Was kann man in Asien alles erleben? – Teil 2

Unser Trainee Viktor erzählt in drei Teilen von seinem Aufenthalt in Singapur und Asien. Im zweiten Teil: Wohnen und Essen.

Seit April bin ich im Rahmen meines Trainee Programms in Singapur als «Commissioning Engineer» bei der lokalen Einheit «Industrial Automation Power Generation», welche ein ABB-Überbleibsel des Kraftwerksgeschäfts ist. Während das Generatoren- und Turbinengeschäft bei der Vorgängerfirma der ABB an Alstom verkauft wurde, hat ABB die Kraftwerk-Leittechnik in Form von ABB Ability Symphony Plus und 800xA behalten. In Singapur arbeiten wir vorwiegend an sogenannten «my Symphony Plus»-Lösungen für Gas, Dampf- oder Kombikraftwerke.

Als «Commissioning Engineer» sind meine Aufgaben die Vorbereitung und Durchführung von Abnahmeprüfungen («Factory Acceptance Tests»), Wartung von lokalen Serviceprojekten, und – ganz aktuell – die Inbetriebnahme unseres Prozessleitsystems für das Kohlekraftwerk Barapukuria 3 in Nordbangladesch.

Durch die Arbeit in Singapur und Bangladesch hatte ich Gelegenheit, mit Menschen aus unterschiedlichen asiatischen Ländern wie China, Indien, Vietnam, Malaysia, Indonesien, Philippinen, Korea, Japan sowie Taiwan zusammen zu treffen, zu arbeiten und teilweise sogar zu wohnen.

Im Folgenden teile ich gerne ein paar meiner Eindrücke:

Wohnen

Anders als die meisten anderen ABB-Mitarbeiter in Singapur, welche alleine wohnen, wurde ich von meiner Einheit in einer 4½ Zimmer-Wohnung (kurz “Condo” genannt) am Normanton Park untergebracht. Unser ABB-Gebäude liegt bloss eine Bushaltestelle von meiner Wohnung entfernt.

Im Vergleich zu den staatlich subventionierten Wohnungen, zu welchen circa 80% der Singapurer Haushalte gehören, sind “Condos” deutlich luxuriöser: Es ist ein abgezäuntes Gelände mit Pförtner, Pool und Fitnesscenter. Normanton Park ist ein alter “Condo”-Komplex aus den Siebzigerjahren. Die Wohnungen und die Parkanlage sind deshalb im Vergleich zu Neubauten sehr grossräumig. Bedauerlicherweise hat die kontinuierlich steigende Wohnungsnachfrage die Inhaber nie zu einer Renovation genötigt. Dies bezeugt neben den Küchenschränken und der Abzugshaube, auch der Zustand des Sicherungskastens.

In dieser Wohnung lebe ich meistens nicht alleine. Als ich meine Unterkunft bezog, bewohnten bereits zwei weitere Trainees, Hoa und Quynh aus Vietnam, diese Wohneinheit. Da sich unsere Aufenthalte nur zwei Monate überschnitten, wurde die Wohnung – zu meiner Überraschung – zum ABB-Gasthaus umfunktioniert. Kollegen aus Indien und Malaysia gaben sich für Projekte und Fortbildungen die Klinke in die Hand und innerhalb von drei Monaten hatte ich sechs statt zwei Mitbewohner erlebt.

Das Zusammenleben mit den verschiedenen Menschen war sehr interessant und bereichernd: Ich habe viele neue Gerichte und Lebensphilosophien kennengelernt. Von der Küchen- und Badbenutzung, über Wasserverbrauch, Energieeffizienz und Mülltrennung bis zu Sauberkeitsbedürfnissen.

In Bangladesch wohnen ich und etwa 150 chinesischen Projektarbeiter in zwei Gasthäusern des chinesischen Grossunternehmers. Die Anlage grenzt direkt an das Kraftwerk und ist umgeben von etwas „Dorf“. Anders als in Europa stehen die Häuser allerdings deutlich weniger dicht beieinander.

