¡Viva México! und die Entwicklung eines neuen Absatzmarktes

Mexico’s Hauptstrasse, die “Paseo de la Reforma” am “Dia de los Muertos” © Marcel Jakob

Wie schnell man sich doch in einer neuen Kultur und einer neuen Umgebung wie zuhause fühlen kann…

„Mexico City, eine der grössten und gefährlichsten Städte der Welt – warum gehst du dahin?“, wie oft hörte ich diese Worte vor meiner Abreise! Nach dem zehnten gleich verlaufenden Gespräch wurde auch mir etwas mulmig und ich begann meine Entscheidung zu hinterfragen. Die ABB „Threat Map“, welche sämtliche Länder in drei Gefahrenstufen (1 bis 3 – hoch zu gering) einteilt, hat dabei auch nicht viel geholfen. Hier färbt sich Mexico tiefrot (Gefahrenstufe 1) oder orange (Gefahrenstufe 2). Nach nun bald drei Monaten in Mexico kann ich sagen, die Entscheidung keine einzige Sekunde bereut zu haben. Ich erlebte hier in meinem Tätigkeitsfeld nie eine gefährliche Situation – aber ich gewann unvergessliche Eindrücke und machte Erfahrungen, die ich nicht missen möchte.

Auf geht’s in eine mir noch unbekannte Welt – Latinoamérica

Mexico City, „la Ciudad de México“ oder „el Distrito Féderal“ zählt 9 Mio. Einwohner; der Ballungsraum der Stadt bis zu 23 Mio. Einwohner – Massen, die ich mir bis zu meiner Ankunft nicht vorstellen konnte. Bereits 20 Minuten vor der Landung in Mexico City kündete sich die Stadt mit ersten Vororten ab – Stadt, soweit das Auge reicht, einfach atemberaubend.

Ich lernte allerdings schnell durch meine Arbeitskollegen den Unterschied zwischen Mexico City („la Ciudad de México“) und dem Bundesstaat Mexico („el Estado de México“) kennen. Mexico City ist so schnell gewachsen, dass keine Stadtgrenze mehr zwischen Bundestaat und Stadt erkennbar ist; eine Riesenstadt wurde geboren.

Sicht aus dem Büro eines Kunden – Stadt, soweit das Auge reicht © Marcel Jakob

Verkehr – plane deine Reisen mit genügend Zeitpuffer

Eines wurde mir bereits am ersten Tag klar: Wer sich in dieser Stadt von A nach B bewegen möchte, braucht entweder ein eigenes Auto oder nutzt UBER, wobei letzteres vor allem für Kundenbesuche im Zentrum der Stadt – aufgrund mangelnder Parkplätze – von grossem Vorteil sein kann. In jedem Fall muss genügend Zeit einkalkuliert werden, da es ohne weiteres vorkommen kann, dass man für eine Strecke statt den 15 gewöhnlichen Minuten an einem anderen Tag 1.5 Stunden benötigt. Wie Einheimische gerne sagen „el tráfico es una locura!“ (auf Deutsch: „Der Verkehr ist ein Irrsinn!“).

Weihnachtsessen mit der Geschäftseinheit in San Luis Potosí © Marcel Jakob

Ein kleines und dynamisches Team

Im lokalen FACTS-Team (Flexible AC Transmission Systems) der Geschäftseinheit „Power Grids Grid Integration“, kurz auch PGGI genannt, wurde ich sehr herzlich empfangen und vom ersten Tag an nahtlos integriert. Unser Team besteht aus unserm lokalen Produktgruppen-Manager, einem Service Ingenieur, einem After Sales/Utilitiy Sales Manager und mir als Sales Manager für Renewables.

Mexicos Ziel ist es bis ins Jahr 2024 35% der Energie aus erneuerbaren Quellen zu generieren. Aufgrund dieses ambitionierten Zieles, führte Mexico am 8. April 2016 einen neuen restriktiven Grid Code ein, um auch in Zukunft ein stabiles und zuverlässiges Stromnetz zu gewährleisten. Dieser Grid Code basiert stark auf dem UK Grid Code, mit welchem ABB aufgrund zahlreicher, erfolgreich umgesetzter Windfarm-Projekten mit dem Power Converter System 6000 STATCOM, bereits viel Erfahrung sammeln konnte.

