Was kann Cognitive Computing?

Cognitive Computing wird in zahlreichen KI-Anwendungen (Künstliche Intelligenz) verwendet. Doch was ist das genau? © Gerd Altmann (weitere Copyright-Angaben unten)

ABB, IBM und die Uni Köln schaffen ein System, mit welchem Business Developer Wachstumsmärkte identifizieren und erschließen können. Dabei hilft IBM Watson.

Die Idee

Marktstudien werden meist aufwendig erstellt – und werden deshalb auch nur ein- oder zweimal im Jahr erhoben. Außerdem sind sie teilweise zäh und langatmig zu lesen. Die Studenten der Uni Köln hatten die Idee, dass anstelle von Mitarbeitern ein Computer die Marktstudien sammeln, lesen und bewerten könnte. Und der Computer könnte dies auch fortlaufend machen und so größere Datenmengen sammeln und interpretieren.

Dennoch waren wir und auch die Studenten der Uni Köln zunächst skeptisch: Kann ein Computer wirklich Texte verstehen und bewerten? Dazu müsste der Computer ja kognitive Fähigkeiten haben. Außerdem: Wie können denn Außenstehende und noch dazu Berufsanfänger etwas schaffen, das wirklich relevant für ABB ist?

„Design Thinking“

Um es vorweg zu nehmen: Ja, das funktioniert! Sogar in einer relativ kurzen Zeitspanne.

Dazu benutzen die Studenten den „Design Thinking Ansatz“: Sie analysierten die Bedürfnisse der ABB Business Developer, indem sie sich tief in ihre Lage hereinversetzten. Dabei inspizierten die Studenten nicht nur die unmittelbaren Bedürfnisse, die „Analyse“ ging viel tiefer und berücksichtigte Arbeitsvorlieben und sogar Hobbies, charakterliche Züge u.v.m. Darauf aufbauend wurde dann ein perfektes Arbeitsumfeld konzipiert, ohne dass irgendwelche Restriktionen den Lösungsansatz beschränkten.

Konkretes Beispiel

Ideal wäre es doch, wenn zum Beispiel ein Business Developer vom System Vorschläge erhält und dann mit dem System „reden“ kann. Im zweiten Schritt können die Vorschläge dann verfeinert oder verworfen werden und das System hat die Chance, dazuzulernen und seine Vorschläge zu verbessern – ganz so, als ob es ein menschlicher Partner wäre. Durch das Sich-Lösen von technischen Restriktionen entstand auf dieser Weise ein erstes Konzept, das wir für ideal aber kaum umsetzbar hielten.

Und dann wurden wir ein zweites Mal überrascht: Die heutige Technologie ist sehr wohl fähig, dieses Konzept umzusetzen – und zwar in kürzester Zeit: Zwei Wochen lang haben die Studenten ein Modell erstellt und in IBM Watson implementiert. Dann haben sie drei Wochen mit Watson trainiert, so dass externe Texte verstanden werden und auf ABB bezogen werden konnten. Die Ergebnisse wurden dank des Design Thinking-Ansatzes elegant in einem System für die Business Developer von ABB zusammengestellt, so dass kaum mehr ein Wunsch übrig blieb.

Das Ergebnis war sehr beeindruckend, da in wirklich kurzer Zeit ein echter Prototyp entstanden ist, der genau auf die Bedürfnisse von ABB passte.

Auch die finale Präsentation in Zürich war ein voller Erfolg: Der Raum war voll, viele Entscheider verfolgten begeistert die Erklärungen und Demonstration. Im Anschluss entstand ein reger Austausch zwischen Studenten und ABB-Managern.

Die Studenten haben uns gezeigt, dass der Fokus auf den Benutzer und das Design, sowie der Mut, neue Dinge anzugehen und technische Restriktionen zunächst außer Acht zu lassen, gepaart mit Enabling Technologies wie Cognitive Computing, Großes entstehen lassen können.

Und damit ist genau das passiert, was die Aufgabe „digitaler Ninjas“ ist: Nämlich Denkmuster zu durchbrechen und Mitarbeiter zu einem anderem Denken zu bringen – disruptiv eben.

Studierende des CEMS-Master-Studiengangs “International Management” zusammen mit Oliver Lawrenz (rechts): Für das Projekt gewannen sie auch den Preis für das beste CEMS Business Projekt des Jahres 2017 © ABB

Studierende werden zu „Digital Ninjas“

Im Gegensatz zu sogenannten Inkubatoren lieferten die Studierenden also mehr als schlaue Ansätze und Ideen. Sie setzen das Ganze auch um und zwar konkret auf die ABB Bedürfnisse zugeschnitten. Und dies schnell, fast unbemerkt und in kleinen „schlagfertigen“ Gruppen. Aufgrund dieser Analogie wird dieses Konzept auch „Digital Ninjas“ genannt.

Was machen wir als nächstes?

Die Lösung haben wir bereits vom IBM Server in die ABB Welt geholt und seit Anfang 2018 planen wir den Roll-out. Es bleibt also spannend!

Cognitive Computing – geht das wirklich?
Wie kann eigentlich eine Maschine Text verstehen lernen? Das eben kann das sogenannte “Cognitive Computing“. Anders als Apple’s Siri oder Alexa versteht IBM Watson den Text “wirklich”, also kognitiv. Dazu werden Module wie “Natural Language Processing” genutzt. Watson nutzt – wie das menschliche Gehirn – neuronale Netze. Diese sind lernfähig. Watson präsentiert erste Ergebnisse und Schlussfolgerungen, die Studenten bewerten diese Ergebnisse, geben Feedback und dadurch lernt das neuronale Netz. So lernt Watson ganz ähnlich wie der Mensch. Watson macht also weit mehr als eine Datenbank mit Schlagwortsuche oder ein ausgefeiltes Klassifizierungssystem (sog. maschinelles Clustering). Dadurch versteht Watson nach einer kurzen Trainingsphase wirklich unsere Sprache sowie den ABB-Kontext und -Jargon. Für mich war dies eine einmalige und unglaubliche Erfahrung!

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Titelbild Copyright: Gerd Altmann unter CC0-Lizenz

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Über den Autor

Oliver Lawrenz

Oliver Lawrenz leitet in Zürich den Bereich Marketing & Sales Performance Management. Er ist seit acht Jahren bei ABB und arbeitete vormals im Bereich Supply Chain Management. Er ist fast 50 Jahre alt, Vater von drei Kindern und wohnt in München. Oliver studierte Wirtschaftsinformatik mit Schwerpunkt Psychologie an der Universität Bamberg, arbeitete zehn Jahre in der Beratung sowie zwei Jahre in der New Economy bevor er von Siemens zu ABB wechselte. Er ist Autor mehrerer Bücher, war Lehrbeauftragter an der Fachhochschule Ludwigshafen und arbeitet seit Jahren gerne, intensiv und erfolgreich mit Hochschulen und Business Schools.
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