Leben in „der Schweiz von Asien“

Skyline von Singapur © Gemperli

Vor 50 Jahren wollte Singapur zur Schweiz Asiens werden – Haben sie das Ziel auch erreicht?

Einen Tag nachdem ich das zweite Trainee-Assignment bei der Product Group GIS (ABB Schweiz / Hochspannungsprodukte) in Oerlikon beendet hatte, startete ich Anfang Oktober 2014 meine Reise nach Singapur. Die Anfangsnervosität war schnell verflogen und die Freude auf ein neues Abenteuer überwiegte immer mehr.

Nach einer 15-minütigen Taxifahrt quer durch die Singapurer Innenstadt erreichte ich sicher meine Unterkunft. Die Wohnung war klein, jedoch super ausgestattet und ideal gelegen zwischen der Innenstadt und dem ABB-Büro.

Karte von Singapur, © Google
Karte von Singapur © Google Maps

ABB – Eine globale Firma

Einmal mehr realisierte ich auf meiner Hinreise nach Singapur, wie global ABB ausgerichtet ist. Bereits in Zürich war das gesamte Flughafenterminal mit grossen ABB-Bannern plakatiert. Weiter ging es im Flugzeug, als im On-Board-System die ABB-Werbung gezeigt wurde und schlussendlich entdeckte ich auf meiner ersten Taxifahrt durch die Singapurer Innenstadt einen Stadtbus mit ABB-Branding. Dieser Anblick motivierte mich und erfüllte mich mit Stolz sowie Zufriedenheit ein Teil von dieser Erfolgsgeschichte zu sein.

ABB „Marine and Ports“ – Unglaublich interessante Projekte

Am frühen Dienstagmorgen war es dann soweit: Ich hatte meinen ersten Arbeitstag bei ABB in Singapur. Abgesehen von ABB Turbosystems und einer Transformatoren-Fabrik befindet sich die gesamte Belegschaft an einem Standort am Rand der Innenstadt. Die ungefähr 1200 Mitarbeitenden sind aufgeteilt auf alle fünf Divisionen von ABB und multikulturell total gemischt – abgesehen von den lokalen Kollegen gibt es eine sehr grosse Anzahl von Mitarbeitenden aus China, Indien, Malaysia, Indonesien, Philippinen, aber auch aus Europa, Australien oder Amerika. Diese Durchmischung und die vorhandene kulturelle Vielfalt machten meine tägliche Arbeit noch attraktiver und spezieller.

Das sechsmonatige Trainee-Assignment absolvierte ich bei ABB Marine and Ports, welche in der Division „Process Automation“ angesiedelt ist. ABB Marine operiert als Systemintegrator, indem sie diverse ABB-Produkte kombiniert (z.B. Antriebe aus Turgi) und daraus elektrische Antriebssysteme für Schiffe sowie Bohreinrichtung entwickelt. Des Weiteren produzieren sie eigene Produkte (z.B. Azipods) und versuchen vermehrt den Markt mit IT-Advisory-Systemen zu erobern. Während meines Assignments befasste ich mich intensiv mit einem intern bei ABB Marine entwickelten Remote Diagnostic System (RDS), welches erlaubt vom Land aus, auf die installierten Systeme zuzugreifen und bei einem Problemfall Troubleshooting vom Büro zu betreiben. Meine Aufgabe bestand darin, das RDS-System für gewisse Schiffstypen (Jack-Ups und Tugs) markttauglicher zu gestalten. Dies erforderte eine enge Zusammenarbeit mit den Produktverantwortlichen aus Norwegen und den lokalen Einheiten in Singapur.

Für einen Schweizer – aufgewachsen in einem Land ohne Meeresanschluss – waren diese Erfahrungen einmalig. Die gigantischen Projekte sowie die riesigen Anlagen faszinierten mich täglich aufs Neue.

