Special Olympics Kiel 2018: Eine Woche in der inklusiven Redaktion

Die inklusive Redaktion bringt Menschen mit und ohne geistige Behinderung zusammen. Im Tandem berichteten wir über die Spiele.

Ich arbeite nun schon seit zweieinhalb Jahre bei ABB. In dieser Zeit habe ich natürlich immer wieder von den Special Olympics, den Sportspielen für Menschen mit geistiger Behinderung, gehört: von den großen Emotionen der Athleten, dem herzlichen Umgang miteinander und der ansteckenden Freude. Die Geschichten meiner Kolleginnen und Kollegen, die bereits als Helfer bei den Special Olympics aktiv waren, haben mich dazu motiviert, mich dieses Jahr selbst für einen Einsatz zu bewerben. In Kiel durfte ich nun vom 14. bis 18. Mai live dabei sein.

Dabei wurde ich allerdings nicht als Sporthelfer eingesetzt, sondern durfte in der inklusiven Redaktion von Special Olympics Deutschland mitarbeiten, die aus freiwilligen Helfern mit und ohne geistige Behinderungen besteht. Da ich selbst im Bereich Kommunikation arbeite, freute ich mich umso mehr, redaktionell arbeiten zu können, und gleichzeitig gemeinsam mit anderen und mit einem sogenannten Tandempartner über die Special Olympics zu berichten.

Die inklusive Redaktion im Gespräch mit Athleten (links), Athlet Jan Knoll im Interview mit Nikolai Prodöhl von der inklusiven Redaktion (rechts) © ABB

Eindrücke der ersten Tage: „Wir sind alle Gewinner!“

Am Montagmorgen beginnt die erste Schicht in der inklusiven Redaktion in den Konferenzräumen der Sparkassen-Arena mitten in Kiel. Nachdem wir die Zeitpläne für die verschiedenen Sportarten sowie Tageshighlights durchgegangen sind, über die berichtet werden sollen, werden die Aufgaben verteilt. Jeder Helfer darf sich aussuchen, welche Sportart ihn am meisten interessiert und worüber er auf der Homepage von Special Olympics Deutschland berichten möchte. Nachdem wir der morgendlichen Live-Schaltung für den Sportteil des ARD Morgenmagazins zugeschaut haben, brechen wir mit den Shuttlebussen zu den verschiedenen Sportstätten auf.

Ich bin mit unterschiedlichen Helfern aus anderen Unternehmen und der Universität Kiel unterwegs und interviewe Athleten in den Disziplinen Leichtathletik, Schwimmen und Radfahren. Wir lernen die unterschiedlichsten Personen kennen: Von jung bis alt, von aufgeregten Anfängern bis hin zu routinierten Profis, die schon einige Male an den Special Olympics teilgenommen haben und bereits die ein oder andere Medaille gewinnen konnten. In den Gesprächen mit den Sportlern höre ich immer wieder: „Gewinnen ist nicht alles – weil wir alle Gewinner sind“. Trotzdem geben die Athleten ihr Bestes und nehmen die Wettkämpfe, für die sie monatelang hart trainiert haben, sehr ernst. Und wir erleben die ehrlichen Emotionen, von denen die Kollegen immer berichtet haben – von heftiger Enttäuschung bis hin zu unbeschreiblicher Freude – auch über einen fünften Platz.

Unterwegs mit meinem Tandempartner

Am Mittwoch bin ich mit meinem Tandempartner Nikolai Prodöhl an der Kieler Hafenspitze unterwegs, um die Athleten der Disziplin Kanufahren zu interviewen. Dabei lerne ich ihn näher kennen. Nikolai konnte bereits viel Medienerfahrung sammeln: Er hat sich das Fotografieren und Filmen mit der Spiegelreflexkamera selbst beigebracht und moderiert auch einmal pro Monat eine Radiosendung auf dem Hamburger Kanal Tide. Hier berichtet er gemeinsam mit einem Freund über inklusive Themen und teilt seine Erfahrungen sowie Tipps und Tricks im Bereich Teilhabe am Arbeitsmarkt, Bildung und Wohnen für Personen mit geistiger Behinderung. Außerdem hilft er von Zeit zu Zeit auch freiwillig als Kabelhelfer für die Kameraführung im NDR.

Hinter den Kulissen 2 – Nikolai Prodöhl von der inklusiven Redaktion beim Fotografieren der Athleten © ABB

Er erzählt mir, dass er später gerne fest in einer Redaktion arbeiten möchte. Allerdings seien Jobs in dieser Sparte für Menschen mit geistiger Behinderung eher selten. Daher findet er es umso wichtiger, dass in der Gesellschaft mehr über das Thema Inklusion berichtet wird. Und dazu hat er auch allerhand Gelegenheit: Während wir Fotos von den Kanuten machen, erhält er einen Anruf des Fernsehsenders Sky, der ihn um ein Interview in Kiel bittet.

Die Woche rauscht mit all ihren verschiedenen Eindrücken an mir vorbei: Ein Abend in der Athletendisko, einige Pressekonferenzen, etliche Athleten-Interviews und Berichte später ist es leider auch schon Freitag und Zeit für die Abreise. Was bleibt sind die schönen und bereichernde Erinnerungen sowie die frisch geknüpften Bekanntschaften aus der inklusiven Redaktion und mit den Athleten. Für mich steht fest: Dies wird ganz bestimmt nicht das letzte Mal sein, dass ich an den Special Olympics teilgenommen habe.

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Über den Autor

Janine Rothe

Nach meinem Marketing-Studium und der PR-Weiterbildung arbeite ich nun am ABB-Standort Mannheim im Bereich HR mit dem Schwerpunkt Kommunikation. Der Sprache und dem geschriebenen Wort bleibe ich auch in meiner Freizeit treu: Wenn ich nicht gerade am Pendeln, Städtehoppen oder Reisen bin, trefft ihr mich mit Hörbuch im Ohr oder im Buchladen auf der Suche nach dem nächsten spannenden Krimi oder der neuesten Geschichte von Stephen King.
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