Der erste Kontakt mit den Special Olympics Willingen 2017

Lisa und ich in Willingen © ABB

Mein erster Beitrag mit Erfahrungen als Tandem-Helfer zu den Winterspielen in Willingen.

Im März habe ich die Ehre, als freiwillige Helferin zu den Special Olympics nach Willingen zu fahren. Ich werde dort als Tandem-Helferin unterstützen. Das bedeutet, ich werde die Aufgaben während der Special Olympics gemeinsam mit einer Person mit geistiger Behinderung übernehmen.

Meine Motivation dafür hat verschiedene Gründe: Natürlich steht im Vordergrund, dass ich den Menschen helfen möchte. Ich will versuchen, den Athleten und Athletinnen ein paar schöne Tage zu schenken und ihnen für ihre bemerkenswerten Leistungen, ihr Durchhaltevermögen und ihr Selbstbewusstsein die verdiente Anerkennung zu geben. Bei mir stand außer Frage, dass es als Tandem-Helfer anstrengend werden könnte. Denn ich bin der Meinung, wenn man ein Event, wie die Special Olympics, besucht und sich als freiwilliger Helfer engagiert, ist es toll und sinnvoll auch die Möglichkeit zu ergreifen, als Tandem-Partner noch „mehr“ zu unterstützen. Damit am Ende nicht nur alle Sportler, sondern auch alle Helfer mit Behinderung ein Lächeln im Gesicht tragen.

Wir, mein Kollege aus der Unternehmenskommunikation Alexander Kessler und ich, besuchten einige Sportler bereits letzte Woche bei ihrem wöchentlichen Training mit Jochen Behle. Der ehemalige Rekord-Skilangläufer und Bundestrainer unterstützt die Athleten bei ihrer sportlichen Weiterentwicklung tatkräftig. Die Athleten mit geistiger Behinderung kommen aus dem Lebenshilfe-Werk Kreis Waldeck-Frankenberg, in der Nähe von Willingen. Sie sind hochmotiviert, trainieren fleißig und freuen sich bereits sehr auf die Winterspiele, die in wenigen Wochen starten werden. Insgesamt werden circa 700 Athleten und Athletinnen am 6. März an der Startlinie stehen und ihr Können in den folgenden Tagen in acht verschiedenen Wintersportarten zeigen.

Jochen Behle nach dem Training © ABB

In der Trainingsanlage traf ich schon morgens meine Tandem-Partnerin Elisabeth („Lisa“) Kranke. Sie ist 26 Jahre alt und arbeitet leidenschaftlich gern in einem kleinen Bistro mit dem Namen „KostBar“. Hier kümmert sie sich, gemeinsam mit sieben anderen Menschen mit Behinderung und zwei hauptamtlich beschäftigten Mitarbeiterinnen, um das Wohl ihrer Gäste. Lisa und ich haben uns sofort sehr gut verstanden. Sie erzählte von Minute zu Minute mehr von sich und wir verbrachten den ganzen Tag gemeinsam.

Nach dem Training war ein Pressegespräch geplant, zu dem ich als Tandem-Helferin mit meiner Partnerin eingeladen war. Zusätzlich besetzten die kleine Runde: der Bürgermeister von Willingen Thomas Trachte, eines der drei „Gesichter der Spiele“, der Athlet Ralf Wilke, Jochen Behle, der zweite Tandem-Helfer des Lebenshilfe-Werks Stefan Bitter, der Präsident des Organisationskomitees Dr. Bernhard Conrads und drei Organisatorinnen der Special Olympics. Das Pressegespräch fand in einem kleinen, gemütlichen Restaurant statt, was das Gespräch viel familiärer und entspannter gestaltete, als ich ursprünglich erwartet hatte.

