Abenteuer Brasilien

Wo Acerola, Caju und Cupuaçu Früchte sind, im Büro nach dem Mittagessen die Zähne geputzt werden und Kunden auch in Favelas zu finden sind.

Mein zweites Trainee-Assignment absolviere ich in Gurarulhos, Brasilien. ABB Guarulhos wurde 1954 als erste Fabrik der ABB (damals Asea) in Brasilien eröffnet. Guarulhos gehört zur Agglomeration São Paulos und hat alleine schon 1.3 Millionen Einwohner; die Stadt São Paulo über zwölf Millionen. Bekannt ist Guarulhos für den wichtigsten internationalen Flughafen des Landes. Heute arbeiten etwa 1‘100 Angestellte der ABB in Guarulhos. Der Campus besteht aus mehreren Bürogebäuden und Produktionshallen für Transformatoren, Hochspannungsprodukte, IEDs (Intelligent Electronic Devices) und Steuerschränke zur Netzautomatisierung, und Robotik. Dazu gesellen sich zwei Mensen, ein kleines Fitnesszentrum mit Pool, eine Bankfiliale und das Instituto ABB. Seit 1998 unterstützt das Institut Kinder aus armen Verhältnissen mit Zusatzunterricht, Essen und medizinischer und sozialer Fürsorge. Die Kinder, die die virtuelle Welt teils nur über das Smartphone kennen, lernen hier zum Beispiel mit einem Computer umzugehen und ein korrektes E-Mail zu schreiben. Ich bin beeindruckt von dieser Initiative ABB Brasiliens.

Während des Assignments arbeite ich in der Division Power Grids bei Grid Automation in den Bereichen Bidding und Sales. Dies bedeutet für mich eine neue Produktwelt in einer neuen, kommerziellen Funktion – in einem neuen Umfeld: Brasilien ist flächenmässig 200-mal grösser als die Schweiz, besitzt mit Itaipu bezüglich installierter Leistung das zweitgrösste Wasserkraftwerk der Welt und mit Rio Madeira die längste Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragungsleitung. Auf gelegentlichen Kundenbesuchen erhalte ich spannende Einblicke in den lokalen Markt. Die Kunden sind meist staatliche Energieunternehmen oder Industrieunternehmen. Da hier alles auf Portugiesisch abläuft, bin ich froh über meine Vorkenntnisse.

ABB Guarulhos: Büro von PGGA © Vanessa Schröder

Eine fröhliche und offene Arbeitsatmosphäre

Den Arbeitsalltag im Büro erlebe ich als heiter, die Brasilianer sind herzlich und immer zu einem Spässchen aufgelegt. Die fröhliche Grundstimmung schwingt auch in der Melodie der Sprache mit. Sofort fällt auf, dass im brasilianischen Portugiesisch viele Wörter in der Aussprache auf –i enden. Dies hilft wohl manch einem Schweizer, sich schneller heimisch zu fühlen… Bis man sich daran gewöhnt hat, sorgt zur täglichen Unterhaltung zudem die portugiesische Variante englischer Wörter: von Whatsappey (Whatsapp) über Faceybookey (Facebook) bis hin zu Spotchify (Spotify) ist für jeden Geschmack etwas dabei.

Die Lokalen interessieren sich aber eher für Fussball als für ihre eigene Aussprache. Als Parteilose wollen mir alle beweisen, wieso gerade ihr Team das Beste des Landes ist – so musste ich mich schon vier verschiedenen Teams verschreiben.

Die ABB-Kultur ist schnell spürbar

Obwohl die Atmosphäre im Büro entspannt ist, habe ich nicht den Eindruck, dass hier weniger als an anderen Orten gearbeitet wird. Abgesehen von der Kultur und den Palmen rund um das Büro, ist die ABB schnell wiederzuerkennen: Jede Woche wird fünfzehn Minuten über diverse Aspekte von Health & Safety gesprochen und auch hier werden fleissig Hazards gejagt. Ebenso werden immer wieder unsere fünf Wertepaare erwähnt, und mir wird bewusst, wie wichtig diese sind, um bei einer solch vielfältigen Firma eine einheitliche Identität zu schaffen.

