Das Praktikum mit dem gewissen Etwas!

Die Traumpraktikanten Pol, Laura und Andrea werden von Philipp (Mitte) durch den Niederspannungsbereich in Lenzburg geführt © Andrea Tagliabue

Viereinhalb Monate währt mein Praktikum bei ABB Turbo Systems in Baden nun schon. Ist die anfängliche Begeisterung verflogen oder hält sie immer noch an?

Angesichts der durchweg positiven Schilderung meines Praktikums in meinem letzten Blogeintrag konnten sich einige meiner Bekannten des Eindrucks nicht erwehren, dass hier doch Schönfärberei vorliegen müsse. Dem ist aber nicht so: weder sind meine Zeilen vor dem Hochladen aufpoliert worden noch sind unangenehme Textstellen einer ABB-internen Zensur zum Opfer gefallen. Vielmehr ist der positiv gestimmte Erfahrungsbericht darauf zurückzuführen, dass das „Traumpraktikum“ per se eine sehr spassige Angelegenheit ist! Die letzten Monate waren wieder gefüllt mit interessanter Arbeit und zahlreichen spannenden Specials – doch der Reihe nach…

Erst die Arbeit…

Ich geniesse noch immer die sehr angenehme Arbeitsatmosphäre in unserer Abteilung und die unkomplizierte und produktive Zusammenarbeit mit meinem Betreuer Claudio.

Meine Tätigkeit im Büro ist sehr abwechslungsreich und umfasste in letzter Zeit zum Beispiel das Programmieren eines parametrisierten Tiefpass-Filters zum Weiterverarbeiten von Simulations- und Messdaten oder den detaillierten Vergleich zwei verschiedener Simulationen des gleichen Motors zum Aufzeigen von Unterschieden in der Modellierung. Manchmal landen auch mehr oder weniger dringende firmeninterne Anfragen zur Konvertierung von älteren Motorsimulationen in die neue Software ACTUS auf meinem Tisch. Eigentlich eine Routineaufgabe, die doch ihre Tücken haben kann, wie sich herausgestellt hat. Beim Auswerten von grossen Mengen an Messdaten habe ich EXCEL schätzen gelernt – man kann sehr schnell sehr coole Sachen implementieren – und doch manchmal auch verflucht; die Formeln und Zusammenhänge in einer bereits bestehenden EXCEL-Datei mit hunderten Zeilen und Kolonnen nachzuvollziehen kann sehr zeitaufwändig und mühsam sein.

…dann das Vergnügen!

Dank meiner Mentorin Jasmin bin ich jedoch nicht nur Schreibtischtäter gewesen: Sie hat mir einen Kontakt im Servicecenter vermittelt, so dass ich einen Tag in der Turbolader-Montage mit anpacken durfte. Ich hatte schon befürchtet, dass ich dabei höchstens zwei linke Hände unter Beweis stellen würde. Doch unter der freundlichen und geduldigen Anleitung von zwei erfahrenen Monteuren konnte ich tatkräftig mithelfen: Auf dem Programm standen das Aufschrumpfen und Auswuchten eines zweiteiligen Verdichter-Rades auf der Turbolader-Welle, das Lagern der Welle, das Ausmessen des Spiels, das Anbringen von Dichtungen und vieles mehr. Die vielen cleveren Details konstruktiver Natur, beispielsweise in punkto Schmierstoffversorgung, haben mich beeindruckt. Es war sehr lehrreich, unsere Produkte in der Realität kennenzulernen und nicht nur als Parametersätze am Computer.

Passend dazu besuchten wir im Rahmen eines Monthly Trainee Meetings die Fabrik für Highspeed-Turbolader in Klingnau. Dort konnten wir die Genese eines Verdichter-Rades mitverfolgen: In der Fräsmaschine entsteht vollautomatisiert aus einem Aluminiumrohling ein technisches Kleinod. Man gab uns zudem viele aufschlussreiche Erklärungen zur Fertigungsorganisation.

