Energieeffizienter Riesenkoloss reist über 700 Kilometer

© ABB

Wie transportiert man einen 190 Tonnen schweren Trafo von Bonn bis in die Alpen? Mit Schiff, Schiene, LKW und Standseilbahn.

Zentimetergenau rollt der 53 Meter lange und über 3 Meter breite Schwerlastzug aus drei LKWs über die enge Bergstrasse. Er ist mit einem Gesamtgewicht von 300 Tonnen und mit einer Gesamtleistung von 1‘680 PS auf dem Weg von Linthal nach Tierfehd in den Glarner Alpen. Massarbeit, denn es geht gleich um zwei enge Hausecken, die schon bei früheren Grosstransporten zur Baustelle Linthal 2015 der Axpo für einiges Kopfzerbrechen gesorgt haben. Jetzt wird die ganze Strasse von der Kantonspolizei für diesen Transport mit Sonderbewilligung abgeriegelt, und die Anwohner sind darüber informiert, was dort vor sich geht. Aber es klappt alles ohne Probleme und die LKWs kommen um die Hausecken.

Der Trafo gelangt per LKW an sein Ziel. © ABB
Der Trafo gelangt per LKW an sein Ziel. © ABB

Grösstes und schwerstes Einzelteil für die Grossbaustelle

Insgesamt viermal musste ein solcher Schwertransport an diesem Nadelöhr vorbei. Je vier ABB-Transformatoren mit einem Gewicht von je 190 Tonnen und einer Abmessung von je 10m Länge, 3m Breite und 4,2m Höhe galt es, von Linthal hinauf auf die Baustelle des Pumpspeicherwerkes Limmern zu transportieren – das letzte Stück sogar mit einer Standseilbahn, die extra dafür ausgelegt wurde. Oben angekommen werden die vier Trafos ab 2015 im neuen Pumpspeicherwerk die Spannung von 18 kV auf 400 kV wandeln, damit die Generatoren mit dem Schweizer Höchstspannungsnetz verbunden werden können. So tragen sie dazu bei, dass so der Bedarf an Spitzenstrom gedeckt und die Versorgungssicherheit der Schweiz weiter verbessert werden kann.

Spezialanfertigung punkto Energieeffizienz

Bevor diese vier Riesentrafos an ihren Bestimmungsort in der Kaverne in den Glarner Alpen gelangten, waren sie bereits über 2 Wochen durch halb Mitteleuropa unterwegs. An ihren ABB-Fertigungsort in Bad Honnef bei Bonn wurden sie auf ihre Reise geschickt. „Weil der Transport zum Pumpspeicherwerk logistisch so anspruchsvoll ist, hatten wir die Vorgabe, die Trafos so kompakt und energieeffizient wie möglich zu bauen“, erklärt Jürgen Wendorff, Projektleiter für die Maschinentransformtoren bei ABB in Bad Honnef. Was auch gelungen ist: Die vier baugleichen Trafos erreichen je eine Nennleistung von 280 MVA bei niedrigen Verlusten, kleinen Abmessungen und vergleichsweise geringem Gewicht.

Trotzdem wiegen die vier Riesenkolosse noch immer stolze 190 Tonnen. Sie wurden von Bad Honnef aus zuerst mit dem Schiff dem Rhein entlang bis nach Basel befördert, dann per Schiene auf einem nächtlichen Extrazug nach Linthal und zuletzt per LKW und Standseilbahn in die Kaverne des Pumpspeicherwerkes. Eine logistische Meisterleistung aller Beteiligten, wie man aus diesem eindrücklichen Video ersehen kann!

ABB liefert Elektrotechnik für 124 Millionen Franken

Die vier Trafos sind Teil eines 124-Millionen-Auftrags, den ABB im Jahr 2009 für die Lieferung der elektrotechnischen Ausrüstung für das neue Pumpspeicherwerk Limmern von der Axpo erhalten hat. Daneben liefert ABB auch die Hochspannungskabelverbindung vom Kraftwerk zum Unterwerk, die Generatorableitung, die Mittelspannungsanlagen, das Kraftwerksleitsystem, die Gleichspannungsversorgungs- sowie die Notstromanlage. Ebenfalls Bestandteil des Auftrages ist eine aus 200 Elementen bestehende 380-kV-GIS-Anlage (link zu Homepage). Die im Endausbau 40 Meter lange und 5 Meter hohe gasisolierte Schaltanlage wird beim Kraftwerk Tierfehd installiert und vor dort aus den Strom vom Kraftwerk über eine 380 kV-Leitung ins Netz einspeisen. Bereits früher hatte ABB zwei Unterstationen sowie eine 220-KV-GIS-Anlage für Tierfehd geliefert.

Wenn also ab 2015 Strom mit den Pumpspeicherwerk Limmern mit einer Pump- und Turbinenleistung von je 1000 Megawatt produziert wird, dann ist ABB auch immer mit dabei!

Details zur Lieferung erfahrt ihr auch in der Medienmitteilung von Axpo.

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Über den Autor

Melanie Nyfeler

Ich arbeite bei ABB Schweiz in der Pressestelle, betreue Schweizer Wirtschafts- und Fachmedien und beantworte Medienanfragen. Zudem bin ich für Publikationen zuständig, schreibe Artikel und Social-Media-Beiträge. Als ehemalige Journalistin bin vielseitig interessiert, lese gerne und liebe grosse wie kleine Reisen ins nahe Ausland sowie in die grosse, weite Welt.
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