Das USA-Erlebnis fernab der bekannten Touristenziele – Willkommen in Tennessee!

Beale Street in Memphis © Katja Fröhlich

Meine abwechslungsreichen Erfahrungen im Auslands-Assignment des Explorer-Traineeprogramms.

An die Reaktion des amerikanischen Beamten auf der US-Botschaft in Bern kann ich mich noch sehr gut erinnern: «Wohin führt Sie ihr Auslands-Assignment?» – «Nach Alamo im Crockett County, Tennessee.» – «Wohin?» – «Etwa 30 Fahrminuten mit dem Auto von Jackson, Tennessee, entfernt, wo ich wohnen werde.» – «Wo liegt Jackson?» – «Zwischen Memphis und Nashville.» – «Aha, okay, und da draussen werden wirklich Durchführungen produziert?» – «Ja.» – Lacht, knallt den Stempel auf meine Papiere und entlässt mich mit einem «Na dann, viel Spass im Nirgendwo!».

Die grösste Durchführungsproduktion der Welt

Crockett County hat als einziger Bezirk in Tennessee keine Kreuzung mit Ampeln, Alamo hat um die 2500 Einwohner und ABB ist mit etwa 160 Angestellten die grösste Arbeitgeberin in der Region. Die Fahrt von Jackson nach Alamo ist auch zur Hauptverkehrszeit sehr entspannend, Stau habe ich hier noch nie erlebt.

In Alamo werden vor allem Durchführungen mit der altbewährten OIP-Technologie (Oil Impregnated Paper) und neu auch Trockendurchführungen mit der RIS-Technologie (Resin Impregnated Synthetics) produziert. Der Verkaufsstart der RIS-Durchführungen erfolgte 2012 bei ABB Micafil in Zürich-Altstetten und nach einem erfolgreichen Technologietransfer im Frühsommer 2015 auch hier in Alamo.

Schweizer ABB-Küken inmitten alteingesessener ABB-Mitarbeitenden

Nachdem ich während meines zweiten Assignments in der Entwicklung bei ABB Micafil zwecks Abgleich der Qualitätsmethoden zur RIS-Technologie schon in regem Kontakt mit ABB Alamo war, bot sich ein Assignment im Kundenprojektmanagement in der Abteilung Marketing und Verkauf an. Meine Aufgabe hier ist das Koordinieren der Entwicklung und Herstellung eines äquivalenten Ersatzes für einen Typ einer Konkurrenzdurchführung für einen grossen Kunden. Sich in solch einer Position, auf welcher man kaum Erfahrung hat, als junger Neuankömmling zwischen den alteingesessenen ABB-Mitarbeitenden zu behaupten, und zusätzlich alle involvierten Abteilungen wie Einkauf, Entwicklung, Produktion, Verkauf und Testlabor auf den Projektplan abzustimmen, ist nicht immer einfach. Im Gegenzug gibt es aber eine steile Lernkurve und ich habe immer die Möglichkeit, den Ratschlag von erfahrenen Mitarbeitenden einzuholen.

Von Schusswaffen, Cowboys und dem «Bible Belt»

Das Leben in Jackson ist geprägt von einer der höchsten Kriminalitätsraten in den USA, unzähligen Kirchen, der kompletten Abhängigkeit vom Auto und Fastfood-Restaurants. Ausserdem gibt es die wöchentliche 1-Dollar-Night im lokalen Bowlingcenter und ein paar wenige verrauchte Bars mit Dartscheiben und Billiardtischen.

Als Schweizerin liebe ich natürlich den Winter – aber Schnee gabs hier leider nur einmal: inklusive Hamsterkäufen am Vorabend und der Entscheidung am Morgen, nicht ins Büro zu fahren und, wie die meisten meiner Kollegen, Homeoffice zu machen.

Links die Situation im Lebensmittelladen am Vorabend des angekündigten Schnees. Rechts die tatsächliche Menge des gefallenen Schnees. Grund genug für Homeoffice. ©Katja Fröhlich
Links die Situation im Lebensmittelladen am Vorabend des angekündigten Schnees. Rechts die tatsächliche Menge des gefallenen Schnees. Grund genug für Homeoffice © Katja Fröhlich

Zu meiner Freude durfte ich bereits meine ersten Schiessversuche machen. Das jährliche Bullriding in Jackson wiederum bot die Gelegenheit, seine Cowboyausrüstung oder wahlweise auch Camouflage Kleidung, wie sie fürs Jagen benutzt wird, auszuführen. Und wo sonst sieht man beim Joggen im Wäldchen ein wildes Gürteltier über den Pfad spazieren? Apropos Tiere, was in den viel besungenen Geschichten über das Cruisen entlang der endlosen Interstates der USA leider oft vergessen geht: Sobald man ein überfahrenes und verwesendes Stinktier auf der Strasse passiert, ist eine schnelle Reaktionszeit beim Abschalten der Lüftung gefordert.

Links die Auswahl an Boots in den Läden und rechts die Eröffnungszeremonie des Jackson Bullridings. ©Katja Fröhlich
Links die Auswahl an Boots in den Läden und rechts die Eröffnungszeremonie des Jackson Bullridings © Katja Fröhlich

Ausbruch aus dem schon fast gewohnten Alltag zu den Highlights der USA

Ansonsten bin ich sehr reiseaktiv und entdecke an den Wochenenden die unglaubliche Vielfältigkeit der USA: Memphis ist nur eineinhalb Autofahrstunden entfernt und hat mit Basketball, Graceland, Museen zur Bürgerrechtsbewegung und Bars einiges zu bieten. Florida, Texas, Cleveland, die Niagarafälle und natürlich New York City sind ein paar tolle Orte, die ich bereits besucht habe, und schon bald treffe ich zwei Schweizer Trainees für ein verlängertes Wochenende in Chicago! Ich bin gespannt, was sie von ihren Assignments und sonstigen kleinen Abenteuern zu erzählen haben… Ich jedenfalls habe genug Geschichten auf Lager vom etwas anderen Leben im Tennessee, fernab der Wall Street, den Hollywood Hills oder den Casinos in Las Vegas.

Links: Kennedy Space Center in Florida, Mitte: Basketballspiel in Memphis, Rechts: Weihnachten in New York City. ©Katja Fröhlich
Links: Kennedy Space Center in Florida, Mitte: Basketballspiel in Memphis, Rechts: Weihnachten in New York City © Katja Fröhlich
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Über den Autor

Katja Fröhlich

As PG Communications Manager for Semiconductors, I'm always excited to share our knowledge with the community. I've started at ABB with the Swiss trainee program and studied materials engineering. Outside of working hours, I enjoy the outdoors and love to travel.
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