Von günstigem Bier bis zu Schweissrobotern – Als Controller in Prag

© Kevin Brunner

Tschechien ist vor allem für günstiges Bier bekannt. Das Land hat aber auch eine grosse Automobilindustrie und privat wie beruflich sehr viel zu bieten.

Als sich mir die Möglichkeit bot, während neun Monaten als Controller für ABB in Prag zu arbeiten, war ich sofort begeistert. Ich kannte Prag bereits von früheren Besuchen und freute mich schon auf die Stadt mit ihrem enormen Reichtum an historischen Bauten und einem sehr aktiven Nachtleben. Mein privates Umfeld zeigte sich mehrheitlich ziemlich überrascht, da man Prag vor allem mit Bier in Verbindung brachte und es etwas unklar schien, was ich da beruflich will.

Von der Geschichte geprägt

Prag ist in der Tat eine sehr bedeutende historische Stadt mit einer wunderbaren und gut erhaltenen Altstadt. Wie nur wenige andere Städte, die ich kenne, vereint Prag gotische Bauten und Kathedralen mit barockem Baustil oder beeindruckenden Bauten des Jugendstils. Sehr schnell erfährt man in Prag, dass man sich keineswegs in Osteuropa befinde sondern in Zentraleuropa und der Umstand, dass Prag weiter westlich liegt als Wien und Berlin wird wiederholt betont. Es sei halt vor allem den Wirren der Geschichte geschuldet, dass sich Tschechien gegenüber seinen deutschsprachigen Nachbarn so unterschiedlich entwickelt habe. Vor allem bei den Pragern, die alt genug sind um sich an den Prager Frühling 1968 oder die Öffnung des Landes nach dem Fall der Sowjetunion zu erinnern war diese Zeit prägend und in gewisser Weise identitätsstiftend. Heutzutage spielt die kommunistische Vergangenheit allerdings eine untergeordnete Rolle und die politischen Stammtischdiskussionen sind geprägt von Frustration über Korruption in der Verwaltung und Verzögerungen beim Ausbau des Autobahnnetzes.

Denkmal im Park Vitkov © Kevin Brunner
Denkmal im Park Vitkov © Kevin Brunner

Mehr als Bier und Knödel

Prag und Tschechien entwickeln sich denn auch sehr stark und dynamisch. Das Bruttoinlandprodukt wächst mit etwa drei Prozent für europäische Verhältnisse relativ stark (Quelle: www.cnb.cz). Prag ist heute eine weltoffene, moderne Stadt mit einem guten öffentlichen Verkehrsnetz. Das Preisniveau, welches deutlich unter dem der Schweiz oder auch Deutschland liegt, lässt aber gewisse strukturelle Unterschiede schon vermuten. Die Tschechische Volkswirtschaft ist stark vom Export nach Deutschland abhängig, und zwar nicht nur von Bierexporten (davon produzieren die Deutschen ja selber genug). Es sind vor allem die Automobilhersteller in Deutschland und die gesamte Zulieferbranche, welche viele Fertigungsschritte in das günstigere Tschechien ausgelagert haben. So fliessen etwa 30 Prozent der tschechischen Exporte nach Deutschland, ein Grossteil davon mehr oder weniger direkt zu Deutschen Autobauern.

In diesem Segment betätigt sich denn auch ABB in Tschechien. Das Geschäftsmodell der lokalen Geschäftseinheit Robotics besteht neben dem Servicegeschäft aus zwei Hauptpfeilern: Roboter- Applikationen und das Global Robot Refurbishment Center. Die Roboter-Applikationen umfassen vor allem Schweiss-, Schneid- und Laserlösungen für die lokale Automobilzulieferbranche und den Export. Hierzu werden Roboter von den grossen ABB-Fabriken in Schweden gekauft und die Applikation durch lokale Ingenieure gemäss Kundenspezifikation geplant, programmiert und installiert. Das Global Robot Refurbishment Center in Ostrava auf der anderen Seite kauft gebrauchte ABB-Roboter von Kunden auf der ganzen Welt zurück und bereitet diese wieder auf, d. h. oft ersetzen der Elektronik und Motoren, neu anstreichen etc. bis sie wieder aussehen wie neu und verkauft werden können.

Hervorragende Entwicklungsmöglichkeiten als ABB-Trainee

Was mache ich nun in diesem Kontext nebst Pilsner Urquell geniessen? Ich bin als Junior Business Controller in der lokalen Geschäftseinheit tätig. Da es sich nicht um eine besonders grosse Einheit handelt für ABB-Verhältnisse bin ich stark involviert in alle Prozesse. In meiner täglichen Arbeit bin ich in stetigem Austausch mit den Projektmanagern, den Verkäufern, Einkauf und Service. Natürlich ist man als Controller immer für die üblichen Controlling-Aufgaben zuständig wie den Monats- und Quartalsabschluss, daneben bieten sich mir aber immer auch spannende Gelegenheiten die Arbeit in der Fabrik oder der Projektmanager zu beobachten. So lerne ich unter anderem auf was es in einer Projektkalkulation ankommt, was während der Ausführung eines solchen Projektes alles schief laufen kann und welche finanziellen Konsequenzen das hat.

Ich neben einem alten Roboter, welcher in einer Giesserei im Einsatz war © Daniel Müller
Ich neben einem alten Roboter, welcher in einer Giesserei im Einsatz war © Daniel Müller

Viele Touristen – aber noch so viel mehr

Neben einer spannenden Arbeit bietet Prag natürlich allerhand für die Freizeit. Noch nie ist mir in einer Stadt ein so starker Wandel zwischen den Tagen unter der Woche und dem Wochenende aufgefallen. Viele Tschechen verlassen die Stadt am Freitagnachmittag, um das Wochenende im Grünen zu verbringen während die Stadt regelrecht von Touristen überrannt wird. Auf einmal sind die sonst ziemlich gemütlichen Altstadtgassen mit grossen Gruppen Deutscher, Engländer oder Schweizern zugestellt. Wenn man ein bisschen länger in Prag bleibt als der Durchschnittstourist, so entdeckt man neben den typischen Touristenzielen bald viele schöne und grosse Parks, innovative Restaurants oder trendige Cafés entlang der Moldau. Natürlich ist Bier das Nationalgetränk in Tschechien. Beobachtet man das hektische Treiben am Wochenende in der Innenstadt so verwundert es kaum, dass sich einige der Touristen an kaum etwas anderes erinnern können.

Sowohl Prag als auch ganz Tschechien haben aber einiges mehr darüber hinaus zu bieten. So ist meine Zeit in Prag nicht nur eine tolle berufliche Erfahrung sondern ich werde auch Land, Stadt und Menschen in wärmster Erinnerung behalten.

Wenn auch du mal als Trainee von ABB Auslandserfahrungen sammeln willst, dann findest du alle Informationen auf der Karriere-Webseite von ABB.

 

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Über den Autor

Kevin Brunner

Ich bin seit April 2014 als Trainee im Global-Trainee-Programm Finance and Business Control beschäftigt. Meine drei Assignments absolvierte ich im Treasury bei ABB Schweiz, als Assistant Controller im globalen Controlling der Division Power Systems und als Junior Business Controller in der lokalen Geschäftseinheit Robotics in Prag, Tschechien. Gegen Ende meines Studiums Betriebswirtschaft und Finanzen an der Universität Zürich habe ich meine Masterarbeit in Zusammenarbeit mit ABB erstellt. Dieser Einstieg verhalf mir zu einer Praktikumsstelle und später zur Stelle im Global-Trainee-Programm.
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