Kabellose Energiewende – unvorstellbar

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Kabellose Internetverbindungen via W-LAN nutzt ja mittlerweile fast jeder, doch der technologische Weg bis zur kabellosen Stromübertragung ist noch weit.

Hauptsächlich kommen heute Kupfer oder Aluminium als Stromleiter zum Einsatz und aufgrund des steigenden Übertragungsbedarfs steigt auch der Bedarf an neuen Leitungen.

Noch während meines Studiums, also bereits vor mehr als 10 Jahren, wurden die ersten konkreten Neubauprojekte im Drehstrom-Übertragungsnetz diskutiert. Damals waren es noch erste kürzere Netzverstärkungsmaßnahmen von 50 – 200 km, doch bereits hier regte sich großer Widerstand in der Bevölkerung gegen neue Hochspannungsmasten, sowohl in der Nähe von Wohnbebauung als auch in umweltsensitiven Bereichen, also beispielsweise in der Nähe von Naturschutzgebieten.

Eine Möglichkeit, die Akzeptanz von neuen Hochspannungstrassen zu steigern, ist der Einsatz von Erdkabeln. Damit wird in vielen Landschaftsbereichen eine nahezu unsichtbare Trassenführung ermöglicht und damit Eingriffe ins Landschaftsbild zu vermeiden. Im Drehstrombereich sind in Deutschland bereits einige Projekte für Teilverkabelungsabschnitte definiert und die ersten Projekte im Bau.

Im Gleichstrombereich, also bei den 400 – 800 km langen Nord-Süd-Neubautrassen für Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragung (HGÜ) war für eine Erdverkabelung bisher nur der aufwändige Einsatz von Öl-Papier-isolierten Kabeln, den sogenannten MI-Kabeln, möglich.

Im letzten Jahr hat ABB nun die nächste Generation der kunststoff-isolierten Hochspannungskabel vorgestellt. Mit einer Spannung von über 500 kV und einer Leistung von bis zu 2,6 GW erreichen damit Erdkabel erstmals auch die Übertragungsleistung von Freileitungen. Dadurch wird im Vergleich zur bisherigen Kabeltechnik eine wesentlich schmalere Trassenführung ermöglicht, wodurch sich während der Bauphase deutliche Einsparungen in den Tiefbau- und Logistikkosten ergeben.

Auch durch vorgefertigte Kabelmuffen, mit denen die einzelnen Kabelabschnitte verbunden werden, lässt sich die Montagezeit von rund einer Woche pro Muffe bei MI-Kabeln auf ein bis zwei Tage bei den kunststoff-isolierten Kabeln reduzieren und damit auch die gesamte Bauzeit verkürzen. Damit wird auch der projektspezifische Kostennachteil von HGÜ-Erdkabeln zur HGÜ-Freileitung geringer.

Damit dürfte auch die Akzeptanz, sowohl in der Bevölkerung als auch in der Politik für eine Erdverkabelung steigen und die Energiewende bleibt somit bestimmt nicht kabellos.

Extrudiertes Model eines 525 kV kunststoff-isolierten Kabels mit Kupferkern © ABB
Extrudiertes Model eines 525 kV kunststoff-isolierten Kabels mit Kupferkern © ABB
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Über den Autor

Raphael Görner

Mein Name ist Raphael Görner und ich bin bei ABB für das Marketing & Vertrieb des globalen Geschäftsbereich Grid Systems verantwortlich. Unser Portfolio umfasst dabei Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragung (HGÜ), Leistungshalbleiter, Hochspannungskabel, Netzanbindungen für Offshore Windparks, die elektrische Systemberatung und relevante Servicelösungen. Angefangen hab' ich nach meinem Studium des Wirtschaftsingenieurwesens 2006 bei ABB als Trainee im strategischen Marketing für Energietechnik und seitdem habe ich unter anderem mit meiner Familie im schwedischen Ludvika gelebt, um dort im Hochspannungs-Gleichstrom-Kompetenzzentrum von ABB zu arbeiten. Neben meinem Job dreht sich auch sehr viel um meine Familie, da mein Sohn begeisterter Fußballer ist und wir dadurch immer viel gemeinsam auf Sportplätzen oder unserer Wiese hinterm Haus unterwegs sind.
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