Mein Zimmer ist ähnlich gross wie in Singapur und verfügt (zum Glück) ebenfalls über eine Klimaanlage. Das Bett ist besonders interessant. Ich habe noch nie auf solch festem Untergrund gelegen wie auf dem gestellten Bett, trotz der beiden Decken, welche ich auf die Matratze gelegt habe. Und trotzdem schlafe ich hervorragend.

Links die Unterkunft in Singapur: Normanton Park; Rechts: Zimmer in Bangladesch © Viktor Lenz

Zudem sind wir pro Haus mit Speisesaal, Fitnessraum und Tischtennisplatte sowie gemeinsamem Basketball- und Badminton-Platz im Hof ausgerüstet, was nach Feierabend jeweils fleissig genutzt wird. Ausserdem pflegen die Angestellten Mango- und Jackfrucht-Bäume auf dem Gelände sowie Kaninchen, Hühner, Kanarienvögel (alle in Käfigen) und halten Katzen und Hunde, sodass die Anlage sehr lebendig wirkt.

Bangladesch ist ein islamisches Land und da die örtliche Moschee nur einen Steinwurf von unserer Unterkunft entfernt ist, kann ich fünfmal täglich den Gebetsruf des Muezzins erleben (wobei ich den morgendlichen in der Regel verschlafe).

Bangladesch ist eines der am wenigsten entwickelten Länder der Region. Durch kleine Spaziergänge sowie den Transfer vom Flughafen konnte ich bereits erste Eindrücke von den Lebensbedingungen sammeln. Die stets auftretenden Stromausfälle sowie die Nichtexistenz von Toilettenpapier und gewissen Lebensmitteln im Land, sind für mich als Europäer gewöhnungsbedürftig und fallen für mich in die Kategorien “Lebenserfahrung” und “Abenteuer”.

Essen

Es gibt wenig, was man in Singapur nicht bekommt: Neben deutschen, französischen und Schweizer Restaurants finden sich auch amerikanische und philippinische Fastfood-Ketten sowie Michelin-prämierte Luxushotels und natürlich jede Menge Streetfood.

Besonders letzteres macht Singapurs eigentliche Essenskultur aus. Fast überall findet man Gastronomiebereiche, “Hawker Centers” und “Kopitams” (Cafés – aber ganz anders als in Europa). Sie bieten schnelle asiatische Gerichte für Preise zwischen zwei bis sieben Schweizer Franken/Euro. Die populärsten Gerichte sind unter anderem Hühnchenreis, “Fish Bee Hoon”, “Roti Prata” und “Nasi Lemak”.

Der Grossteil der Singapurer geht wegen des günstigen Essens sowohl mittags mit Kollegen als auch abends mit der Familie essen. In vielen Haushalten wird nie gekocht. Bekannte haben mir erzählt, dass gewisse Vermieter das Kochen in geteilten Wohnungen sogar untersagen, obwohl eine Küche vorhanden ist.

Da ich gerne koche, bin ich regelmässig in Supermärkten einkaufen gegangen. Mit Hilfe meiner vietnamesischen Mitbewohner und des Internets habe ich die mir unbekannten Zutaten wie “Buk Choy”, “Wintermelone” und “Bittergourd” verarbeitet. Ausserdem habe ich Tofu in seinen verschiedenen Ausführungen schätzen gelernt.

Ein absurder Ernährungstrend, der sich in Asien verbreitet, ist „Charcoal“, Steinkohle. In Singapur habe ich bereits “Charcoal-Baos” (Dampfnudel) gefüllt mit Vanillecreme, “Charcoal-Soya-Eiscreme” und -Pudding sowie “Charcoal-Zahnpasta” ausprobiert. Dies soll angeblich gut für das Herz sein oder vielleicht ist es einfach nur ein gelungener Marketing-Coup der Kohle-Industrie, welche stetig Absatzmärkte im Energiesektor verliert. An die graue Optik muss man sich gewöhnen; schmecken tut es auf jeden Fall nicht schlecht.