Specials – das Salz in der Suppe

Die Einführung in die verschiedenen ABB-Divisionen ist Teil der Specials, welche das Traumpraktikum ausmachen – bei ABB Schweiz dreht sich doch nicht alles nur um Turbolader. Wer hätte das gedacht! Gemeinsam mit meinen Co-Traumpraktikanten Laura und Andrea bin ich in den letzten Wochen ganz schön rumgekommen im Kanton Aargau: In Lenzburg haben wir eine Einführung in die Division „Electrification Products“ erhalten; dort produziert man Schaltschränke im Bereich Low-Voltage Power. In Turgi (Division „Robotics and Motion“) hat man uns die Produktion und die Prüfstände für Traktionstransformatoren und -konvertern, die in Lokomotiven zum Einsatz kommen, gezeigt. Schliesslich waren wir auch in Zürich-Oerlikon, wo die Division „Power Grids“ gas-isolierte Schaltanlagen (kurz: GIS) herstellt. Diese Vorrichtungen erfüllen die gleiche Aufgabe wie ein simpler Lichtschalter (Kontakt herstellen respektive bei Bedarf unterbrechen) und kommen zum Beispiel in Umspannwerken zum Einsatz. Bedingt durch die ungleich höheren Ströme und Spannungen als beim heimischen Lichtschalter (bis zu 5000 Ampere und 420‘000 Volt, je nach Anlage) haben die GIS jedoch beeindruckende Ausmasse. 

Daneben haben sich durch persönliche Kontakte noch einige unerwartete Specials ergeben. Da war zum einen die Teilnahme an der Fireside Conversation der Trainees in der vornehmen Villa Boveri in Baden. Gast war dieses Jahr Max Wüthrich, Senior Vice President und verantwortlich für den Gesamtverkauf von ABB im Schweizer Markt. Er hat aus dem Nähkästchen geplaudert und uns sehr interessante Einblicke in die Verkaufs- und Vertriebsstruktur einer solch grossen Firma gegeben. Daneben hat er ausführlich Fragen zu seinem persönlichen Werdegang bei ABB beantwortet.

„Fireside Conversation“ mit Max Wüthrich (ganz rechts) in der Villa Boveri in Baden © Melanie Okenka

Sehr viel Freude hat mir auch das Ski-Wochenende der ABB Trainees in Grindelwald bereitet. Auch wenn das Wetter nicht ganz mitgespielt hat, das spektakuläre Bergpanorama teilweise verhüllt war und die Sichtverhältnisse auf der Piste manchmal prekär waren, so liessen wir uns doch nicht den Spass verderben. Die Stimmung in der Gruppe war jedenfalls das ganze Wochenende über exzellent!

Gute Stimmung und schlechtes Wetter beim Ski-Wochenende der ABB Trainees in Grindelwald. Trotz Wolkenvorhang bietet der Eiger ein beeindruckendes Panorama © Pol Duhr

Diese besonderen Gelegenheiten, die Leute, welche man dabei kennenlernt und die Erfahrungen, die man dabei sammeln kann – das ist es, was über ein normales Praktikum hinausgeht und dem „Traumpraktikum“ das gewisse Etwas verleiht!

Und die nächsten Specials sind schon in Sicht: Ich habe begonnen, meinen Aufenthalt an einer ABB-Servicestelle für Turbolader zu planen. Die Reise wird nach Hamburg gehen und voraussichtlich im Mai stattfinden. Damit ich adäquat vorbereitet bin, werde ich noch einen Kurs zur Bedienung bodengesteuerter Krananlagen absolvieren. Spannende Sache – das und vieles mehr wird Thema meines nächsten Blogs sein!

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Über den Autor

Pol Duhr

Ich bin 23 Jahre alt und komme aus Luxemburg. Seit nun schon vier Jahren lebe ich in der Schweiz und studiere Maschinenbau an der ETH Zürich. Im Moment absolviere ich das Masterstudium mit Schwerpunkt auf der Thermodynamik und Regelung von Verbrennungsmotoren. Insofern war es naheliegend, sich bei ABB Turbo Systems für ein Praktikum zu bewerben, da man dort grosse Expertise auf diesem Gebiet hat. Ich bin sehr glücklich, dass ich dann sogar die Stelle als „Traumpraktikant“ in der Abteilung Turbocharging Solutions erhalten habe. Ich hoffe, dass ich meinen achtmonatigen Aufenthalt bei der ABB nutzen kann, um mich nicht nur fachlich weiterzubilden, sondern mich auch besser zu vernetzen und viele neue Kontakte zu knüpfen. In meiner Freizeit verausgabe ich mich oft mit meinen Freunden im Badminton-Training und im Winter liebe ich es, Ski zu fahren. Daneben spiele ich gerne Klarinette und bin an allem interessiert, was mit sportlichen Autos oder Motorsport zu tun hat.
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