God dag fra Danmark!

Unser Trainee Norina erzählt von märchenhaften und anderen kuriosen Erlebnissen in Dänemark.

Dichterstadt

Seit fast drei Monaten bin ich nun hier in Odense, Dänemark, in der Heimat des Dichters und Geschichtenschreibers H.C. Andersen auf meinem Auslandsassignment. Wem der Name nichts sagt (so wie zugegeben mir zu Beginn), dem werden unter anderem die Stichworte ‚Die Prinzessin auf der Erbse‘, ‚Des Kaisers neue Kleider‘, ‚Das hässliche Entlein‘ und ‚Die kleine Meerjungfrau‘ auf die Sprünge helfen. Letztere ist auch seit 1913 als Statue in einer Bucht vor Kopenhagen eine der berühmtesten Sehenswürdigkeiten des Landes und gilt als nationales Kulturgut. H.C. Andersens Statue findet sich neben H.C. Andersen Trails, Museen, und in diversen Touristengoodies dementsprechend auch nicht nur hier in Odense als Statue in Überlebensgrösse, sondern auch im Central Park in New York.

Umgebung Dänemark

Odense ist mit ca. 175‘000 Einwohnern die drittgrösste Stadt in Dänemark und liegt auf der Insel Fyn. Da es auch eine Universitätsstadt mit viel Kultur- und Festivaltraditionen ist und sich über die letzten Jahre eine Food- und Restaurantszene ausgebildet hat, gibt es auch in der Freizeit viel zu erkunden. Fyn und Zealand (mit der Hauptstadt Kopenhagen) sind die beiden grössten der insgesamt über 400 Inseln in Dänemark. Kopenhagen ist eine 1.5-stündige Zugfahrt entfernt und über die 18 km lange Storebælt – Great Belt – Bridge zu erreichen, die genaugenommen aus zwei Brücken und einem Unterwassertunnel besteht und Ost- und Westdänemark verbindet. Kurioser “Side Fact”: mit 254 m sind die Brückenpfeiler auch die höchsten Punkte in Dänemark – da muss sich das Schweizer Bergherz schon umstellen.

Arbeit bei ABB Dänemark

Die Büros bei ABB Dänemark sind mit jeweils ca. 200 Leuten um einiges kleiner und familiärer als in der Schweiz. In meiner täglichen Arbeit im Country Sales Management Support beschäftige ich mich mit vielen abwechslungsreichen Aufgaben. Von der Ausarbeitung und Implementierung von Salestrainings und KPI-Tools bis zu Marktanalysen in diversen (teilweise fast kuriosen) Segmenten und kleineren Projekten, die zwischendurch vom Europamanagement reinkommen, ist alles dabei. Ich konnte bereits vom ersten Tag an effizient an meinen eigenen Projekten arbeiten und wurde von allen freundlich empfangen. Speziell im Rahmen der Marktanalysen komme ich mit Salesrepräsentanten und Managern aus allen Divisionen und Hierarchiestufen in Kontakt, gehe auf Konferenzen und spreche mit möglichen Partnerfirmen, was den Arbeitsalltag sehr vielfältig und interessant macht. Auch die Zusammenarbeit hier ist sehr locker und frei, was ich enorm schätze.

ABB Odense inkl. Kaninchen on the run © Norina Fellner

Kulturelle Unterschiede

Die zehn Kilometer ins Industriegebiet von Odense, wo auch ABB liegt, pendle ich täglich per Auto und ärgere mich regelmässig über die 19 (!) Ampeln auf der Strecke, die jeweils so geschaltet sind, dass dort grün ist, wo niemand steht – selbst um 6 Uhr früh ;). Mich stört dies jedoch definitiv mehr als den grossen Rest der Dänen, da man hier trotz Wind, wann immer möglich, mit dem Fahrrad unterwegs ist. Dies ist bei einer Autosteuer von 180% (!) auch um einiges ökonomischer.

Hafenstadt Odense – hier finden im Sommer viele Events statt, von Flohmärkten zu Kulturfestivals, NBA Promotion Spiele u.v.a. © Norina Fellner

Gearbeitet wird in Dänemark kürzer und effizient – die Arbeitszeiten dauern offiziell bis 16:00 Uhr, freitags bis 15:30 Uhr, wobei es einem natürlich freisteht, länger zu bleiben. Dafür sieht man selten lange Kaffeekränzchen, da dies alles ‚exklusive‘ der Arbeitszeit wäre und selbst bezahlt wird (im Sinne von längerer Arbeit) – dafür ist den Dänen ihre Freizeit zu kostbar. Das mag zwar strikt und nicht sehr sozial klingen, aber dennoch kommen Spass und der soziale Teil nicht zu kurz. Man hört oft Gelächter, geht gemeinsam in der überraschend abwechslungsreichen und guten Kantine Mittagessen und regelmässig wird Gebäck und Kuchen für das ganze Office mitgebracht. Apropos Gebäck – dafür sind die Dänen nicht umsonst bekannt. Mein Favorit ist der sogenannte ‚Brunsviger‘-Kuchen, den es nur auf der Insel Fyn gibt: ein Hefeteigkuchen mit Butter/Zuckerguss, der jeden Biss wert ist!

