meinem Auslandsassignment im «Silicon Valley von China» – Shenzhen – direkt los!

Shenzhen liegt in Südchina, direkt am Perlfluss-Delta, und ist somit die erste Stadt auf dem Festland, wenn man von Hongkong die chinesische Grenze übertritt. Sie ist eine von sechs sogenannten «Special Economic Zones» und hostet die Hauptsitze einiger der erfolgreichsten chinesischen High-Tech Unternehmen (z. B. Huawei, BYD, Skyworth, Tencent), sowie vieler internationalen Grosskonzerne. Mit ihrer spektakulären Skyline sowie ultramoderner Infrastruktur und Dienstleistungspalette ist Shenzhen ein bildliches Beispiel dafür, wieso China seit Jahrzenten die am schnellsten wachsende Wirtschaft weltweit ist.

Shenzhen’s Skyline ©ABB

Heutzutage wohnen in Shenzhen über 20 Mio. Menschen. Fun Fact: Vor der Erlassung zur Sonderwirtschaftszone (knapp 40 Jahre her) waren sie …wait-for-it… 30’000! Somit zeigt sie sich als eine dynamische und lebhafte Migrantenstadt, wo junge und motivierte Leute von ganz China hinkommen, um ihre Energie einzusetzen, Ziele zu verfolgen und Ideen zu verwirklichen. Genannt werden dafür öfter Gründe wie «weil momentan Shenzhen die beste Stadt in China ist», oder einfach «weil Shenzhen Möglichkeiten anbietet» – as simple as that. Man sagt, dass sich das Gesicht der Stadt alle 2-3 Jahre ändert – es werden ständig neue Metrolinien gebaut, neue Wolkenkratzer, neue Shoppingzentren, sowie ganze Wohnquartiere oder Business Districts.

Die Arbeit bei ABB EV Charging

In Shenzhen ist die Produktgruppe «EV Charging Infrastructure» durch einen lokalen Standort vertreten und mit dem ABB Solar Business unter einen Hut gebracht. Dieser Standort ist für den gesamten chinesischen Markt zuständig, was natürlich in enger Kooperation auf strategischer Ebene mit den globalen Organisationen in den Niederlanden (EVI) und Italien (Solar) geschieht. Weiterhin verfügt die lokale Einheit hier über ein sehr starkes R&D-Team, welches auch entsprechend EVI- und Solar-Entwicklungsaufträge überarbeitet. Insgesamt sind hier in zwei Büros ca. 170 Mitarbeitende angestellt.

Teil des R&D-Teams im Testlabor ©ABB

Als Produktmanager sind es meine Aufgaben unter anderem Markt- und Wettbewerbsanalysen durchzuführen, Anforderungsprofile (Lastenhefte) zu formulieren sowie Markteinführungskonzepte zu erstellen und umzusetzen. Im Kontext der EVI-Organisation spiegeln sich diese Tätigkeiten in der Untersuchung der potenziellen Einführung von globalen Produkten auf dem chinesischen Markt sowie der Unterstützung der Entwicklung von neuen Produkten wider.

Weiterhin ist das Interfacing zu diversen internen und externen Stakeholdern auch ein Bestandteil meines Assignments, was ich schnell schätzen gelernt habe. Einerseits, da ich dadurch ein intensives Exposure zu den involvierten, internen ABB-Abteilungen weltweit bekommen konnte. Andererseits, da ich bei diesen externen Meetings, durch den Kontakt mit Repräsentanten von jeglichen Unternehmensebenen – vom Fliessbandarbeiter, über Entwicklungs- und Testingenieure, bis hin zu Projektleitern und sogar Vice President und Chief Technology Officer von Industriepartnern – vieles von der chinesischen Arbeitskultur aus erster Hand miterleben kann, auch selbst wenn es dabei manchmal nicht um meine Projekte geht oder die Verhandlungen teilweise auf Chinesisch geführt werden.

