Die Suche nach Kängurus, Klischees und dem Internet of Things

Was verbindet AC/DC, die ABB-Produktgruppe «Enterprise Software» und ein Flötenvogel miteinander? – Mein halbes Jahr in Australien bei ABB.

Australien – ewig weit weg, überall lauert der Tod, das Wasser wimmelt vor Krokodilen, Quallen und Haien, aber alle sind trotzdem ganz entspannt und gehen in der Mittagspause zwei Stunden surfen. So, oder so ähnlich, müsste das Leben dort aussehen, wenn man nur einige der der Klischees über den Inselkontinent zu einem Gesamtbild formt. Ein Mix aus ewiger Sonne, adrenalingeladenen Begegnungen mit der Natur und «easygoing lifestyle» Aber kann das wirklich sein? Dies war eine der ungelösten Fragen, die mich dazu bewegten, meine dritte Station des Traineeprogramms in Brisbane zu verbringen. Die andere war: Was macht eigentlich die Produktgruppe «Enterprise Software» von ABB?

Softwareentwicklung in den Subtropen

In Brisbane befindet sich einer der Hauptstandorte für die ABB-Produktgruppe «Enterprise Software» und die Stadt selbst liegt im subtropischen Klima an der Ostküste Australiens. Nach meinen Überlegungen also genau die richtigen Bedingungen für giftige Tiere und interessante Einblicke in einen ungewöhnlichen Teil von ABB.

Zunächst zu den wilden Tieren und anderen Klischees: Leider war dieser Teil ein wenig enttäuschend. Trotz aktiver Suche mit dem Rad fand ich keine einzige Schlange, Spinne oder auch nur einen kleinen Skorpion. Und das obwohl ich die vielen hundert Kilometer Fahrradweg in und um Brisbane ausgiebig befahren habe. Der einzige, möglicherweise gefährliche Moment mit der Natur war die Begegnung mit einem schlecht gelaunten Flötenvogel (im australischen Englisch «mapgie» genannt). Dieser befand wohl, dass 30 Kilometer pro Stunde durch sein Revier zu schnell seien und flog daher mehrere Sturzangriffe auf meinen Fahrradhelm. Letztlich aber ohne Folgen.

Leben und arbeiten in Australien

In Bezug auf die Beschäftigungsarten gibt es kaum einen Unterschied zu anderen westlichen Ländern. Die allermeisten Australier arbeiten im Dienstleistungssektor (75 Prozent), ein guter Teil in der Industrie (20 Prozent) und ein kleiner Teil in der Landwirtschaft. Im Ausland bekannt ist aber vor allem die Rohstoffindustrie und – auch wenn es wenigen bewusst ist – AC/DC. Australien ist der zweitgrösste Eisenerz- und der grösste Kohleproduzent der Welt und das Geburtsland der Rockband (nicht der unterschiedlichen Stromprofile). Interessanterweise kommt aus Australien eine ganze Menge guter Musik – was mir zuvor gar nicht bewusst war. Neben Urgesteinen des Hard Rock sind die Bee Gees, Men At Work und Kylie Minogue auf dem fünften Kontinent zuhause. In Brisbane existiert ebenfalls eine sehr lebendige Musikszene, mit unzähligen, erstaunlich guten, lokalen Bands. Deren Konzerte zu besuchen war am Wochenende zweifellos meine Lieblingsbeschäftigung. Der Geheimfavorit: Holy Holy. Von Montag bis Freitag arbeiten, am Wochenende im Park sitzen, Kaffee trinken und Livemusik hören scheint auch der übliche Lebensstil der Australier zu sein – surfen geht niemand.

Softwarelösungen für Unternehmen

Wie man am Namen der ABB-Produktgruppe «Enterprise Software» schon erahnen kann, entwickelt und vertreibt diese eine ganze Reihe verschiedenster Softwarelösungen für andere Unternehmen. Dabei stehen die Minenindustrie und Energieversorgungsunternehmen als Kundengruppe im Vordergrund. Beide Industrien haben gemeinsam, dass ihr Vermögen zum Grossteil in materiellen Besitztümern gebunden ist. Energieversorger und Minenbetreiber haben also enorme Summen in ihre Kraftwerke, Leitungen und Transformatoren beziehungsweise Bagger, Muldenkipper und anderes Minengerät investiert. Mit diesen Investitionen erwirtschaften sie ihren Umsatz, jedenfalls solange all diese Maschinen ordnungsgemäss funktionieren. Im Englischen nennt man diesen Besitz «fixed assets».

Clevere Software

Die Softwarelösungen, die die ABB-Produktgruppe «Enterprise Software» vertreibt, erlauben das Management dieser ganzen Besitztümer. Man kann mir der Software überwachen, welche Maschinen gerade rund laufen und welche nicht, ob irgendwo etwas repariert werden muss, ob ein Service ansteht und wer diesen durchzuführen hat. Fegt zum Beispiel ein wilder Tropensturm durch Queensland und beschädigt einen Teil des Stromnetzes, fängt in der Schaltzentrale des Energieversorgers ein Licht an zu blinken. Dies war zum Beispiel 2011 der Fall, als die gesamte Ostküste Australiens mit massiven Überschwemmungen zu kämpfen hatte. Daraufhin kann die Schaltzentrale eine Reparaturmannschaft beauftragen, den Schaden zu beheben. Und weil wir im 21. Jahrhundert leben, sieht die Schaltzentrale nicht nur ein einsames Lichtlein leuchten. Sondern eine Software zeigt die Auswirkungen des Schadens an, prüft wer gerade für eine Reparatur verfügbar ist, erstellt eine GPS-Peilung und schickt all diese Informationen per Mausklick an das Smartphone der Reparaturmannschaft.