ABB Teamevents gibt es auch – an Pfingsten waren wir traditionell dänisch feiern: In einem idyllischen Landrestaurant bei dänischen Omeletten mit Schnaps (betont ‚snaps‘, da das ‚sch‘ den Dänen nicht liegt). Umgekehrt ist die Betonung im Dänischen für Deutschsprachige im wahrsten Sinne des Wortes ein Zungenbrecher (und gefühlt unmöglich). Ich bleibe deswegen bisher bei Englisch, was bei meinen Tätigkeiten ABB-intern und mit Partner/auf Konferenzen kein Problem darstellt. Ausserhalb passiert es mir jedoch regelmässig, dass ich im Alltag – sei das im Supermarkt, in Shops, Cafés etc. – oft auf Leute, speziell aus älteren Generationen, treffe, die kein Wort Englisch sprechen, was mich überraschte. Schlussendlich ist es aber immer möglich, sich zu verständigen.

ABB Werte & andere dänische Regeln

Auf ‚Health‘ und ‚Safety‘ wird auch hier in Dänemark ganz ABB-konform grossen Wert gelegt und ich wurde bereits am ersten Tag in die z.T. kuriosen Regeln eingeführt. So darf man mit dem Auto bspw. nur rückwärts einparken, da gemäss einer Studie mehr Unfälle beim rückwärts Hinausfahren als beim rückwärts Einparken passieren.

Bei den Regeln drücken die Dänen auch im Alltag kein Auge zu – das wird strikt eingehalten und von jedem erwartet. Da kann es einem schon passieren, dass einem unübertrieben zehn ältere Damen wutentbrannt zum Pool nachrennen, wenn man sich vor dem Schwimmen ‚nur‘ normal abgeduscht hat, wie ich das aus jedem Pool in der Schweiz (und nebenbei auch allen anderen Ländern, wo ich bisher geschwommen bin) gewohnt bin, und sich nicht ohne Badekleider 10 min lang eingeschäumt hat, als ob man gerade aus dem Schlammbad kommt. Wenn man sich daran jedoch mal gewöhnt hat, kommt man aber auch in den Genuss der skandinavischen Vorzüge: So gibt es beispielsweise bei jedem Pool typisch skandinavisch eine Saunalandschaft zur Entspannung inklusive.

Auch der ‚Health‘-Aspekt wird bei ABB DK mit einem internem Fitness Center und Health-Challenges, bei denen 90% der Angestellten teilnehmen, aktiv gefördert. Beim Mittagessen werden dann täglich die neuen Schritt-Statistiken (im Rahmen der 10‘000 Steps-per-Day Challenge) verglichen und Umrechnungssätze diskutiert, wieviel Schritte 30 min Velofahren wert sind – schliesslich ist man mit dem Fahrrad zur Arbeit gefahren, da man auch bei der Bike-to-Work Challenge mitmacht. Als Ausgleich zu dem vielen Sport kommt zur Entspannung jeden Montag ein Masseur/Physiotherapeut ins ABB Office, bei dem man sich anmelden kann und von ABB die Hälfte der Kosten gesponsert bekommt.

Klima

Was ich hier vermisse, ist der Sommer, da wir zwischen windigen 15°-20° pendeln und uns optimistisch betrachtet im Frühling befinden. Speziell ausserhalb der Stadt, z.B. im Industriegebiet, wo ABB liegt, ist der Wind oft so stark, dass man sich mit dem ganzen Körpergewicht auf die Haupteingangstüre lehnen muss, um gegen den Wind anzukommen. Windparks findet man hier entsprechend viele und es ist auch für ABB DK ein wichtiger und grosser Sektor, schliesslich ist Dänemark die Heimat des weltweit grössten Wind-Turbinen-Herstellers (Vestas Wind Systems A/S) und des weltweit grössten Offshore Wind Park Operators (Dong Energy A/S).

Überhaupt sind die Dänen bezüglich erneuerbaren Energien und Nachhaltigkeit vorbildlich und haben sich als Ziel gesetzt, dass Kopenhagen bis 2025 ‚the first carbon neutral capital of the world‘ wird. Dennoch – ich persönlich freue mich dieses Jahr speziell auf lange, windstille Sommerferien.

Kopenhagen Office © Norina Fellner

Aussicht für Teil 2 des Dänemark-Assignments

Bald geht’s für mich ins dänische HQ nach Kopenhagen für den Rest meines Dänemarks Aufenthalts. Das Büro dort hat nicht nur einen “Building Automation Showroom” für Kunden, sondern ist selbst mit den neusten “Building Automation”-Produkten ausgestattet und dazu einladend hell und modern. Den Kaffee holt man sich entsprechend hier auch nicht aus einer gewöhnlichen Kaffeemaschine, sondern man wählt auf dem iPad die gewünschte Kombi aus, die dann fertig zubereitet aus dem Wasserhahn kommt – selbst der Milchschaum. Obwohl es mir im Büro und mit den Arbeitskollegen in Odense gefällt, freue ich mich auch auf die neue Erfahrung in der Hauptstadt für die restlichen Wochen meiner Dänemark Expedition!

 

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Über den Autor

Norina Fellner

Ich habe an der ETH Zürich Maschinenbau studiert und bin seit Oktober 2016 im Explorer Trainee Programm bei ABB. Mein erstes Assignment habe ich bei ABB Turbo Systems im Business Development absolviert und bin derzeit auf meinem zweiten Assignment in Dänemark. Hier bin ich dem Country Sales Management angegliedert und arbeite an verschiedenen divisionsübergreifenden Projekten. Neben der Arbeit bin ich vor allem sportlich sehr aktiv und lerne gerne neue Orte und Kulturen kennen.
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