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We are ABB: Der Tunnelentwässerer

ABB Schweiz feiert dieses Jahr ihr 125-jähriges Jubiläum. Doch wer ist ABB Schweiz eigentlich? Weltrekord aufstellen mit Ralf Rösch.

Vor fünf Jahren bekam Ralf Rösch einen Auftrag, der sein Leben prägte, wie kein anderes Projekt zuvor: Die Mitarbeit beim Bau des neuen Gotthard-Basistunnels. Was heisst es für einen Leadingenieur, seinen Beitrag zu einem Weltrekord der Ingenieurskunst zu leisten? Eindrücke aus der Arbeit zur Spitzenleistung, die 57 Kilometer Bergmassiv untergräbt, kühlt, belüftet, reinigt und dabei noch Energie produziert.

Once in a lifetime

„Für meinen Auftrag am Gotthard war ich zwar von ABB angestellt, aber ich arbeitete eigentlich für die ganze Schweiz“, sagt Ralf Rösch und trifft damit den Kern der Sache. Wer an einem Projekt der Grössenordnung „Weltrekord“ mit anpackt, der weiss, dass es – in den Worten von Ralf – ein „once in a lifetime Ding“ wird, und steckt entsprechend viel Herzblut in die Herausforderung. Denn ein Zuckerschlecken waren sie nicht, die Lose C (Belüftung), G (Entwässerung) und K (Kleinwasserkraftwerk), bei denen Ralf als Konzeptfachleiter die technische Verantwortung trug beziehungsweise als Projekt Manager die Fäden zusammenhielt.

Das Beste und noch mehr gegeben

„Man baut nicht oft den längsten Eisenbahntunnel der Welt. Daher konnten wir auf wenig Erfahrung zurückgreifen“, sagt Ralf, der eigentlich mit seinen über 20 Jahren Tunnelbauerfahrung so was wie Mr. ABB-Tunnel geworden war. Hauptsächlich beschäftigte er sich allerdings mit Strassentunnels, die durch die höheren Sicherheitsvorkehrungen um einiges komplizierter sind als Eisenbahntunnels. Der Gotthard Basistunnel setzte allerdings durch seine schiere Länge neue Massstäbe an Komplexität, die den Beteiligten viel Einsatz abverlangte. Die Kraft für die Arbeit das Beste und noch mehr zu geben, hatte Ralf aus dem Stolz geschöpft, dass er bei diesem „Leuchtturmprojekt“, wie er es nennt, mitarbeiten durfte. Und aus dem Team, das sich gegenseitig anspornte, sodass jeder die Erwartungen aller übertreffen konnte.

Kleinkraftwerk mitten im Bergmassiv

Obwohl ABB für die Elektrifizierung und die Belüftung des neuen Basistunnels bekannt wurde, – man lese an dieser Stelle den Text über Alwin, den Tunnelbelüfter – hat Ralf neben seiner Aufgabe als Leadingenieur der Tunnellüftung noch ein anderes Projekt geleitet: den Bau der Entwässerungsanlage. Es handelt sich dabei um ein System, das mit Wasser aus der Region um Sedrun das Kühlwasser für die Kühlanlagen des Tunnels liefert und den Tunnel im Falle einer Havarie eines Zuges reinigt.

Rund 20 Liter Wasser pro Sekunde stürzen durch einen 800 Meter langen Schacht von Sedrun bis in den Basistunnel, wo eine Turbine mit der Wasserkraft angetrieben wird: ein Kleinkraftwerk mitten im Bergmassiv. Gleich bei der Turbine befindet sich der Kulminationspunkt des Tunnels. Das heisst, die Röhren fallen nach Norden und Süden mit rund 2-3 Promille Steigung leicht ab. So fliesst das Wasser für Reinigungszwecke durch den Tunnel nach Erstfeld und Bodio zu den Tunnelausgängen. Dort untersuchen Sensoren den Verschmutzungsgrad des Abflusswassers und leiten es bei Bedarf in eine Kläranlage. Ein ausgeklügeltes System, das unter der Leitung von Projekt Manager Ralf Teil des Jahrhundertbauwerks wurde.

