Schon mal über Papier nachgedacht?

Alltäglich kommen wir mit Papier in Kontakt, doch sind wir mal ehrlich: Wissen wir eigentlich, wie aufwendig die Papierherstellung wirklich ist?

Laut dem Bundesamt für Umwelt verbraucht ein Deutscher im Durchschnitt 251 kg Papier pro Jahr. Ich würde jetzt einfach mal behaupten, dass ich in den letzten Jahren aufgrund von Schule und Studium auch eine ziemliche Menge verbraucht habe – aber so viel? Und wo kommt denn das ganze Papier eigentlich her?

Diese Fragen wurden mir unter anderem auf meiner ersten Kundenveranstaltung, an der ich teilgenommen habe, beantwortet. Am 27. und 28. September fand der zweite Branchentreff Papier in Bad Arolsen statt, an dem Mitarbeiter aus unterschiedlichsten Bereichen sowie Kunden zusammengekommen sind, um über die neusten Technologien zu diskutieren. Wenn ihr jetzt erstmal schmunzeln müsst, kann ich das verstehen – mein erster Gedanke war auch: Papier herstellen kann doch nicht so schwer sein, oder? Da habe ich mich aber ziemlich geirrt.

Es gibt eine Vielzahl von Qualitätsanforderungen und ein Fehler in der Produktion kann zu einem enorm hohen Schaden für die Papierhersteller führen. Daher ist eine entsprechende Mess- und Regelungstechnik für die Papierindustrie notwendig, für die ABB einige Produkte im Portfolio anzubieten hat.

Bevor ich jedoch auf die Inhalte der Vorträge eingehen werde, möchte ich den Herstellungsprozess kurz darstellen, den sicherlich viele – wie auch ich zuvor – nicht wirklich gut kennen.

Darstellung des Herstellungsprozesses von Papier © ABB
Darstellung des Herstellungsprozesses von Papier © ABB

Mein Verständnis der Papierherstellung

Zunächst werden Holz – und seit einigen Jahrzehnten auch zunehmend Altpapier – mit Hilfe von einer Art großen Mixer zerkleinert und mit Wasser vermischt. Dieses Gemisch wird mit Hilfs- und Zusatzstoffen angereichert, die abhängig von der herzustellenden Papierart sind. Zu diesem Zeitpunkt besteht der Stoffbrei aus 99% Wasser, was in den nächsten Schritten auf ca. 8% reduziert werden soll – diese Restfeuchtigkeit ist für die Belastbarkeit des Papiers zwingend notwendig.

In einem ersten Schritt wird der Stoffbrei über Siebe geführt, sodass die erste Feuchtigkeit verloren geht. Hier beginnen die Faserteilchen sich zu einer Bahn zu verbinden. Anschließend wird die Bahn gepresst und über Filz gezogen, was eine große Menge an Feuchtigkeit aufnehmen kann.

Zu guter Letzt muss die Bahn noch über mehrere Rollen von unten und oben getrocknet werden, bis das Papier letztlich in der Form vorliegt, wie wir es kennen. Dieser Prozess klingt langwierig, aber die Papierbahn bewegt sich mit einer Geschwindigkeit von über 500 Metern pro Minute durch die Anlage, was bei dem heutigen Papierkonsum auch notwendig ist.

Inhalte des Branchentreffs

Einleitend wurde das große Thema Industrie 4.0 dargestellt, welches auch Einfluss auf die Papierindustrie nimmt. Darauf folgten die Darstellung der neuen Messrahmen und Sensoren des ABB-Qualitätsleitsystems sowie zwei Kundenbeispiele für die gute Zusammenarbeit mit ABB und den für den Kunden gewonnen Nutzen durch die Verwendung der Produkte.

Bezugnehmend auf Industrie 4.0 wurde das Thema Datensicherheit angesprochen, welche über mehrere Schutzbarrieren, die kontinuierlich den neuen Ansprüchen angepasst werden, stattfinden soll. Hier bietet ABB eine Vielzahl an Produkten und Dienstleistungen im Rahmen der Automation Security an. Aber auch die Sicherheitsanforderungen der notwendigen Antriebssysteme der Papiermaschinen sowie die Messung der Oberflächengüte, der Rauheit des Papiers, für eine schnelle Vorhersage der Bedruckbarkeit waren Themen an den beiden Tagen.

Gestellt? Niemals! Ich am OptiTopo, der zur Messung der Oberflächengüte eingesetzt wird © ABB
Gestellt? Niemals! Ich am OptiTopo, der zur Messung der Oberflächengüte eingesetzt wird © ABB

Die Aufzählung ist nicht abschließend und auch zwischen den Vorträgen wurden für die Papierindustrie relevante Themen diskutiert, sodass am Ende jeder etwas für sich mitnehmen konnte.

Auch ich habe einen Einblick in die Vielfalt der Papierherstellung gewinnen können und durfte organisatorisch vor Ort mitwirken, sodass die ganze Veranstaltung so ablaufen konnte, wie sie letztlich abgelaufen ist. Das war ein super Erlebnis und ich habe nicht nur etwas dazugelernt, sondern auch mein Netzwerk erweitern können.

Ich weiß, dass ich mich schon einmal in meinem letzten Blogbeitrag verabschiedet hatte, aber ich wollte euch diese neue Erfahrung nicht vorenthalten. Also auf ein Neues:
Macht es gut und ihr werdet von mir hören, ob ihr wollt oder nicht – in Zukunft aber nicht mehr in der Kategorie „Ausbildung“.

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Über den Autor

Marco Schmittinger

Ich arbeite bei ABB im Bereich Marketing und Kommunikation für den Geschäftsbereich Prozessindustrie Deutschland. Hier bin ich sowohl für die interne als auch externe Kommunikation verantwortlich, was das komplette Spektrum von A wie Anzeigen bis Z wie zielgruppenspezifisches Marketing abdeckt. Darunter fallen auch die Organisation von Messen und Events sowie interne und externe Meldungen zu beispielsweise Projekten. In meiner Freizeit engagiere ich mich bei der Freiwilligen Feuerwehr und bin dort als Jugendwart aktiv. Des Weiteren reise ich sehr gerne und nehme aus den bereisten Ländern in der Regel ein Rezept mit nach Hause zum Nachmachen. Für gemeinsames Kochen / Backen, Kinobesuche, Spaziergänge oder Spieleabende mit Familie und Freunden nehme ich mir auch immer die Zeit. Mein größter Traum ist es einmal auf jedem Kontinent der Welt gewesen zu sein und von jeder Reise etwas für meine persönliche Entwicklung mitzunehmen!
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