Postmoderner Genuss

Im vegetarischen Restaurant Hiltl in der Zürcher Sihlpost verschmilzt Tradition mit Moderne. ABB setzt die Szene ins richtige Licht.

Wer ins jüngste Hiltl-Restaurant gleich beim Zürcher Hauptbahnhof eintritt, wähnt sich in Vergangenheit und Moderne zugleich. Das markante PTT-Leuchtschild aus den 1930er-Jahren führt ebenso in die Zeit früherer Postdienste zurück wie die Empfangstheken aus massivem Holz.

«An die alte Sihlpost habe ich ganz persönliche Erinnerungen», erklärt Rolf Hiltl, in vierter Generation Geschäftsleiter des gleichnamigen, ältesten vegetarischen Restaurants der Welt, das inzwischen mehrere Ableger hat. «Hier gab ich als kleiner Junge für meinen Vater Briefe auf oder holte Päckchen ab.» Diese Kindheitserinnerungen waren denn auch der Grund, dass er vor rund 15 Jahren bei einem Umbau der Sihlpost angefragt hat, was mit den nicht mehr benötigten Einrichtungsgegenständen geschieht.

«Als ich erfuhr, dass alles entsorgt werden soll, fragte ich, ob ich es übernehmen könne.» Er konnte – auch wenn sein Ansinnen eher auf irritiertes Kopfschütteln stiess. Was will ein Gastrounternehmer mit Postfächern anfangen? Jedenfalls liess er die Einrichtung in ein firmeneigenes Lager abtransportieren.

Christian Blumer, Verkaufsingenieur KNX von ABB, Etienne Rittener von Melcom und Rolf Hiltl (v.l.) © ABB

«Dass sie nun hier, am ursprünglichen Standort, zur Gestaltung unseres jüngsten Lokals eingesetzt werden, ist natürlich eine ideale Wendung des Schicksals.» Vor gut vier Jahren landete die Ausschreibung der SBB, der das Gebäude gehört, für einen Gastronomiebetrieb in der zu renovierenden Sihlpost auf dem Pult von Rolf Hiltl.

Tradition und Innovation über den Tellerrand hinaus

«Da leuchteten meine Augen. Ein idealer Standort, um unser Motto – Tradition mit Innovation zu verknüpfen – umzusetzen. Nicht nur auf der Speisekarte, sondern auch im Lokal.» Auch ein sehr zentral gelegener Standort, an der Europaallee 1a, gleich beim Zürcher HB, einem der meistfrequentierten Bahnhöfe der Welt. Vor dem Lokal wird noch am Europaplatz gearbeitet, dort, wo bis vor Kurzem noch die Geleise 51 bis 54 endeten.

«Als wir den Entscheidungsträgern unser Hiltl-Konzept ‹gesunder Genuss› – umgeben von altem Original-Sihlpost-Mobiliar – präsentierten, war das Staunen gross. Das ist nicht einfach ‹more of the same›, sondern zollt Respekt gegenüber dem Ort und seiner Geschichte.» Hiltl erhielt den Zuschlag.

Das im März 2016 eröffnete Lokal bietet rund 100 Sitzplätze im Innern. Die ehemalige Garagenzufahrt der Post weist eine aussergewöhnliche Raumhöhe von über fünf Metern auf, was mit einer Galerie über der Bar-Theke genutzt wird. Angesichts der Lage direkt beim Hauptbahnhof spielt aber das grosse «Grab&Go»-Angebot für gesunden Genuss in Zug, Tram, Büro oder Schulzimmer eine zentrale Rolle; konsequenterweise kann man in diesem Lokal auch keinen Sitzplatz reservieren.

Hingucker: das PTT-Leuchtschild aus den 30er-Jahren, Hiltl Sihlpost © ABB

Die coole Innenarchitektur mir Gussasphalt am Boden und sandgestrahlten Wänden, in Verbindung mit einem Lichtkonzept aus 200 mundgeblasenen Glaskugeln, bildet den postmodern wirkenden Kontrast zu den postnostalgischen Reminiszenzen. Auf dem neusten Stand ist auch die KNX-Automation des Lokals, welche die Melcom AG mit ABB-Produkten umgesetzt hat.

Einfache Beleuchtungsszenarios und perfekt geheiztes Buffet in einem 

«Wir haben für das Lokal verschiedene Beleuchtungsszenarios programmiert, die vom jeweiligen Schichtleiter einfach abgerufen werden können», erklärt Etienne Rittener, KNX-Techniker von Melcom. Es sind auch verschiedene Schalt- und Dimmaktoren von ABB installiert. Melcom hatte bereits die 2013 eröffnete Vegi-Metzg mit KNX von ABB ausgerüstet. Die Firma besorgt auch im nebenan liegenden Stammhaus den Unterhalt an der Beleuchtungsanlage, welche ebenfalls mit KNX von ABB ausgerüstet ist.

Originelles Detail: In einigen der historischen Postfächer im Lokal sind USB-Ladesteckdosen von ABB integriert. Über das Ladekabel kann das Handy gratis aufgeladen werden – ohne Angst, dass während des Mittagessens das so wichtige Gerät abhanden kommt, denn die Postfächer lassen sich abschliessen.

Die Aussenansicht des Restaurants © ABB

Im Lokal Sihlpost hat Rittener auch ein ungewöhnliches Projekt umgesetzt: Dimmer für die Wärmeplatten und -lampen des warmen Vegibuffets per KNX. «So kann das Personal verschiedene Wärmezonen des Buffets definieren beziehungsweise diese anpassen, um die ideale Temperatur für die Speisen zu gewährleisten.»

Aussergewöhnlich an dem massiven Buffet ist auch, dass es per Knopfdruck hoch an die Decke gezogen werden kann. Das gibt Platz im Raum frei, etwa für eine gründliche Reinigung. Im neuen Hiltl-Lokal wird damit Post-Nostalgie mit modernster Technik zu einem nachhaltigen Genuss-Erlebnis verknüpft.

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Über den Autor

Felix Fischer

Ich verdiene meine Brötchen und das Katzenfutter für meine flauschige Mitbewohnerin seit 2009 in der Kommunikation von ABB Schweiz. Als Koordinator für Mitarbeitenden- und Kundenmagazin sowie Intranet habe ich über die Jahre Einblicke in so gut wie alle Standorte, Sparten und Systeme unseres vielfältigen Unternehmens gewonnen. Ursprünglich Soziologe, bin ich im ABB-Technologieuniversum ein vergleichsweise seltenes Tierchen auf einem evolutionären Seitenast. Doch mit der Zeit habe ich mir angewöhnt, dass ein Hertz nicht zwingend ein falsch geschriebenes Organ ist – oder gelernt, was Erregersysteme für die Potenz eines Kraftwerks leisten.
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