Energie aus Gezeitenströmung

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Für eine nachhaltigere Energieversorgung müssen wir auch bisher wenig genutzte Energieerzeugungsformen besser ausschöpfen – zum Beispiel im Meer.

Das Potenzial erneuerbarer Energie ist riesig. Das gilt ganz besonders für die Sonne. Sie strahlt in einer Stunde so viel Energie auf die Erde, wie die ganze Menschheit in einem Jahr verbraucht. Weniger bekannt ist, dass sich auch im Meer eine beträchtliche Menge Energie erzeugen liesse, nämlich durch Gezeiten und Wellen.

Wenig genutzte Energiequelle

Die Internationale Energieagentur IEA schätzt, dass die installierte Leistung der Gezeiten- und Wellenenergie bis zum Jahr 2050 über 330 Gigawatt betragen wird. Das entspricht der weltweit installierten Windkraft im Jahr 2014. Bisher werden Gezeiten und Wellen aber noch nicht in grösserem Umfang kommerziell genutzt.

Die Technologieentwicklung bei Gezeitenturbinen ist weiter als bei Wellen. Ein weiterer Vorteil von Gezeitenströmungen ist, dass sie sich genau vorausberechnen lassen. Es gibt alle 6 Stunden eine Spitze. Wellen sind im Vergleich zufälliger.

Pilotprojekt in Schottland

Ein Pilotprojekt zur stärkeren Nutzung von Gezeitenströmungen ist das Kraftwerk in der Meeresenge Pentland Firth zwischen dem schottischen Festland und den Orkney-Inseln. Der Ort gehört zu energiereichsten Stellen im europäischen Meer mit Strömungen von zirka fünf Metern pro Sekunde.

Die Energieerzeugung soll mit Hilfe von Unterwasserturbinen erfolgen. Sie werden in 30-50 Metern Tiefe am Meeresboden aufgestellt. Über eine unterirdische Leitung gelangt der Strom ans Festland. Eine erste Pilotphase im Projekt ist derzeit im Gang. In den kommenden Jahren soll das Gezeitenkraftwerk zum grössten in Europa ausgebaut werden: Die Betreiber wollen im Lauf der 2020er Jahre rund 400 Megawatt Leistung erzeugen.

ABB-Beitrag aus dem Aargau

Das wegweisende Projekt ermöglichen unter anderem Beiträge von ABB. Das Unternehmen ist verantwortlich für die Onshore-Energieumwandlungs- und Netzanbindungssysteme. Dabei ist auch die Schweiz beteiligt. So werden aus dem aargauischen Turgi Frequenzumrichter geliefert. Sie sorgen für die Frequenzumwandlung des produzierten Stroms an die Netzfrequenz.

Schwimmende Turbinen

Die Gezeitenkrafttechnologie soll in Zukunft noch wirtschaftlicher werden. Diesem Zweck dienen schwimmende Gezeitenkraftturbinen, wie sie in Schottland entwickelt werden. Sie können mit Hilfe eines Boots einfach zum Einsatzort transportiert werden und sind damit flexibler und einfacher zu warten.

Die Verantwortlichen testen derzeit die neueste Turbine mit 2 Megawatt Leistung. Es ist die grösste Gezeitenkraftturbine der Welt. Sie kann Energie für rund 1000 Haushalte erzeugen. In ihr stecken auch ABB-Frequenzumrichter.

Weitere Optimierung geplant

In einem weiteren Schritt möchte ein Konsortium verschiedener Industrie- und Forschungspartner die Technologie weiter optimieren. Geplant sind Turbinenfelder, die insgesamt je 20 und später bis zu 100 Megawatt Leistung erbringen sollen. Die Europäische Union fördert das Vorhaben.

ABB ist auch hier mit von der Partie. Das Unternehmen liefert unter anderem Frequenzumrichter und weitere Komponenten und erbringt Engineeringleistungen. Ein Teil der Arbeiten erfolgt wiederum in Turgi.

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Über den Autor

Frederic Haervelid

Ich arbeite in der Unternehmenskommunikation von ABB Schweiz als Projektleiter. In meiner Freizeit treibe ich Sport oder treffe mich mit Freunden. Ich interessiere mich für Gesundheit und Fitness, liebe Bücher und mag "Die Simpsons".
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