Unified, UniFIGHT! – das Frühlingsmärchen

Sechs Tage lang begleitete ich das Unified-Fußballteam der Lebenshilfe Mannheim und dem ABB Training Center Heidelberg bei den Special Olympics.

Wow! GOLD!

Das hätten wir uns im Leben nicht erträumen lassen, dass wir das auf den Nationalen Sommerspielen für Menschen mit geistiger Behinderung packen. Doch es wurde Realität.

Nun aber von vorne: „Wir“ sind das Unified-Fußballteam, bestehend aus Bewohnern und Mitarbeitern der Lebenshilfe Mannheim und dualen Studenten des ABB Training Centers Heidelberg. Und als ehemaliger dualer Student und nun passives Teammitglied durfte ich die Mannschaft als Co-Trainer in dieser Woche begleiten. Meine Aufgabe war es, als Unterstützung für die Betreuer von Seiten der Lebenshilfe und der ABB zu dienen und den Teamgeist aufrecht zu erhalten. Wobei letzteres wirklich zu kurz kam: Denn als eingeschworene Truppe, die schon seit zwei Jahren regelmäßig auf dem Rasen und in der Halle gemeinsam kickt, war die gute Stimmung im Team schon vorprogrammiert.

Zu diesem Geist hat zum großen Teil die gemeinsame Trainingswoche im schweizerischen Lenk beigetragen. Auch die neuen, einheitlichen Rucksäcke und unser Maskottchen „Kalli“ als Geschenk von Herrn Schüler, Personalvorstand bei ABB Deutschland, und dem Vorstand der Lebenshilfe Mannheim, Herr Dr. Russ bildeten ganz automatisch einen Teamspirit, der eigentlich unschlagbar ist. GEMEINSAM dabei sein, ist alles!

Nach einer problemlosen Anreise aus dem südlichen Mannheim und der Akklimatisierung mit der Kieler Ostseeluft hieß es am Montagmorgen schon „ab uff de Platz“. Die Spielstätte kennenlernen, Orientierung auf dem doch sehr großen Gelände finden, vor allem aber letzte taktische Anweisungen des Headcoaches Kai einstudieren, waren das Ziel für den ersten Tag. Beim Coachmeeting, dem ich beiwohnen musste, in dem die Turnierregeln kommuniziert und die Trainer zum Fairplay angehalten wurden, merkte ich langsam auch: Jetzt wird’s ernst.

Die Mannschaft ist bereit © ABB

Das erste Highlight neben dem Platz war die große Eröffnungsfeier in der Sparkassen-Arena, Heimspielstätte des deutschen Handball-Rekordmeisters THW Kiel. Nach einer schönen Darbietung unterschiedlicher Künstler wurde das olympische Feuer entfacht, welches in den vorigen Wochen eine Tour durch ganz Deutschland machte. Als Ausklang und „teambuildende Maßnahme“ genoss das gesamte Team aus Athleten und Partnern gemütlich mit ein paar Getränken wie Limo und Wasser die wunderbare Atmosphäre der Kieler Förde bei Nacht. Fast schöner als am Mannheimer Rhein.

Dienstag, erster Turniertag. Es ging los mit den Klassifizierungswettbewerben. Dabei wird im Schweizer System gegen andere Teams gespielt. Anhand der Spielergebnisse und der Auswertung unparteiischer Spielbeobachter, von denen die Charakteristik des Teams (Ist das Spiel von einem Spieler abhängig? Wie ist die Balance zwischen Partnern und Athleten, also zwischen Spielern ohne und mit geistiger Behinderung?) festgehalten wird, werden dann die 24 teilnehmenden Unified-Mannschaften in vier Kategorien zu je sechs Teams eingeteilt. So wird sichergestellt, dass keine kosmischen Ergebnisse im zweistelligen Bereich im Medaillenkampf am nächsten Tag auftreten. Der Spaß jedes einzelnen Athleten, Partners und Betreuers steht im Vordergrund. Nach einer eher durchwachsenen Leistung mit nur einem Sieg und einem Unentschieden aus sieben Spielen landeten wir in der vierten Kategorie.

Voll im Fokus © ABB

Der berühmte Helferabend stand an. In entspannter Atmosphäre wurde zwischen allen ABB-Helfern und dem Team Inklusion gelebt. Und unser Arbeitsdirektor und Finanzvorstand Markus Ochsner sah schon, was eintreten sollte: „Nach Bronze in Hannover aus dem Stand, bleibt ja nur eins…Gold!“.