Gruppenbild der Gesprächspartner des Pressegesprächs: (vlnr.) Cindy Bartmann, Junior-Projektleiterin, Sabrina Claus, Tandem-Helferin von ABB, Stefan Bitter, Tandem-Helfer Lebenshilfe-Werk, Elisabeth Kranke, Tandem-Helferin Lebenshilfe-Werk, Jochen Behle, ehemaliger Skilangläufer und Bundestrainer, Ralf Wilke, Athlet und Gesicht der Spiele, Dr. Bernhard Conrads, OK-Präsident, Thomas Trachte, Bürgermeister der Gemeinde Willingen, Wiebke Linnemann, Leiterin Veranstaltungsmanagement SOD, und Alexander Kessler, Repräsentant ABB © Special Olympics Deutschland

Das war ein beeindruckender Tag für mich. Mir war im Vorfeld natürlich klar, dass Menschen mit geistiger Behinderung manchmal nicht wissen, wie ihr Verhalten oder ihre Äußerungen auf andere wirken. Umso mehr bin ich stolz und froh, dass die beiden Tandem-Helfer des Lebenshilfe-Werks und auch die Athleten so freundlich und aufgeschlossen sind.

Meine Tandem-Partnerin Lisa hat mich überrascht, als sie am Ende des Tages im Pressegespräch sicher und selbstbewusst erklärte: „Ich bin sehr froh, heute meine Tandem-Partnerin Sabrina kennengelernt zu haben.“ Ich war schon mehr als stolz, dass sie das so enthusiastisch äußerte.

Ausblick auf die Spiele

Nicht nur ich, sondern auch die Tandem-Helfer des Lebenshilfe Werks freuen sich und haben ihre ganz eigenen Hoffnungen im Hinblick auf die Special Olympics. Eine der größten Sorgen meiner Partnerin Lisa ist es zum Beispiel, dass die mitgebrachten Kuchen während der Veranstaltung nicht komplett verkauft werden, und sie am Ende die vollen Platten wieder mit nach Hause nehmen muss. Auch sie freut sich riesig auf die Veranstaltung und hofft, dass sich niemand verletzt und alle viel Spaß haben werden.

Eine meiner Hoffnungen ist, dass ich unsere Zeit als Tandem-Team, gemeinsam mit Lisa, gut managen kann. Hier wird es wohl die größte Herausforderung und Umstellung für mich sein, immer an Lisa an meiner Seite zu denken und nicht einfach loszulaufen ohne sie mitzunehmen oder zu informieren. Ich sehe die Special Olympics als großen Schritt für mich. Ich freue mich das Leben mit Behinderung nicht nur von einem Zuschauerplatz aus zu beobachten, sondern es hautnah kennenlernen zu dürfen.

Ich hoffe, dass ich nach den Special Olympics einerseits neue Bekanntschaften und auch eine besondere neue Freundin habe. Außerdem freue ich mich auf alle Athleten und Athletinnen, die Spaß am Sport entdeckt haben, ihre eigenen sportlichen Grenzen austesten und ihren verdienten Ruhm und Anerkennung erhalten. Ich bin sehr stolz auf alle Menschen mit Behinderung jeglicher Art, die hinaus in die Welt gehen und ihr Leben genießen. Ich freue mich, dass sie sich von den gegebenen Voraussetzungen nicht beirren lassen, sondern damit erst recht über sich hinauswachsen und zeigen wollen und können wie stark sie wirklich sind.

Durch die tolle Vorbereitung und die vielen fleißigen Helfer, die bereits im Vorfeld oder während der Spiele mit ganzen Herzen helfen diese Spiele zu einem schönen Erlebnis zu machen, bin ich mir sicher, dass die Special Olympics Willingen 2017 wie auch in den vergangenen Jahren ein voller Erfolg werden.

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Über den Autor

Sabrina Claus

Meine Heimatstadt ist das wunderschöne Bühl, in der Nähe von Baden-Baden im Schwarzwald. Nach meinem Abitur 2015 habe ich noch im gleichen Jahr ein duales Studium im Fachbereich „BWL Industrie“ an der dualen Hochschule in Mannheim und bei ABB begonnen. Ich bin eine sehr offene und neugierige Person, die auch den Humor im Leben nicht vernachlässigt. Wo ich gerade bin, suche ich den Kontakt zu Menschen. Ich bin sehr sportbegeistert und gerne in der Natur unterwegs.
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