Winter im Land der Wikinger: Ein Wintermärchen im hohen Norden

Marcos Fabricio da Silva

Trainee Marcos reist im Auftrag von ABB Turbocharging für sein drittes Assignment nach Norwegen. Hier erzählt er, wie er der Winterdepression vorbeugt.

Led Zeppelin hat 1970 die legendäre Single “The Immigrant Song” herausgebracht, die von den Skandinavischen Plünderern an der englischen Küste erzählt. Als ich herausfand, dass ich den Winter in Norwegen mit ABB Turbocharging verbringen werde, kam mir dieses Bild in den Kopf: ich, Brasilianer, lande im vormittelaltrigen Oslo vor eine Reihe ausgerüsteter Wikinger, die mir beim heftigen, von den heldenhaften Gitarrenriffs Jimmy Pages begleiteten Schneefall, die ersten Worte dieses Lieds entgegensingen: “We come from the land of the ice and snow, from the midnight sun, where the hot springs flow”. Solche Stereotypen sind natürlich zu anachronistisch, um heutzutage vorzukommen. Ausserdem haben mich die Norweger viel freundlicher empfangen, jedoch ohne epischen Soundtrack, und zur falschen Jahreszeit, was die “midnight sun” betrifft. Doch ich wusste, dass das zeitgenössische Norwegen der Beginn eines neuen Abenteuers im Werdegang bei ABB werden würde. Ich bin nun seit 3 Monaten da, und kann über diese Erfahrung im hohen Norden aus der Sicht eines Südamerikaners berichten.

Sonnenuntergang am Torshovparken © Marcos Fabricio da Silva

Hvordan går det med deg?
Dass ich die letzten 8 Jahre im Deutschsprachigen Raum verbracht habe, diente sicherlich als Sprungbrett in die Norwegische Sprache, in die Kulturunterschiede und in das skandinavische Klima, als wenn ich direkt aus der Heimat hergezogen wäre. Schliesslich funktionieren interkulturelle Erfahrungen und Sprachen wie positives Feedback: je mehr man sammelt, desto einfacher wird es, neue dazu zu holen.

Zu Recht: Norwegisch gehört auch zur Germanischen Sprachenfamilie. Es kommt vom Wortschatz her bekannt vor. Buchstaben wie ø, å und æ sind nicht so fremd. Und die Grammatik ist sogar leichter: Tschüss sei dem Dativ! Im Norwegischen gibt es Subjekt und Objekt, und Genitiv lässt sich mit einem “til” vor dem Substantiv schon erledigen. Und der Gnadenschuss: die Verben werden bei allen Personen gleich konjugiert!

Doch in der Aussprache liegt die grösste Kluft. Zum Glück gibt’s auf der Webseite der Uni Trondheim ausführliche Online-Kurse mit jeder Menge Hörübungen und Skripte zum Herunterladen, und zwar gratis. Das nenne ich Integrationshilfe! Jeg snakker litt norsk!

Die Norweger sind meistens höflich und bescheiden, und besonders begeistert, wenn ein Ausländer sich Mühe gibt, die Sprache zu lernen und über ihr Land zu lernen. Bei ABB in Oslo hat man selbstverständlich eine bunte Arbeitsumgebung mit viel Diversität und die norwegischen Kollegen haben mich deswegen sehr herzlich empfangen.

Über die Kultur kann man viel mehr erzählen, als hier rein passt. Kurzgefasst: die norwegische Gesellschaft legt viel Wert auf Gleichheit, und Work-Life-Balance ist mehr als nur Schlagwort. Bemerkenswert fand ich den Begriff “Janteloven” (“Gesetz von Jante“). Er stammt aus einem dänischen Roman und ist im Skandinavischen Raum inklusive Norwegen ziemlich bekannt als informellen Verhaltenskodex, laut dessen man niemals annehmen sollte, besser als andere Menschen zu sein. Obwohl der Roman das zu gewissem Ausmass geradezu scherzhaft übertreibt, indem individuelle Errungenschaften schlichtweg verachtet sind, wird es oft den Kindern erzieherisch als Anreiz zur Bescheidenheit erzählt. Und es scheint zu klappen.