Meine Hauptaufgabe ist die Entwicklung eines neuen PCS 6000 STATCOM Markts in Mexico für Windfarm-Projekte. Diese Aufgabe erfordert das Verfolgen von zukünftigen Projekten, das Initiieren neuer Kundenkontakte und das Koordinieren vieler Kundenbesuche, in welchen ich den Grid Code und ABBs Lösungsansätze präsentiere. Nebenbei unterstütze ich die Ausarbeitung des ersten HVDC Tenders (High Voltage Direct Current) in Mexico und die lokale Einheit im Bereich Sales für Industrial & Utility Applications von SVCs (Static Var Compensator). Dabei ist kein Tag wie der andere; jeden Tag werde ich von etwas Neuem herausgefordert, was mir sehr gefällt. So durfte ich beispielsweise bereits in meiner zweiten Woche vor mehreren Kunden in einer kleinen Konferenz auf Spanisch präsentieren. Zwar war mein Spanisch damals noch recht harzig, aber die Bemühung, in der Landessprache zu referieren, wurde honoriert und war auch für mich eine einzigartige Erfahrung.

Ein weiteres Highlight war der Besuch eines Stahlwerks in San Luis Potosí, welches aufgrund eines Kapazitätsausbaus auch den neuen Grid Code erfüllen muss und wir daher eine SVC-Lösung zur Spannungsstabilisation offerierten.

Kundenbesuch in einem Stahlwerk in San Luis Potosí © Marcel Jakob

Mexico City – eine Stadt, die ALLES bietet

Für mich ist Mexico City eine atemberaubende Stadt, in welcher es jedes Wochenende etwas Neues zu entdecken gibt. Sei es ein Spaziergang im Park Chapultepec, entlang der Paseo de las Reformas oder in einem der vielen einzigartigen „Barrios“ Mexico Citys. Von historisch bis zu modern, von spanischem Kolonialstil bis zu typisch mexikanisch, von günstigen feinen Tacos von der Strasse bis zum weltweiten Top 50 Restaurant; diese Stadt bietet ALLES, was man sich nur wünschen könnte. Nicht zu vergessen, die zahlreichen Museen, von denen einige internationales Ansehen haben.

Einige der vielen Sehenswürdigkeiten in Mexico City © Marcel Jakob

Mexico – ein Land, mit unzähligen Sehenswürdigkeiten

Ich hatte bereits die Möglichkeit, über die Stadt hinaus einen Teil des Landes „México“ oder offiziell „los Estados Unidos Mexicanos“ zu besuchen und mir wurde rasch klar, dass man Jahre bräuchte, all die historischen Stätten Mesoamérika‘s (der Azteken, Olmeken, Maya,…), die verschiedenen Naturphänomene, Strände und Städte zu entdecken. Ich werde aber weiterhin versuchen, so viel wie möglich über Land und Leute zu erfahren.

Abenteuerliche Naturphänomene und Traumstrände Mexicos © Marcel Jakob

Bereits jetzt weiss ich, dass es mir nicht leicht fallen wird, bei meiner Heimkehr viele Freunde hier zurücklassen zu müssen. Bestimmt werde ich aber Mexico oft und bald wieder besuchen – ¡Viva México!

 

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Über den Autor

Marcel Jakob

Nach meiner Masterarbeit an der University of Texas at Austin und dem Abschluss meines Maschinenbaustudiums an der ETH Zürich wurde ich Teil der einzigartigen Trainee-Community bei ABB. Ich startete als Project Manager in der Produktgruppe „Mining“ der Geschäftseinheit „Process Automation Process Industries“ in Baden-Dättwil, wo ich zwei Grossprojekte in Chile mitbetreute. Anschliessend wechselte ich nach Baden zu ABB Robotics Schweiz, wo ich im Engineering und im Sales tätig war. Mittlerweile befinde ich mich in Mexico City und arbeite im Sales & Business Development für FACTS (Flexible AC Transmission Systems) und Power Converter Solutions im Bereich „Renewables“, was ich anschliessend nahtlos in Turgi weiterführen werde.
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