México – La bella vida!

Aussicht über die farbenfrohe Stadt Guanajuato © Julia Braun

Für das Auslandsassignment führte es mich nach Mexiko, genauer nach San Luis Potosí, eine Stadt im Zentrum dieses riesigen Landes!

Ursprünglich wurde San Luis Potosí, oder hier kurz SLP genannt, als Minenstadt gegründet. Benannt wurde sie nach dem französischen König Ludwig IX und der Silberstadt Potosí im heutigen Bolivien, da man erwartete, dass der Silberreichtum aus den Minen mit denen aus Potosí vergleichbar wäre. Der grosse Reichtum blieb aus, aber dank seiner Lage im Zentrum des Dreiecks zwischen den Grossstädten Mexico City, Monterrey und Guadalajara nimmt SLP wirtschaftlich eine wichtige Rolle ein. Sie ist Teil der Bajío Region, welche als die mexikanische Region mit der besten Lebensqualität, höchsten Sicherheit und dynamischster Wirtschaft gilt. Das wirtschaftliche Wachstum ist vergleichbar mit dem rasanten Wachstum in Asien, was dazu führt, dass die Infrastruktur der Stadt hinterherhinkt. Letzteres spiegelt sich in den chronisch verstopften Highways wieder. Meine halbstündige Autofahrt zur Arbeit kann sich schnell in eine 1.5-stündige Geduldsprobe verwandeln, wenn ich das Büro zur falschen Zeit verlasse. Schon unzählige Thesen bezüglich der besten Zeit für die Fahrt zur Arbeit habe ich aufgestellt und wieder verworfen. Am Ende musste ich feststellen, dass der Verkehr in Mexiko keinen Regeln folgt und man jeden Tag an einem anderen Ort und Zeit das Vergnügen hat, im Schneckentempo die karge Wüstenlandschaft von San Luis Potosí zu betrachten.

Wandmalereien in Cerro de San Pedro,ein kleines Dorf ausserhalb von San Luis Potosí und das historische Zentrum von San Luis Potosí © Julia Braun

El trabajo!

Der ABB Campus liegt in der Industriezone etwas ausserhalb der Stadt und gehört zu einer Freihandelszone, welche das Importieren und Exportieren von Waren erleichtert. Zum Campus gehören zwei Produktionsanlagen und ein Gebäude für die Global Business Services. Meine Aufgabe hier bei PGHV ist es, das IBP (Integrated Business Planning) zu implementieren. Interessante Aspekte meiner Arbeit sind, dass ich mit allen Abteilungen zu tun habe, einen gesamthaften Überblick über die Value Chain bekomme und mit verschiedenen Standorten zusammenarbeiten kann. So gehören zu meinem Assignment auch Besuche bei unseren Teams in Mexico City und Mount Pleasant in den USA. Die Einführung von IBP ist mit Change Management verbunden, welches geschickte Kommunikation und Fingerspitzengefühl erfordert und mir eine gute Lebensschule ist. Auf dem ABB Campus herrscht eine kameradschaftliche Atmosphäre und Probleme im täglichen Geschäft werden effizient an den Daily Operational Meetings diskutiert und als Team gelöst. Da mindestens einmal pro Woche ein Geburtstagkuchen serviert wird und dir der Tischnachbar regelmässig einen süss-scharfen Lollipop anbietet, sollte man sich gar nicht erst vornehmen an Gewicht zu verlieren. Zu meiner Enttäuschung wartet man hier jedoch vergeblich auf die gemeinsamen Kaffeepausen, während denen man sich über das letzte Wochenende austauschen kann – dafür muss man bis zur Mittagspause warten. Mit nur 10 Spanischlektionen vor dem Abflug nach Mexico wurde ich doch etwas ins kalte Wasser geworfen und musste am Anfang in Meetings oder gerade in den Mittagspausen den Inhalt mehr erraten, als dass ich etwas verstanden hätte. Mein Spanisch verbessert sich in kleinen Schritten und nach zweieinhalb Monaten kenne ich nun auch genug Wörter, die ich sinnvoll zusammenflicken kann und bekomme am Essensstand das gewünschte Gericht oder kann mich von Radblockern am falsch parkierten Auto befreien.

Der ABB Campus in der Abendsonne. Links die Kantine und rechts eine der zwei Produktionshallen. Platz hat es hier jedenfalls genügend! © Julia Braun

Qué frío!

Als ich meine Koffer in der Schweiz gepackt habe, habe ich mich auf einen warmen Winter ohne Schnee vorbereitet. In SLP musste ich dann feststellen, dass der Winter hier zwar sehr sonnig ist und am Tag die Temperaturen bis auf 25 Grad ansteigen, die Temperaturen in der Nacht jedoch schnell auf 0 Grad sinken können. Alles in allem ja immer noch einiges wärmer als in der Schweiz, wenn man hier nur Heizungen kennen würde. Am Morgen möchte man sich am liebsten in eine dicke Daunenjacke kuscheln. Sitzt man am Mittag draussen entledigt man sich schnell seiner Kleiderschichten und verzieht sich bald wieder in den Schatten, um der brennenden Sonne auszuweichen. Zurück im Büro werden alle Schichten wieder angezogen und man ist froh über das geschenkte ABB Gillet, das noch etwas zusätzliche Wärme verspricht.

