Mensch und Roboter – Hand in Hand in der Fabrik der Zukunft

Mensch-Roboter-Kollaboration: Diese wird im Mittelpunkt der Fabrik der Zukunft stehen © ABB

Wie sieht die intelligente Fabrik der Zukunft konkret aus? Und welche Rolle spielt der Mensch bei der vierten industriellen Revolution?

Antworten auf diese Fragen habe ich zu Beginn dieses Jahres erhalten: Im Vorfeld der Hannover Messe durfte ich mit YuMi arbeiten (siehe Bild oben). YuMi ist ein kollaborierender Zweiarm-Roboter, den ABB auf der Hannover Messe in den Markt eingeführt hat.

Was YuMi mit Industrie 4.0 zu tun hat, möchte ich euch gern erklären. Fragt man verschiedene Experten, so sind sich diese einig, dass der Roboter im Mittelpunkt der Fabrik der Zukunft steht. Nur Roboter bieten die Flexibilität, die in der „intelligenten Fabrik“ elementar ist. Bisheriges Manko: Roboter und Mensch arbeiteten aus Sicherheitsgründen getrennt voneinander. Synergien konnten weder entstehen, noch genutzt werden. Wenn aber in der intelligenten Fabrik alles mit allem und jeder mit jedem vernetzt sein soll – eine der Kernideen von Industrie 4.0 – dann muss dies auch für Mensch und Roboter gelten.

Und so kommen wir zu YuMi. Dieser Roboter bringt Mensch und Maschine zusammen; er ermöglicht die direkte Zusammenarbeit ohne Schutzzäune. Daraus wachsen für die moderne Produktion unendlich viele neue Möglichkeiten. Als Beispiel lässt sich hier die wirtschaftliche Fertigung von kleinen Losgrößen nennen, denn der Trend hin zu individualisierten Produkten ist ungebrochen.

Das Besondere an YuMi ist sein inhärent sicheres Design. Das heißt, der Roboter verfügt über Eigenschaften, die eine direkte Interaktion zwischen Mensch und Roboter zulassen. Dazu zählen unter anderem gepolsterte Leichtbauarme, integrierte Kollisionserkennung, menschenähnliche Proportionen sowie eine auf 1.500 mm/s begrenzte Geschwindigkeit. YuMi kann in einer Vielzahl von Anwendungen im Bereich Handhabung und Montage von Bauteilen bis 500 g eingesetzt werden. Sein Haupteinsatzgebiet sehen wir in der Elektronikindustrie.

Der Mensch steht bei YuMi und anderen Lösungen zur Mensch-Roboter-Kollaboration stets im Mittelpunkt. Es geht darum, bessere und zukunftssichere Arbeitsplätze zu schaffen, die kreativen Potenziale des Menschen besser auszuschöpfen und Robotern die eintönigen und schweren Arbeiten zu überlassen. Der Mensch spielt somit in der intelligenten Fabrik der Zukunft eine wichtige Rolle – ein durchaus schöner Aspekt in der ganzen, eher techniklastigen Diskussion.

Auch im Hinblick auf die gesamte Arbeitsmarktsituation bin ich zuversichtlich: Nicht nur Studien, sondern vor allem die Geschichte zeigt uns, dass jeder technische Fortschritt unser Wirtschafts- und Arbeitssystem bereichert hat. Warum nicht auch diesmal? Wir sollten gerade im Zusammenhang mit der Mensch-Roboter-Kollaboration vor allem die vielen Chancen sehen, die diese Technologien mit sich bringen. Für den Produktionsstandort Europa sind das beispielsweise die Folgenden: Produktionskapazitäten können nach Europa zurückgeholt oder gar lokal geschaffen werden, Losgröße 1 kann im Kostenrahmen einer Massenfertigung produziert werden und Arbeitsplätze können insgesamt ergonomischer und produktiver gestaltet werden.

Außerdem kann mit Robotern dem demographischen Wandel begegnet werden: In den nächsten Jahren werden viele deutsche Babyboomer (1955-1965) in Rente gehen. Die frei werdenden Arbeitsplätze können jedoch nicht alle durch junge Mitarbeiter nachbesetzt werden. Hier wird die Industrie auf Roboter zurückgreifen. Und an vielen weiteren Arbeitsplätzen können kollaborative Roboter zur körperlichen Entlastung beitragen und ein lernendes Hilfsmittel sein.

Die Mensch-Roboter-Zusammenarbeit wird, dass zeigen alleine schon die aktuellen Marktentwicklungen, ein zentrales Element der vierten industriellen Revolution. Ich bin davon überzeugt, dass noch bevor alle Maschinen untereinander wirklich vernetzt sind (dazu muss man sich noch auf eine Kommunikationsschnittstelle einigen), die Zusammenarbeit von Menschen und Robotern längst Alltag in den Produktionsstätten der Welt sein wird. Und dann wirst vielleicht auch du ganz selbstverständlich mit YuMi an einer Aufgabe arbeiten und Teil der vierten industriellen Revolution sein!

YuMi zeigt in diesem Video seine “Geschicklichkeit”, indem er Papierflugzeuge baut. Natürlich ist YuMi für den Einsatz im industriellen Bereich gedacht. Aber dieses Video zeigt seine Fähigkeiten den Herausforderungen der Kleinteilemontage zu begegnen.

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Dieser Artikel ist ein Beitrag zur #Blogparade zum Thema „Industrie 4.0: Chancen, Risiken, Ideen und Umsetzungen – was hat Deutschland zu bieten?”. Auf der verlinkten Seite findet ihr auch viele weitere Beiträge zum selben Thema.

 

Weiterführende Links zum Thema

Infographik: Industrie 4.0 erklärt

Infographik: YuMi: Zusammen in die Zukunft der Automatisierung. You and me.

Animation: Industrie 4.0 – Die nächste Revolution

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Über den Autor

Tobias Krieg

Ich arbeite als Referent Marketing und Kommunikation im ABB-Unternehmensbereich Robotics. Dort bin ich unter anderem für die interne Kommunikation sowie Bereiche der Produktkommunikation zuständig. Außerdem arbeite ich im Redaktionsteam des ABB-Kundenmagazins about mit und halte immer die Augen nach Trends in der Industrierobotik offen. In meiner Freizeit spiele ich Tennis und verreise gerne- am liebsten nach Frankreich. I’m a Communications Specialist within the Local Robotics Business Unit in Germany. Among other things, I’m responsible for internal communications and product communications. I’m also part of the editorial team of the German ABB customer magazine. In my free time, I enjoy playing tennis and I love to travel to France.
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