„State of Independence“ – Architektur, Essen und Reisen

Fontäne in Pittsburgh im State Point Park © Lea Koch

Was macht Pennsylvania, den „State of Independence“ aus? Ich habe es herausgefunden!

Meine ersten Tage in Mt. Pleasant

Vor gut drei Monaten habe ich mein 6-monatiges Assignment bei ABB in Mt. Pleasant in Pennsylvania angetreten und war positiv überrascht vom sehr gut organisierten Einführungsprozess. In den ersten zwei Wochen hatte ich Einführungsgespräche mit allen Abteilungen. So erhielt ich die Möglichkeit mich zu orientieren und wusste zusätzlich auch gleich, an wen ich mich bei welchen Fragen wenden sollte.

Danach lernte ich die unterschiedlichen Montageschritte in der Fabrik kennen, indem ich bei jedem Schritt ein paar Stunden mitarbeiten und mich mit den Mitarbeitern unterhalten konnte. Dies gab mir einen sehr guten Einblick und auch eine ganz andere Sichtweise als ich bisher im Büro erfahren habe. Meine Kolleginnen und Kollegen haben mich alle sehr offen empfangen und die offene amerikanische Art hat es mir leicht gemacht, mich ins Team zu integrieren.

ABB Mt. PLeasant © Lea Koch
ABB Mt. Pleasant © Lea Koch

Auch für meine Aufgaben hier in Mt Pleasant war es sehr wichtig die verschiedenen Abläufe und Arbeitsschritte kennenzulernen. Im Wesentlichen beschäftige ich mich hier mit folgenden zwei Projekten. Zum einen bin ich für optimierte Verpackungen zuständig, die einen reibungslosen Ablauf zulassen und unsere Ware optimal schützen. Auch wenn sich dies erst einmal etwas langweilig anhört, gibt es viele Details die zu beachten. Dazu kommt, dass alle Beteiligten (Lieferanten, Spediteure, Warenannahme, interne Logistik etc.) ihre ganz eigenen Vorstellungen von einer optimalen Verpackung haben. Zum anderen helfe ich einem Team in der Fabrik bei verschiedenen Prozessoptimierungen und dem Aufbau neuer Arbeitsstationen. Dies gibt mir die einzigartige Möglichkeit praktische Erfahrung mit Lean Production zu sammeln.

Ein besonderes Highlight bisher war eine Geschäftsreise nach Raleigh/North Carolina, den ich mit zwei Kolleginnen machen durfte, wo wir an einem Workshop zum „strategischen Material Management“ teilgenommen haben. Eigentlich ist dies nicht Teil meiner Aufgabe hier, doch mein Chef meinte, dass dies sicherlich eine gute Erfahrung ist. Am diesem Workshop habe ich in der Tat viel Neues gelernt. Beim strategischen “Material Management” geht es darum sicherzustellen, dass alle benötigten Materialien verfügbar sind, ohne zu viel Material vorzuhalten. Dies mag sich trivial anhören, ist in der Realität aber leider alles andere als einfach, da viele Faktoren zusammenspielen.

Die zwei kleinen Unterschiede im Arbeitsalltag in den USA

Während es zwischen Europa und den USA sicherlich viele Gemeinsamkeiten gibt, gibt es auch einige doch recht deutliche Unterschiede. Ein normaler Arbeitstag hier sieht fast genauso aus wie in der Schweiz mit zwei Ausnahmen: Erstens, wäre es mir ohne Auto unmöglich überhaupt zur Arbeit zukommen. Die USA sind definitiv eine Autofahrer-Nation (selbst im Vergleich zu Deutschland) und ohne Auto geht hier gar nichts. Zugegeben leben nur ungefähr 4’400 Einwohner in der Ortschaft, wo ich arbeite, doch auch in der nächstgrösseren Stadt mit immerhin etwas über 300’000 Einwohner gibt es nur Busse als öffentliches Verkehrsmittel. So war es für mich nach meiner Zeit in Zürich durchaus eine ziemlich grosse Umstellung nicht einmal zu einem Bäcker laufen zu können.

Zweitens, haben wir hier in Mt. Pleasant zwar eine Cafeteria doch muss man sich sein Essen selbst mitbringen. Während es in der Schweiz für mich üblich war, zum Mittagessen gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen in die Kantine zu gehen, nehmen hier die meisten ihr Essen von zuhause mit. Alternativ ist es natürlich auch kein Problem eine Pizza oder ähnliches zu bestellen. Und so wird bei einem Meeting oder einem Workshop über den Mittag oftmals gerne reichlich Essen bestellt.