Durch ihre freundliche und hilfsbereite Art haben mir die Mexikaner den Start hier sehr einfach gemacht. Sie helfen dir wo sie können und lehren dich, was wahre Gastfreundschaft ist. Das erste Mal an ein BBQ eingeladen, wird man damit überrascht, dass die Feier auch bei 0 Grad draussen stattfindet – und trotzdem wird gelacht, wenn ich als Schweizerin bei der nächsten Feier das extra Paar Socken auspacke.

Muy rico!

Im kulinarischen Sinne kann ich mich hier in Mexiko nicht beklagen. Die lokale Küche ist sehr geschmacksvoll und man bekommt an jeder Strassenecke Tacos, Enchiladas und Gorditas (auf Englisch übersetzt: little fat one), welche frisch zubereitet werden und mit Limetten, Koriander, Zwiebeln und verschiedenen Salsas nach dem eigenen Geschmack gewürzt werden. Interessant wird es, wenn man sich ein neues Gericht erklären lässt. Zu 99 Prozent erhält man folgende Erklärung: “Dieses Gericht enthält Tortillas (Maisfladen), Queso (Käse), Carne (Fleisch) und Salsa (Sauce).” Sehen sie deinen fragenden Ausdruck im Gesicht wird normalerweise ergänzt, dass dieses Gericht zwar die genau gleichen Zutaten enthält wie alle anderen, aber dass dieses Gericht einen komplett anderen Geschmack hat – was in den meisten Fällen auch stimmt und man tatsächlich überrascht wird von den geschmacklichen Nuancen der lokalen Enchiladas.

Links: Enchiladas Potosinas sind eine Spezialiät von San Luis Potosi. Rechts: Das Fleisch kommt direkt vom Pastor auf die Tortillas. © Julia Braun

Ahorita!

Die Mexikaner leben nach ihrer eigenen Uhrzeit, der Zeit der “Ahorita”s. Wörtlich übersetzt bedeutet “Ahorita” jetzt. Aus dem Munde eines Mexikaners kann das „Jetzt“ jedoch in Minuten, Stunden, Wochen oder Monate ausgedehnt werden. Nach einer Aussage wie “Voy a la junta ahorita” (Ich komme “jetzt gleich” ans Meeting) würde ich heute das Meeting als gestrichen notieren und mir ein neues Datum überlegen. Schwierig wird es, wenn man sich mit jemandem treffen will. Die Zeit des Treffpunkts wird meist nicht als Konstante angesehen. Es kann deshalb vorkommen, dass man den Anfang des Filmes verpasst oder jemand zu früh auftaucht und man fast noch unter der Dusche steht. Einmal an die mexikanische Zeit gewöhnt gibt es hier Vieles zu entdecken und zu erleben. Und sehr schnell gewöhnt man sich an die schönen Dinge dieses Landes: die unzähligen interessanten und eindrücklichen Reiseziele; den Waschservice auf dem Parkplatz vor dem Einkaufcenter, währenddessen man selber einkauft; die Tacostände überall, die eine nahrhafte Mahlzeit in kürzester Zeit versprechen; die Restaurantpreise, bei welchen man sich nicht zweimal überlegen muss, ob man auswärts essen möchte; die Tanzkultur, so dass an der ABB Weihnachtsfeier ohne einen Tropfen Alkohol ausgiebig getanzt wird und und und… Zum Glück habe ich nochmals drei Monate Zeit, um weiter in die Besonderheiten dieses Landes einzutauchen.

Blick auf die Tempel von Tulum in Quintana Roo im Süden von Mexico, wo man auch im Winter bei 30 Grad den Strand geniessen kann © Julia Braun

 

Explorer Trainee Programm von ABB Schweiz
Das Swiss Explorer Trainee Programm fokussiert sich auf die praktische Ausbildung junger Absolven-tinnen und Absolventen im Ingenieurbereich mit bis zu anderthalb Jahren Berufserfahrung. Während drei «Assignments» à 6 Monaten lernen die Trainees unterschiedliche Bereiche von ABB kennen. Sie gestalten das Programm aktiv selbst mit, in dem sie sich die «Assignments» selbst suchen und somit von Beginn an mitentscheiden, welchen beruflichen Weg sie während, aber auch nach dem Programm, einschlagen. Ziel eines Trainee-Programms ist es, auf eine breite und aufeinander abgestimmte Basis für die anschliessende Festanstellung bei ABB Schweiz hinzuwirken. Mehr Informationen findest Du hier.

Kategorien and Tags
Über den Autor

Julia Braun

Nach meinem Abschluss in Materialwissenschaften an der ETH Zürich habe ich im Frühling 2017 das Trainee Programm bei ABB begonnen. Während meinem ersten Assignment bei GCB New Business in Oerlikon lernte ich das Project Management von Kundenprojekten kennen und konnte mich aktiv an Prozessoptimierungen beteiligen. In meinem zweiten Assignment bei PGHV in Mexiko bin ich für die Implementierung vom IBP (Integrated Business Planning) verantwortlich.
Kommentiere diesen Blogbeitrag