Links: Essen in Singapur; Rechts: “Charcoal-Eis” und -Pudding © Viktor Lenz

In Bangladesch habe ich noch keine lokalen Speisen getestet. Für Streetfood im angrenzenden Dorf hatte ich bisher nicht den Mut, nachdem ich die ausgenommenen Marktfische auf einer Plastikfolie, gefüllt mit Staub und Schlamm, gesehen habe. Vielleicht traue ich mich nächstes Wochenende an einen gründlich frittierten Teigfladen oder Linsen-Curry.

In unserem Gasthaus gibt es chinesische Vollverpflegung. Diese ist sehr ähnlich zu den Gerichten in Singapur. Allerdings hat es darin meistens dreimal mehr Knoblauch, Zwiebeln, Kohl und Hülsenfrüchte. Als „erfrischender Snack“ stehen dann auch noch rohe Zwiebeln und Knoblauchzehen auf dem Tisch, welche die chinesischen Kollegen zum Essen geniessen.

Mindestens die Hälfte der Gerichte schmeckt mir sehr gut. Ich geniesse die neuen und fremden Gewürzkombinationen, die starke Verwendung von Anis und Koriander sowie frische Ananas, Mango und Jackfrucht.

In der vergangenen Woche habe ich zweimal mir unbekannte Fleischgerichte gegessen: Rindermagenstreifen, eine sehr fettige Angelegenheit mit eigenartigem Geschmack, und Ente (nicht etwa in Form von Entenbrust, sondern zerhackt und mit Kartoffeln eingekocht). Ich habe erst an den Schwimmhäuten erkannt, dass ich soeben auf einem Entenfuss rumgekaut habe.

Beim zweiten Mal war es dann offensichtlicher serviert worden: Hühnerfüsse und –hälse © Viktor Lenz

Mahlzeiten haben bei den Chinesen eine sehr funktionale Bedeutung. Es wird nicht viel geredet und nichts auf Etikette gegeben; jeder isst, wie er will. Nach fünfzehn Minuten ist der Spuk in unserem Speisesaal, bis auf ein paar Spätkommer, vorbei. Ironischerweise ist die Mittagspause trotzdem auf zwei Stunden festgelegt.

Dies war Teil 2 meines Blogs. Nächste Woche erzähle ich in Teil 3 mehr zu Freizeitaktivitäten und zum Arbeiten in Singapur und Bangladesch.


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Willst du sehen, was ich aktuell während meinem Auslandaufenthalt in Singapur und Bangladesch erlebe? Dann folge ABB Schweiz auf Snapchat unter dem Namen „abbswitzerland“. Ich werde dort vom 14. bis 20. August täglich meine Eindrücke mit unseren Followern teilen.

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Über den Autor

Viktor Lenz

Im Frühjahr 2016 fand mein Interview für das Explorer Trainee Programm statt. Ich erinnere mich an meine Erwartungen: "Ich möchte nicht für immer Ingenieur bleiben. Ich möchte Erfahrungen im Verkauf und Marketing, in Inbetriebnahme und Projektmanagement machen. Im Idealfall möchte ich alle Divisionen von ABB sehen. Für meinen Ausland-Aufenthalt möchte ich nach Asien gehen, am liebsten nach Singapur!" In meiner ersten Station habe ich die Umsetzung des “Connecting for Growth”-Programms bei der Schweizer Vertriebsorganisation für Elektrifizierungsprodukte koordiniert. Für meine zweite Station konnte ich tatsächlich nach Singapur reisen, an Factory Acceptance Tests, Inbetriebnahme- und Serviceprojekten unserer Kraftwerks-Prozessleitsystem ABB Ability Symphony Plus arbeiten. Jetzt heisst es Daumen drücken, dass ich meine dritte Aufgabe im Projektmanagement absolvieren kann, um das Trainee Programm wie geplan abzuschliessen!
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