Digital entworfen, geplant und gebaut

Gioia da Silva

Im Architekturprojekt DFAB HOUSE schaffen gleich mehrere neuartige, digitale Bautechnologien zum ersten Mal den Sprung vom Labor in die Praxis.

Die Digitalisierung im Holzbau ist nichts Neues. Einzelne Bauelemente werden schon seit einigen Jahren mit computergestützten Anlagen gefertigt. Dennoch kann die Architektur heute dank der digitalen Bauweise auf fundamental neue Formen und Ausdrucksweisen hoffen. In den letzten Monaten haben Forschende der Professur für Architektur und digitale Fabrikation der ETH Zürich ein neues, digitales Holzbauverfahren entwickelt: «Spatial Timber Assemblies». Die Methode erlaubt Architekten, geometrisch komplexe Holzmodule effizient zu realisieren.

 

Wellen anstatt Kanten

«Die digitale Fabrikation und die Verwendung von Robotern im Bau kann man mit einem 3D-Druckprozess vergleichen», sagt Matthias Kohler, Professor für Architektur und digitale Fabrikation an der ETH Zürich. «Roboter zerteilen einzelne Elemente wie Holzlatten im exakt richtigen Winkel und fügen die Teile im Anschluss auf den Millimeter genau zusammen. Bauprozesse, die in Handarbeit extrem viel Zeit beanspruchen, werden dank dem Einsatz von Robotern besser realisierbar.» Gewellte Dächer und Wände, die sich heute oft nur in einem zeitaufwendigen Prozess herstellen lassen, könnten also in Zukunft einen Kontrast zu den heutigen, primär rechtwinkligen Gebäudeformen bieten. Die Entwicklung freut Architekten: «Wir erschliessen so total neues Gestaltungspotenzial», sagt Kohler.

Innenvisualisierung © Gramazio Kohler Research

Die neue Baumethode wird nun erstmals an einem Architekturprojekt eingesetzt, welches das Forschungslabor verlassen wird: Am dreistöckigen DFAB HOUSE (siehe Box), das noch im laufenden Jahr auf dem Forschungsgebäude NEST der Empa und Eawag in Dübendorf realisiert werden soll. Es ist das erste Mal, dass ein grossmassstäbliches Architekturprojekt mit dem Einsatz von ABB-Robotern im weltweit einzigartigen Robotic Fabrication Laboratory an der ETH Zürich umgesetzt wird.

Nachhaltiger Gebäudebetrieb

Für die Gebäudeautomation und die Energieverteilung im Pionierbau wird ebenfalls ABB-Technik zum Einsatz kommen. Mit einem KNX-System werden sich die Energieflüsse im Gebäude nicht nur detailliert messen, sondern auch optimieren lassen. Die Gastforschenden der Empa, die das DFAB HOUSE bereits in naher Zukunft beherbergen wird, werden sich also über unzählige komfortsteigernde Smart-Home-Funktionalitäten freuen dürfen.

Das DFAB HOUSE soll bereits Ende 2018 auf dem NEST-Gebäude stehen © ETH Zürich

«Als Partnerin des Projekts DFAB HOUSE engagiert sich ABB sowohl für die Grundlagenforschung, als auch für den Wissenstransfer zwischen Forschung und Industrie», sagt Bernhard Caviezel, Produktmarketingdirektor bei ABB Schweiz. «Das innovative Bauvorhaben ist ein anschauliches Beispiel dafür, was wir alles erreichen können, wenn Menschen und moderne Technik Hand in Hand zusammenarbeiten.»

DFAB HOUSE  
Das DFAB HOUSE ist eine dreistöckige Wohneinheit, die noch im laufenden Jahr auf dem imposanten Forschungs- und Innovationsgebäude NEST der Empa und Eawag in Dübendorf aufgebaut werden soll. Es ist weltweit das erste Gebäude, das gleich mehrere neuartige, digitale Bauprozesse unter einem Dach vereint. Acht Professuren der ETH Zürich und diverse Industriepartner, darunter ABB, sind am Projekt beteiligt. Die Gebäudemodule werden zu grossen Teilen im Robotic Fabrication Laboratory der ETH mit ABB-Robotern vorfabriziert.

 

Titelbild: Im Robotic Fabrication Laboratory an der ETH Zürich arbeiten Menschen und Roboter Hand in Hand. Die Roboter schneiden die Holzbalken zurecht und halten sie an der richtigen Position. Der Mensch schraubt die Latten fest. © NFS Digitale Fabrikation / Roman Keller

Über den Autor

Gioia da Silva

Als ich 2015 zu ABB stiess, kannte ich mich in vielen Bereichen der Technik etwa so gut aus, wie ein Polarbär in der Sahara. Nach unzähligen spannenden Begegnungen während meiner Arbeit für die Unternehmenskommunikation weiss ich heute, dass Niederspannung genauso interessant sein kann wie Hochspannung.
Kommentiere diesen Blogbeitrag
Community Guidelines