Leben in Singapur – Alles was dein Herz begehrt

Das Leben in Singapur war genial, teilweise schon fast surreal und man glaubte manchmal in den Ferien zu sein. Angefangen bei meinem Apartment, welches ich von ABB in Singapur zur Verfügung gestellt bekam. Nach einem strengen Arbeitstag hatte ich die Möglichkeit auf dem Dach unseres Blocks ein kühles Bad im riesigen Pool (laut Vermieter 70 Meter lang) zu geniessen oder im Whirlpool zu relaxen.

Des Weiteren bietet Singapur auch jede Menge kulinarische Highlights aus aller Welt. Sofern man das asiatische Essen mag, findet man an jeder Ecke, in den sogenannten „Food Courts“ oder auch „Hawker Centers“, Essen aus allen möglichen asiatischen Ländern für einen sehr geringen Betrag.

In meiner Freizeit verbrachte ich die meisten Abende nicht in der Wohnung, sondern ging diversen sportlichen Aktivitäten nach. Zweimal pro Woche spielte ich Fussball (im Team der UBS :-)), Tennis und ging des Öfteren ins Fitness-Center. Nebenbei startete ich mit Golf-Lektionen und machte noch einen Tauchkurs. Aufgrund der idealen Lage von Singapur in Südostasien nutzte ich auch einige Wochenenden für Ausflüge nach Thailand und Indonesien oder relaxte nach einem längeren Ausgang am Strand von Singapur.

Um auf die gestellte Frage am Anfang des Berichtes zurückzukommen, möchte ich euch noch einige Sätze über Singapur mitteilen. Erstaunlicherweise gibt es tatsächlich sehr viele Parallelen zwischen Singapur und der Schweiz. Auf der einen Seite ist die Wirtschaft in Singapur sehr ähnlich aufgestellt. Sehr viele grosse Banken (unter anderen auch die UBS, CS und Julius Bär) prägen die Skyline von Singapur sowie viele globale Firmen haben ihre Asien-Hauptsitze hier. Auf der anderen Seite versucht die Regierung auch in anderen Themen in die Fusstapfen der Schweiz zu treten. Singapur lebt von vielen Einwanderern, von tiefen Steuern und kopierte auch erfolgreich Schweizer Errungenschaften (z.B. den Luftschutzraum).

In meinen Augen hat Singapur auf jeden Fall das Ziel erreicht, die Schweiz von Asien zu sein. In vielen Dingen sind sie uns sogar einige Schritte voraus. Zum einen gibt es in Singapur keine Probleme zwischen unterschiedlichen Religionen. Sie haben es geschafft, die Integration aller verschiedenen Kulturen so zu gestalten, dass alle gleichberechtigt sind und miteinander friedlich zusammen leben. Zum anderen gibt es in Singapur keine Probleme mit Gewaltverbrechen. In meiner ganzen Zeit in Singapur habe ich keine einzige körperliche Auseinandersetzung gesehen. Vielleicht liegt es auch einfach an den drastischen Strafen…:-)

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Über den Autor

Silvio Gemperli

Vor eineinhalb Jahren startete ich bei ABB Schweiz mit dem Graduate Trainee Program und befinde mich zurzeit in meiner Auslandstation in Singapur. Bevor ich bei der ABB angefangen habe, absolvierte ich eine Berufslehre als „Elektroplaner“, studierte im Bachelorstudium „Industrial Engineering“ und schloss mein Studium mit einem Master im Bereich „Business Engineering“ ab. Im ersten Trainee-Assignment arbeitete ich bei ABB Turbo Systems im Bereich OPEX und konnte bereits einen grossen Teil des erworbenen Wissens aus dem Studium anwenden. Anschliessend entschied ich mich für ein weiteres Trainee-Assignment als Kundenprojektleiter bei der Product Group GIS. In diesem Assignment erhielt ich die einmalige Chance im direkten Kontakt mit dem Kunden aus Chile zu stehen. Bereits während des Studiums lebte ich ein halbes Jahr lang in Südkorea und nun bot sich ein weiteres Mal die Möglichkeit, mich auf eine lange Reise in den Osten zu begeben.
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