Das gute Essen vom Vorabend wirkte wohl wie Doping. Der Teamgeist war nach wie vor auf einem Hoch: Vor jedem Spiel stand die ganze Mannschaft inklusive Trainern und Betreuern im Kreis. Der Schlachtruf, das dreifache „Uni-FIGHT“, schallte wahrscheinlich bis in die Konzernzentrale nach Zürich. Mit dieser Ladung Adrenalin gewannen wir die drei Spiele des ersten Wettkampftages souverän und sicherten uns so Bronze. Die Ansage des Headcoaches war jedoch folgende: „Wir rechnen nicht! Wir achten nicht darauf, wie die anderen spielen. Wir spielen unser Spiel und holen uns morgen Gold!“. Genau die richtigen Worte.

UniFIGHT © ABB

UniFIGHT – das war wieder unser eigener Wecker am nächsten Morgen. Und das war auch wichtig: Das wichtigste Spiel der Wettkampfrunde stand an. Mit Schwetzingen stand uns nicht nur ein Lokalrivale aus der Kurpfalz, sondern auch die Mannschaft gegenüber, die wie wir auch alle Spiele gewonnen hatte. Und deren Partner wie Athleten spielten wirklich klasse. Bei diesem umkämpften Aufeinandertreffen war kein Unterschied zwischen beiden Mannschaftsteilen in beiden Teams zu sehen. Echt klasse! Und dann auch noch mit einem glücklichen Ende für uns: ein schweres, aber verdientes 3:1. Mit dem nächsten Sieg würden wir es perfekt machen. Erste Fanfreundschaften mit der Hepheta Mönchengladbach wurden geknüpft. Die Kulisse stand für das finale Spiel gegen die Wilhelmsdorfer Unicorns.

Der Abpfiff. 3:0. Sieg. GOLD! „So sehen Sieger aus, schalalala!“ schallte über alle 18 Fußballfelder. Alle lagen sich in den Armen, eine Wasserschlacht, La-Ola mit den Fans, eine „Humba“ mit allen zusammen. Einfach nur geil!!!

So sehen Sieger aus © ABB

Wir hatten gar keine Zeit die Euphorie abflachen zu lassen. Dank des wunderbaren Engagements von Sandra und Marco (zweier Helfer) wurde ein DJ und Partyraum organisiert: Gold wurde gebührend mit dem Unified-Team und den ABB-Helfern bis in die Nacht gefeiert. Alle tanzten Arm in Arm: Helfer, Spieler und das Orga-Team. Ein atemberaubender Moment.

Erschöpft, aber glücklich starteten wir in den Freitag. Und damit den letzten Tag der Special Olympics Kiel 2018. Abschied war angesagt. Leider viel zu früh. Ich wäre liebend gerne noch eine Woche mit dieser Mannschaft in dieser wirklich schönen Stadt geblieben. Wer jetzt aber denkt, die Freude flacht ab, der kennt unser Team nicht richtig: Abwechselnd schallten aus zwei Abteilen des ICE die Fangesänge „So sehen Sieger aus!“. Auf der Welle der Euphorie ritten wir zurück in die Heimat: Monnem.

… und es fehlen noch so viele Impressionen von dieser Woche, die man nicht in Worte fassen kann. Also seid beim nächsten Mal am besten selbst dabei: Als Helfer, Partner oder in der Organisation. Die Special Olympics sind wirklich eine einmalige und unvergessliche Erfahrung!

Bleibt nur eins: Dass es uns Jogis Jungs diesen Sommer in Russland nachmachen. Die haben ja gesehen, wie’s geht. Also auf geht’s!

Kategorien and Tags
Über den Autor

Pawel Lytaev

Nach meinem dualen Elektrotechnik-Studium bei ABB bekam ich eine Übernahmestelle im Transformatorenwerk Brilon. Meine Interessen sind alle möglichen Sportarten, aber hauptsächlich Eishockey, was ich mein ganzes Leben schon spiele. Wenn dann noch Zeit bleibt, verbringe ich diese am liebsten mit Reisen. Über die ABB fand ich zum sozialen Engagement, was diesen Konzern in meinen Augen besonders auszeichnet.
Kommentiere diesen Blogbeitrag