Machen Sie’s einfach, Herr Ingenieur. Die Anwender werden es Ihnen danken.

Das User Experience Design von Industrieprodukten, wie drehzahlgeregelten Antrieben, hilft dabei, selbst das komplizierteste Engineering zu vereinfachen.

Wie viele Einstellungen hast du jemals auf deinem Telefon oder in deinem Auto geändert, um sie nach deinem Geschmack zu personalisieren? Ich denke, dass nur wenige von uns mehr als eine Handvoll Einstellungen geändert haben, um die Nutzung komfortabler zu machen.

Übertrage dies nun auf typische Industrie- oder Automationsprodukte mit Hunderten oder sogar Tausenden von Einstellmöglichkeiten. Häufig sind die Inbetriebnahme und Anwendung dieser Produkte eine Aufgabe für Spezialisten, was höhere Kosten und längere Anfahrzeiten zur Folge hat.

Deshalb verhilft die Konstruktion und Fertigung eines Produkts, das ein praktisches und flexibles Bedienerlebnis bietet, zu einem Wettbewerbsvorteil in der heutigen schnelllebigen Welt. Kommen wir noch einmal kurz auf die Telefone zurück: In der Mobiltelefonbranche konkurrieren die Hersteller darum, das User Experience Design (UX) eines herkömmlichen Mobiltelefons zu verbessern.

Einigen der ersten Mobiltelefonherstellern ist es durch eine logische Schnittstelle gelungen, weltweite Dominanz zu erreichen. Aber dann haben sich die Spielregeln geändert. Das Teilen von Fotos, Videos und Nachrichten rückte in den Mittelpunkt. Dies hat die Art und Weise, wie wir unsere Mobiltelefone nutzen, völlig verändert – und die Mobiltelefonwelt erschüttert. Die Unternehmen, die für diese neuen Anwendungen ein angenehmes Benutzererlebnis schufen, haben profitiert.

Viele Eigenschaften, die bei Konsumgütern eine angenehme User Experience ausmachen, werden jetzt auch von Industrieprodukten wie drehzahlgeregelten Antrieben gefordert. Sie bieten die Flexibilität, selbst die anspruchsvollsten Anwendungen zu regeln, allerdings sind die Inbetriebnahme und Einstellung schwierig und zeitaufwendig. Moderne Antriebe können bis zu 1.500 Parameter aufweisen, und jeder hat einen bestimmten Zweck.

Vor etwa 15 bis 20 Jahren lag bei der Konstruktion von Antrieben der Fokus auf Leistung und Haltbarkeit. Heute tragen die Anforderungen und Erwartungen der Industrie aber dazu bei, sich stärker auf die User Experience zu konzentrieren.

Mit einem guten UX kann der Hersteller den Einsatz eines Produkts erheblich vereinfachen, angefangen von der Konzeption, Verpackung und Inbetriebnahme bis zur Nutzung und Wartung. Zuverlässige Leistung, Effizienz und Bedienungsfreundlichkeit haben einen großen Einfluss auf die Gesamtkosten über die Nutzungsdauer eines Produkts oder einer Dienstleistung und tragen zu einem reibungslosen Geschäftsablauf bei. Die Mitarbeiter können sich so auf ihre Kernkompetenz konzentrieren und müssen sich nicht mit etwas Schwierigem oder Kompliziertem befassen.

Das UX eines Produkts kann für eine schnelle Anlagenrendite sorgen, indem man Zeit bei der Auswahl, Installation, Inbetriebnahme, Anwendung und Wartung spart. Wenn das Produkt mit allen wesentlichen Merkmalen ausgestattet ist, spart man nicht nur Zeit, sondern auch Kosten z. B. bei der Verdrahtung und Installation.

Mit einem gelungenen UX können die Mitarbeiter und Unternehmen das Produkt schnell für den beabsichtigten Zweck nutzen. Bei einem praktischen und flexiblen User Experience Design fühlt sich der Anwender wohl und setzt das Produkt von Anfang an richtig ein. Ein effektives User Experience Design unterstützt die Anwender.

Einfach gesagt macht ein gutes UX selbst die kompliziertesten Engineering-Systeme einfach.

Eine solche Erfahrung war der Ausgangspunkt für das Produktdesign für den ACS580-Standardfrequenzumrichter, den ABB kürzlich auf den Markt gebracht hat. Wir haben auf unsere Kunden gehört und ihre Erfahrung half bei der Gestaltung eines einfachen Grundkonzepts für das Produkt. Externe Komponenten sind bei ihm nicht erforderlich, was die Auswahl und Installation des Antriebs vereinfacht. Durch seinen mechanischen Aufbau und die umweltfreundliche Verpackung wird er schnell und einfach installiert und in einem Prozess integriert, während gleichzeitig Ressourcen geschont werden. Diese Aspekte werden heute, wo Zeit Geld ist und Nachhaltigkeit eine große Rolle spielt, immer wichtiger.

Alle diese Elemente verschmelzen miteinander und bilden einen integralen Bestandteil bei der Gestaltung eines Antriebs, den die Anwender gerne einsetzen.

Für die Gestaltung der Benutzerschnittstelle des ACS580 haben wir eine Studie mit Kundenreferenzgruppen durchgeführt, um herauszufinden, welche Einstellungen am häufigsten geändert werden. Die Ergebnisse zeigten, dass selten mehr als zehn Parameter eingestellt werden müssen, und fast alle Änderungen fielen unter die 100 am häufigsten vorgenommenen Einstellungen.

Mit diesen Informationen hat ABB ein dynamisches Einstellmenü gestaltet, das nur die Informationen anzeigt, die im Rahmen der zuvor getroffenen Entscheidungen sinnvoll sind. Der Zeitaufwand für die Basiseinstellungen konnte von 30 Minuten auf wenige Minuten verkürzt werden. Es werden nur die zugehörigen und notwendigen Informationen angezeigt. Das entspricht einer Anpassung an den normalen Betriebsalltag. Sämtliche 1.500 Parameter stehen jedoch den erfahreneren Anwendern weiterhin zur Verfügung und bieten ihnen die notwendige Flexibilität.

Der Wettbewerbsvorteil ist bei jedem Produkt ein entscheidendes Element. Wenn also der Anwender aufgrund eines guten User Experience Designs das Produkt beherrscht und zufrieden ist, ist das ein entscheidender Ausgangspunkt für ein gutes Geschäft. Mit einem Produkt, das die praktischen, alltäglichen Anforderungen erfüllt, kann der Bediener den größten Nutzen aus der cleveren Technik ziehen.

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Über den Autor

Michael Spuck

Ich bin bei ABB Automation Products als Produktmanager für den ACS580 verantwortlich für die Markteinführung und Produktbetreuung der neuen Frequenzumrichter. Die Aktivitäten zur Markteinführung reichen dabei von der Erstellung von Präsentationsunterlagen für Außendienstkollegen über gemeinsame Kundenbesuche bis zur Durchführung von Workshops für den Großhandel und der Inbetriebnahmeunterstützung. Ich habe in Mannheim Elektrotechnik studiert. In meiner knappen Freizeit bin ich Trainer einer Volleyball-Damenmannschaft und versuche die Spielerinnen für diesen faszinierenden Ballsport zu begeistern.
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