Beim ABB Customer World (ACW) in Xiamen ©ABB
Beim ABB Customer World (ACW) in Xiamen ©ABB

Sehr schnell wurde ich Teil des Teams. Die Kollegen sind stets extrem nett und hilfsbereit und haben mich seit dem ersten Tag bei jeglichen sprachlichen, administrativen oder kulturellen Herausforderungen unterstützt. Schon nach einem herzlichen Willkommensessen und den ersten Einführungsmeetings waren alle sehr neugierig auf meinen Hintergrund, das Trainee Programm und generell auf «das Leben im Westen». Bis heute freue ich mich immer auf die interessanten Gespräche beim Mittagsessen über kulturelle Unterschiede, traditionelle Werte, Geschichte oder einfach darüber, wo ich den besten grünen Tee kaufe.

Geburtstagsfeier mit Kollegen ©ABB

Das Leben neben der Arbeit

Natürlich hat China einem Trainee viel mehr als nur die Arbeitsaspekte anzubieten – nämlich eine komplett andere Welt, welche kulturell reichhaltig, aber gleichzeitig auch zukunftsorientiert und vom technologischen Fortschritt getrieben ist. Von imperialistischer Geschichte, über atemberaubende Natur und grandiose historische Denkmäler, bis hin zu ultra-modernen Städten der Zukunft und alles dazwischen. Eins bleibt aber sofort nach der Ankunft im Gedächtnis und zwar für immer: eben das Volumen, die Mengen und die Dimensionen, die überall herrschen. Und dies wird am deutlichsten durch die gewaltigen Menschenmassen überall verkörpert oder wie man es schön auf Chinesisch sagt: 人山人海 (People Mountain People Sea).

Heutzutage geht auch das Reisen innerhalb des Landes relativ einfach, wenn man den Umgang mit den gewöhnlichen Tools und Apps (vor allem das allgegenwärtige WeChat) einmal beherrscht und einige wichtigen Ausdrücke auf Chinesisch gelernt hat. Shenzhen selber ist von allen Seiten mit Megastädten umgeben – Guangzhou, Hongkong und Macau sind in unter einer Stunde zu erreichen – und für alles andere gibt’s den Bao’an International Airport sowie das unglaubliche landesweite Express-Fernbahnnetz. Somit war ich von Anfang an mit Wochenendaktivitäten gut versorgt und durfte(/musste) sogar meine Sprachkenntnisse gelegentlich üben. Ich könnte natürlich auch viel über das chinesische Essen erzählen, ich lasse euch aber lieber von dem und allem weiteren selbst überraschen 😉

再见

Explorer Trainee Programm von ABB Schweiz
Das Swiss Explorer Trainee Programm fokussiert sich auf die praktische Ausbildung junger Absolventinnen und Absolventen im Ingenieurbereich mit bis zu anderthalb Jahren Berufserfahrung. Während drei «Assignments» à 6 Monaten lernen die Trainees unterschiedliche Bereiche von ABB kennen. Sie gestalten das Programm aktiv selbst mit, in dem sie sich die «Assignments» selbst suchen und somit von Beginn an mitentscheiden, welchen beruflichen Weg sie während, aber auch nach dem Programm, einschlagen. Ziel eines Trainee-Programms ist es, auf eine breite und aufeinander abgestimmte Basis für die anschliessende Festanstellung bei ABB Schweiz hinzuwirken. Mehr Informationen über das Trainee Programm findest Du hier.

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Über den Autor

Krassimir Gurov

Nach meinem M.Sc. in Elektrischer Energietechnik an der RWTH Aachen Universität, habe ich mich für das Explorer Trainee Programm entschieden und bin im April 2018 als GIS Junior Project Manager in Zürich eingestiegen. Nun bin ich seit Oktober 2018 für mein Auslandsassignment im Bereich Produktmanagement in Shenzhen, China, wo ich den Technologieaustausch von eMobility-Ladeinfrastruktur auf globaler Ebene unterstütze. In meiner Freizeit spiele ich Gitarre, treibe Sport und reise immer gerne, um neue Kulturen kennenzulernen und Ecken auf der Weltkarte zu entdecken.
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