Barbecue und andere Spezialitäten

Somit wären wir auch beim nächsten Thema angekommen: dem Essen in den USA. An einige Essgewohnheiten in der USA könnte ich mich durchaus gewöhnen, so zum Beispiel Barbecues. Barbecue ist nicht gleich Barbecue und jeder Bundestaat hat seine eigenen Spezialitäten und Sossen, die das Barbecue so speziell machen. Auf unserem Business Trip nach Raleigh, haben ich das dortige Barbecue verkostet, und gelernt, dass deren Barbecue-Sossen auf Essig basieren. Von meinen früheren Besuchen in den USA hatte ich vor allem das Barbecue von Colorado gekannt, wobei eher süssliche Marinaden verwendet werden. Im Süden sind die Barbecue-Sossen hingegen teilweise sehr scharf.

Ansonsten sind die USA natürlich auch für Steaks, Burger, Chicken Wings, Hot Dogs und so weiter bekannt. Meiner Meinung nach kommt dabei das Gemüse etwas zu kurz und es ist für mich doch recht gewöhnungsbedürftig, dass es hier fast alles auch frittiert gibt.

Das Kennedy Space Center und weitere Highlights

Meine Wochenenden nutze ich hauptsächlich dazu Pennsylvania und die USA zu erkunden. Während die Region um Pittsburgh keine typische Touristendestination ist, gibt es doch ein paar Highlights – zum Beispiel von Frank Lloyd Wright. Wright war ein Architekt und Designer und das Guggenheim Museum in New York ist eines seiner bekanntesten Werke. Sein Haus “Falling Water” ist über einen Wasserfall gebaut und kann heute inklusive der Originaleinrichtung besichtig werden.

Haus “Falling Water” von F.L. Wright © Lea Koch
Skyline Toronto © Lea Koch

Weiter habe ich meinen bisherige Zeit in den USA dazu genutzt, um den Nordosten und Kanada zu erkunden und habe unter anderem Weekend-Trips nach New York, Washington, D.C. und Toronto gemacht. Das Fliegen ist hier zum Glück ziemlich günstig und da die Orte im Nordosten der USA für amerikanische Massstäbe recht nahe beieinander liegen, sind die Flugzeiten zum Glück recht kurz.

Zwei Höhepunkte Ende November waren Thanksgiving und der sogenannte “Black Friday”. Da es diese beiden Feiertage in der Schweiz nicht gibt, waren sie für mich durchwegs ein Erlebnis. Ich habe das verlängerte Wochenende genutzt, um nach Florida zu reisen, wo ich das traditionelle Turkey-Dinner am Strand genoss. Black Friday ist der grösste Shopping-Tag in den USA und alle gehen einkaufen. Auch wenn ich Menschenmassen am liebsten meide und lieber Einkaufen gehen, wenn ich mich nicht mit anderen in langen Schlangen stellen muss, so ist der Black Friday doch definitiv eine Attraktion.

Hafenrestaurant in Key Largo © Lea Koch
Hafenrestaurant in Key Largo © Lea Koch

Ein weiteres Highlight meiner Floridarreise was das Kennedy Space Center. Als Ingenieurin hat mein Herz höher geschlagen, als ich das Space Shuttle und die Saturn V Rakete in echt sehen konnte.

Space Shuttle im Kennedy Space Center © Lea Koch

Bleibende Erinnerung

Von den USA wird mir in Erinnerung bleiben, dass ich bei ABB die Möglichkeit erhielt, mich nicht nur fachlich weiterzuentwickeln. Die offene Art meiner Kollegen und Bekannten hat es mir sehr erleichtert, mich einzuleben und mich wie zu Hause zu fühlen. Das Land für sich bietet unglaublich viele Möglichkeiten und trotz meiner vielen Reisen während meines Aufenthaltes, gibt es noch so unglaublich Vieles, was ich nicht gesehen habe.

Besuch der Weihnachtsaustellung des Phipps Conservatory in Pittsburgh © Lea Koch
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Über den Autor

Lea Koch

Ich bin Trainee der ABB Schweiz im Explorer Trainee Program. Nach dem Abschluss meines Studiums in Maschinenbau mit der Spezialisierung im Bereich Robotics an der ETH Zürich bin ich im Juli 2013 als Praktikant bei der Intellectual Property Abteilung bei ABB eingestiegen. Anschliessend bin ich im Oktober 2013 in das Explorer Trainee Program gewechselt und absolviere zurzeit mein zweites Assignment. Mein erstes Assignment in der Energietechnik war global ausgerichtet und ich durfte als Projektleiterin mit verschieden Fabriken weltweit zusammenarbeiten. Für mein zweites Assignment habe ich die grossartige Chance erhalten, für 6 Monate nach Mt. Pleasant in die Dead Tank Breaker Fabrik zu gehen. Neben zahlreichen neuen beruflichen Herausforderungen bietet mir diese Station auch die Gelegenheit, ein andere Seite der USA kennenzulernen. Mein bisherigen Erfahrungen hier möchte ich gerne mit euch in diesem Blog teilen.
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