Bilanz ziehen nach fünf Jahren am Gotthard

„Für mich war der neue Gotthard Basistunnel ein lebensbestimmendes Grossprojekt. Ein Stück weit habe ich mein Privatleben dem Tunnel untergeordnet. Das ist nun vorbei und das ist auch gut so. Der Stolz bei diesem einmalgien Weltrekordprojekt mitgearbeitet zu haben, wird mir aber für immer bleiben“, zieht Ralf Bilanz aus den letzten fünf Jahren. Nun übernimmt er die Aufgabe des Head of Traffic and Tunnel Infrastructure bei ABB Schweiz. Seine neue Rolle hat eine strategische Ausrichtung. „Das wollte ich so. Nach dem Gotthard konnte ich doch nicht einfach den nächsten 500-Meter-‚Mickey-Mouse‘-Tunnel bauen“.

Stimmt. Alles Gute bei deiner neuen Aufgabe, Ralf. Welchen Weltrekord brichst du als nächstes?

Ralf Rösch, Leadingenieur von ABB, der seinen Beitrag zu einem Weltrekord geleistet hat © ABB
Ralf Rösch, Leadingenieur von ABB, der seinen Beitrag zu einem Weltrekord geleistet hat © ABB

Fragen und Antworten Ralf Rösch

Du hast fünf Jahre lang am weltrekordtragenden Basistunnel gearbeitet. Ist er dir irgendwann „normal“ vorgekommen?

Wer ein Monsterprojekt wie den Bau des neuen Gotthardtunnels vor sich hat, der zerteilt das Projekt in handhabbare Stücke. Man betrachtet dann Zwischenetappen, um nicht von der schieren Arbeitslast des ganzen Projekts erdrückt zu werden, bevor man überhaupt angefangen hat. Nach einer Zeit habe ich mich an die Dimensionen gewöhnt, und der Tunnel ist mir fast schon klein vorgekommen. Aber zum Schluss, als die Eröffnungsfeier die Bedeutung des Baus inszenierte, wurde mir wieder bewusst, wie gigantisch das alles ist.

Was hat dich am Bauprojekt am meisten beindruckt?

Die Dimensionen des Tunnels sind natürlich faszinierend. Alles ist gross und weit auseinander. Aber am meisten beindruckt hat mich die Kooperationsbereitschaft und der persönliche Einsatz unseres Teams und aller Mitarbeitenden. Wir haben uns gegenseitig angespornt, weil wir um die Bedeutung des Projekts für die ganze Schweiz wussten.

Wann bist du zum ersten Mal durch den Tunnel gefahren?

Insgesamt war ich etwa 20 Mal im Tunnel für die Inbetriebnahme der Anlagen. Einmal bin ich auch mit dem Fahrrad die 19 Kilometer vom Nordportal bis zur ersten Multifunktionsstelle unter Sedrun gefahren – keine Spazierfahrt wenn man bedenkt, dass es zwischen 35°C und 40°C Grad in der Röhre hatte. Zum ersten Mal komplett durch den Tunnel durchgefahren bin ich allerdings erst an der offiziellen Eröffnungsfeier am 1. Juni 2016 – im gleichen Zug wie Schneider-Amman, Merkel, Hollande und Renzi.

Wie lange arbeitest du schon bei ABB?

1991 habe ich bei ABB angefangen. Mit einem kurzen Unterbruch von einem Jahr war ich mein ganzes Berufsleben in dieser Firma. Trotzdem ist meine Arbeit immer spannend geblieben, denn ich hatte alle paar Jahre eine neue Aufgabe. ABB ist eine Firma, die einen begeistern kann – auch in Zeiten in denen es grosse Veränderungen gibt.

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