Vollmond am Morgenhimmel und die künstliche Sonne
Der spätere Sonnenaufgang führt auf der einen Seite zu eindrucksvollen Blicken: ich sah zum Beispiel den riesigen Super-Mond im Dezember im pechschwarzen Himmel um 8:30 Uhr auf dem Weg ins Büro. Ich dachte zunächst, dass ich noch träumte. Doch die auf dem Boden ansässige Eisschicht verursachte bei mir plötzlich einen Breakdance-Ausbruch, und das schlecht als künstlerischen Geistesblitz vertuschte Treffen zwischen Pobacken und Gehweg hat mich vergewissert: das ist alles echt, und pass auf wo du trittst!

Auf der anderen Seite weiss man, dass die kürzeren Tage Auswirkungen auf Leib und Laune haben können, und zwar nicht nur kurzfristig. Wenn es auch nicht bei jedem vorkommt, wollte ich das nicht unterschätzen: gleich im 1. Monat habe ich mir eine Lichttherapie-Lampe angeschafft. Ich dachte zunächst, es handelt sich um die Wecker, die allmählich sanftes Licht und Waldgeräusche oder Soft-Jazz dem Gesicht entgegenstrahlen, bis man entweder aufwacht, oder wesentlich besser schläft. Als ich es nachgeschlagen habe, ergab sich etwas weniger Entspannendes.

Unfehlbares Weckmittel gegen Wintermüdigkeit © Marcos Fabricio da Silva

Mit 10000 lux Lichtstromdichte erzeugen diese medizintechnisch zertifizierten Geräte ein UV-freies, sonnenähnliches Licht. Im Vergleich beträgt die Lichtstromdichte in einem Büroraum durchschnittlich mickrige 500 lux. Bei 30-minutiger Anwendung in einem gewissen Abstand zu den Augen sollte sie also den Körper auf den Tagesrhythmus zurechtstrahlen. Das Gehirn von Säugetieren regelt den Stoffwechsel nämlich gemäss der Wellenlängen und Intensität des Umgebungslichts. In Orten mit ausgesprochenem Winter empfiehlt sich das deshalb, um einer Winterdepression vorzubeugen.

Bei mir wirkt die Lampe gut, ersetzt aber weder ein aktives Leben, noch gute Gesellschaft und gesunde Ernährung. Beides habe ich erfreulicher Weise auch in Oslo gefunden. Unter dieser Strahlung wird man allerdings definitiv nicht sanft weiterschlafen können.

Die Götterflur
Aus der altnordischen Götterbezeichnung Ás, und aus dem lo, das “Weide” bedeutet, wurde der Name der norwegischen Hauptstadt zusammengesetzt: Oslo. Eine beeindruckende Stadt, die dem Fjord herunterfliesst wie ein Heer magischer, schneebedeckter Hütten auf dem Weg zum Plündern jenseits der Nordsee.

Ob das Hipster-Viertel Grünerløkka mit seinem farbigen, musikalischen Nachtleben; das Operahus, das wie eine scharfkantige Eisskultur zuweilen unheimlich, imposant, doch stets bildschön über dem Oslofjord herschaut; der Vigelandsparken vom gleichnahmigen Künstler mit seinen witzigen, doch bedeutungsvollen Statuen; die Mauern der Festning Akershus mit einer atemberaubenden Aussicht auf den Sonnenuntergang über dem Fjord. Egal aus welchem Blickpunkt: die Stadt verdient ihren Namen und bietet ein Leben mit viel Diversität und Kultur.