Kontrast zwischen Alt und Neu in São Paulo: Links das Museu do Ipiranga und rechts die Avenida Paulista © Vanessa Schröder

Meine Freizeit nutze ich um mein neues Zuhause besser kennenzulernen. Brasilien ist ein Land der Gegensätze: Von bodenloser Armut bis hin zu unfassbarem Reichtum; wunderschöne, gepflegte Viertel und hässliche, heruntergekommene Gegenden. Es lässt sich für 5 CHF gut zu Mittag essen – oder aber auch für 50 CHF. In São Paulo gibt es wohl wenig, was es nicht gibt – man muss nur wissen wo! Wo Menschen aus Amerika, Europa, Afrika und Asien stammen, fällt ein Auswärtiger eher durch ungewohntes Verhalten oder Sprache auf, als durch sein Aussehen. Brasilianer begegnen Fremden mit Respekt und Neugier; das Wort „Ausländer“ wird im Portugiesischen völlig neutral zur Beschreibung einer Person gebraucht. (Dies wirft die Frage auf, warum dem im Deutschen nicht so ist.) Was ich allerdings vermisse, ist mich zu Fuss fortbewegen oder von zu Hause aus eine Runde joggen zu können. Je nach Stadtteil ist dies ganz einfach eine Frage der Sicherheit, und oft bieten sich die Distanzen und Gegenden nicht zum Laufen an. Wie in manch einer Millionenstadt fährt man zum Joggen lieber mit dem Auto zum nächsten Park. Somit ist jedes Vorhaben meist mit mehr Zeitaufwand verbunden. Eine willkommene Abwechslung zur Stadt findet sich glücklicherweise zwei Stunden Fahrt von São Paulo entfernt: die Küste. Brasiliens Natur mit ihrer grenzenlosen Vielfalt an exotischen Pflanzen und Tieren ist mein persönliches Highlight. Nichts Schöneres als ein Bad im Meer an einem leeren Strand nach einer Wanderung durch den ruhigen Atlantischen Regenwald!

Wanderungen zu abgelegenen Stränden und erfreuliche Begegnungen im Wald © Vanessa Schröder

 

Explorer Trainee Programm von ABB Schweiz
Das Swiss Explorer Trainee Programm fokussiert sich auf die praktische Ausbildung junger Absolven-tinnen und Absolventen im Ingenieurbereich mit bis zu anderthalb Jahren Berufserfahrung. Während drei «Assignments» à 6 Monaten lernen die Trainees unterschiedliche Bereiche von ABB kennen. Sie gestalten das Programm aktiv selbst mit, in dem sie sich die «Assignments» selbst suchen und somit von Beginn an mitentscheiden, welchen beruflichen Weg sie während, aber auch nach dem Programm, einschlagen. Ziel eines Trainee-Programms ist es, auf eine breite und aufeinander abgestimmte Basis für die anschliessende Festanstellung bei ABB Schweiz hinzuwirken.  Mehr Informationen über das Trainee Programm findest Du hier.

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Über den Autor

Vanessa Schröder

In meinem Studium der Maschineningenieurwissenschaften an der ETH Zürich legte ich den Fokus auf die Themen Energie und Transport. Nach dem Master-Abschluss entschied ich mich aufgrund der vielfältigen Möglichkeiten für das Explorer Trainee Programm der ABB und arbeitete während des ersten Assignments als Projektleiterin für gasisolierte Schaltanlagen in Oerlikon. Meine zweite Stelle führte mich zu Bidding und Sales für PGGA Service in Brasilien. Am meisten gefällt mir an der ABB das internationale Arbeitsumfeld.
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