Sturmwolken über Brisbane's Skyline vom ABB Büro aus gesehen © Jochen Horn
Sturmwolken über Brisbane’s Skyline vom ABB Büro aus gesehen © Jochen Horn

Ad hoc reagieren, dank Software von ABB

Ähnlich kann eine andere Software einem Kohleförderer bis auf die Tonne genau erläutern, wann er welchen Bereich seiner Mine abbauen muss, um zum Beispiel an ein Stahlwerk eine bestimmte Menge für einen Hochofen geeignete Steinkohle zu einem definierten Termin liefern zu können. Dies ist möglich, weil verschiedene Teile der Software alle Prozesse einer Mine begleiten. Von der Planungsphase der Mine, zu der üblicherweise allerlei Probebohrungen gehören, über den eigentlichen Abbau mit schwerem Gerät bis hin zur Verladung des Rohstoffs auf ein Schiff erfasst die Software unzählige Daten und verarbeitet diese zu sinnvollen Informationen. Mit diesen Informationen kann das Minenunternehmen dann prüfen, ob es seine Verträge mit dem Hochofen einhalten kann. Oder ob ein paar mehr Bagger nötig sind, oder die Arbeiter besser einen anderen Teil der Mine abbauen sollten.

Kohleverarbeitung in Gunnedah - hier wird Steinkohle gewaschen um die Qualität zu verbessern © Jochen Horn
Kohleverarbeitung in Gunnedah – hier wird Steinkohle gewaschen um die Qualität zu verbessern © Jochen Horn

Einheitliche Systeme ersetzen Tabellenkalkulation

Letztlich könnte man in beiden Beispielen auch mit Excel-Tabellen oder Stift und Papier arbeiten. Und dies ist in erstaunlich vielen Fällen auch heute noch der Fall. Bei dem Besuch eines Minenunternehmens konnte ich mich selbst davon überzeugen, dass das kein Witz ist. Eine derartige Arbeitsweise führt jedoch bei hinreichender Grösse des Unternehmens zu einem undurchdringlichen Wald an verschiedensten Berichten und Dokumenten. Da dies enorm ineffektiv und fehleranfällig ist, können die von ABB entwickelten Systeme einen sehr grossen Mehrwert liefern.

Kollegen und ich besuchen einen Kunden in Gunnedah, NSW, Australien © Jochen Horn
Kollegen und ich besuchen einen Kunden in Gunnedah, NSW, Australien © Jochen Horn

Kunden ihren Bedarf aufzeigen

Meine Aufgabe lag im Bereich Vertrieb und Marketing. In der Softwareindustrie kommt diesen beiden Bereichen schon seit langem eine etwas andere Bedeutung zu, als es in der Hardwareindustrie der Fall ist. Da ABB traditionell ein eher Hardware-orientiertes Unternehmen ist, war dies sehr spannend für mich. Der Grund dafür ist folgender: Wie oben schon angedeutet, könnte die Software theoretisch auch durch Stift und Papier ersetzt werden. Daher ist es für den Erfolg von Vertrieb und Marketing in diesem Bereich zwingend notwendig, beim Kunden zunächst einmal das Bedürfnis zu schaffen und die praktische Notwendigkeit darzustellen. Also dem Kunden zu erklären, dass Exceltabellen und Bleistift nicht das richtige Werkzeug sind. Zu genau dieser Arbeit habe ich in meiner Zeit bei «Enterprise Software» beigetragen. Dazu gehörte zum Beispiel die Organisation einer Marketing Kampagne und die Einrichtung von Softwarewerkzeugen für das Kundenbeziehungsmanagement.

Zweifellos habe ich bei «Enterprise Software» einen Einblick erhalten, der mir in meiner Zukunft bei ABB noch sehr hilfreich sein kann. Ich glaube, dass Software eine immer wichtigere Rolle im Sinn der Differenzierung spielen wird. Und «Enterprise Software» hat heute schon einige der Konzepte implementiert, die andere unter den Schlagworten «Internet of Things», «IT/OT Verschmelzung» oder «Industrie 4.0» noch diskutieren. So werde ich mit vielen Eindrücken von einem sehr abwechslungsreichen Land und hilfreichem Wissen über einen wichtigen Teil von ABB in die Schweiz zurückkehren. Ich fand es grossartig, dass mir ABB und das Swiss Explorer Traineeprogramm diese Möglichkeit geboten hat.

Wenn auch du Interesse am Traineeprogramm von ABB hast, schau auf unserer Webseite vorbei.

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Über den Autor

Jochen Horn

Seit April 2014 nehme ich am ABB Trainee-Programm teil. Die ersten sechs Monate habe ich im Bereich Marketing für Mittelspannungsanlagen (Schweizer Markt) gearbeitet, danach folgte ein gutes halbes Jahr als Projektmanager für den Aufbau von gasisolierten Hochspannungsschaltanlagen. Zwischen Elektrotechnikstudium und der Zeit bei ABB war ich bei einem großen Automobilhersteller in Stuttgart als Teilprojektleiter für die Serienentwicklung der Brennstoffzellenfahrzeuge tätig. Nach meiner Station in Australien werde ich in den Geschäftsbereich Mittelspannung in der Schweiz zurückkehren.
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