Der Höhepunkt ist für mich der Vinterparken. Mit Snowboard und Saison-Ticket bewaffnet, fahre ich fast jeden Samstag mit dem ÖVM-Ticket (Zone 1!) in das Skiresort, um Ausgleich in hoher Geschwindigkeit zu suchen. Es ist mir endlich gelungen, so schnell zu fahren, wie die Norwegischen Kinder.

Der Norwegische Nationalsport ist deutlich in den Strassen und Zügen am Samstag Morgen zu sehen: voll gepackt mit bunt gekleideten Langläufer, die ihre Skier in der Hand auf dem Weg zum Skiresosrt tragen. Die Fahrt zurück schliesst den Tag traumhaft ab: mit einem Blick über die Fjorden, wie es sonst nirgends in ganz Oslo gibt.

Oslo Operahus und der Blick aus dem Zug auf die Fjorde © Marcos Fabricio da Silva

Turbocharged Winter
An meinem 2. Trainee-Assignment war ich in Baden bei ABB Turbocharging. Dort hatte ich die Gelegenheit, abwechslungsreiche Aufgaben in der Geschäfts- und Produktentwicklung von digitalen Service-Lösungen im Rahmen von ABB AbilityTM zu übernehmen. Um die Früchte dieses Assignments an die Kunden und an die lokale Business Unit in Skandinavien zu bringen, ergab sich mein 3. Assignment bei ABB Turbocharging in Oslo.  In Zusammenarbeit mit der Business Unit Marine & Ports werden hier digitale Service-Produkte weiterentwickelt und demnächst auch vertrieben – die ABB Turbolader sind nämlich zum grossen Teil in Schiffen unterwegs. Die Arbeit zwischen beiden Business Units ermöglicht eine spannende Erfahrung innerhalb der komplexen Struktur eines grosses Unternhemens wie ABB.

Nun steht eine Auszeit bevor: ab in den Norden! Auf der Suche nach den Nordlichtern und nach weiteren Horizonten begebe ich mich demnächst auf den Weg zu den Lofoten. Danach gilt es, das Trainee-Programm abzuschliessen und den weiteren Pfad bei ABB einzuschlagen.

Allerdings bin ich froh, eines Tages gegebenenfalls meinen Enkeln – wenn auch ganz schöngefärbt – erzählen zu können: “Opa ist richtig hart und hat mal den ganzen vollen Winter in Norwegen locker überstanden!”.

 

Explorer Trainee Programm von ABB Schweiz
Das Swiss Explorer Trainee Programm fokussiert sich auf die praktische Ausbildung junger Absolven-tinnen und Absolventen im Ingenieurbereich mit bis zu anderthalb Jahren Berufserfahrung. Während drei «Assignments» à 6 Monaten lernen die Trainees unterschiedliche Bereiche von ABB kennen. Sie gestalten das Programm aktiv selbst mit, in dem sie sich die «Assignments» selbst suchen und somit von Beginn an mitentscheiden, welchen beruflichen Weg sie während, aber auch nach dem Programm, einschlagen. Ziel eines Trainee-Programms ist es, auf eine breite und aufeinander abgestimmte Basis für die anschliessende Festanstellung bei ABB Schweiz hinzuwirken. Mehr Informationen findest Du hier.

Über den Autor

Marcos Fabricio da Silva

Mein Weg zur ABB fing mit sprachlicher Neugierde fürs Deutsche in meiner Heimat an: die brasilianische Hauptstadt Brasília. Eine Kurzschlussentscheidung brachte mich zum Mechatronik Studium an der Uni Stuttgart, und schliesslich zum Master of Science in Robotics, Systems and Control an der ETH Zürich. Mein erster Kontakt mit ABB geschah während des ETH-Studiums bei einem Industriepraktikum in der Entwicklung eingebetteter Systeme. Im Trainee Programm konnte ich meinen technischen Hintergrund mit einer wertvollen Erfahrung in der Entwicklung, Geschäftsabwicklung und Sales-Support digitaler Service-Produkte erweitern. Es freut mich, in der Gestaltung der digitalisierten ABB mitzuwirken!
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