„Frau Armbruster, machen wir heute die Nachtwanderung?“

Kurz bevor es dunkel wird… © ABB

So lautet morgens schon beim Frühstück die Frage der Kinder.

Lagerfeuer, Stockbrot und Nachtwanderung gehören neben Disco, einkaufen im Dorf, Abschiedsnachmittag, Hallenbad und vielem mehr im Sommer zum festen Bestandteil einer Freizeit im ABB Kinderferienhaus.

Gut vorbereitet und am besten nichts vergessen

So beginnt für mich die Planung für die Nachtwanderung schon einige Tage früher: Wetterbericht beobachten, schauen ob genug Betreuerinnen da sind, Hefeteig in der Küche vorbereiten, und Übersicht über die Anzahl der Kinder behalten.

Am Ende des Tages passt dann alles: das Wetter spielt mit und es passieren auch keine unvorhergesehenen Ereignisse, wie z. B. ein krankes Kind zum Arzt fahren. Nach dem Abendessen noch schnell die Getränke auf den Schlößle-Spielplatz fahren, Feueranzünder, Stöcke fürs Stockbrot, Ersatzholz, Wasser, Stockbrotteig und Verbandszeug für den Notfall einpacken, dann kann es losgehen.

Fragen über Fragen

Kurz vor acht machen sich dann auch die Kinder fertig. „Kann ich die Taschenlampe mitnehmen?“ „Wann kommen wir wieder?“ „Gibt es da Mücken, die stechen?“ „Muss ich eine Jacke mitnehmen?“ „Kann ich doch noch mit zur Nachtwanderung?“ „Es ist doch noch gar nicht dunkel!“

So viele Fragen, aber man merkt die Spannung und die Aufregung steigt.

Auf die Plätze, fertig …

Also dann: los geht’s, den Park hinauf, vorbei an den Kallis (unserem Maulwurf-Maskottchen) zum Schlößle-Spielplatz. Dort werden von der Mehrheit zunächst die Spielgeräte in Beschlag genommen. Einige Kinder ziehen aber auch gleich in den Wald und suchen Brennbares fürs Feuer: Blätter, Moos, kleine Äste, große Zweige, ja manche schleppen halbe umgefallene Bäume an und die werden dann „fachmännisch“ zerkleinert.

Die Kinder vor der Nachtwanderung © ABB
Die Kinder vor der Nachtwanderung © ABB

Und es dauert auch gar nicht lange, dann knistert und brennt es: unser Lagerfeuer! Und wieder erlebe ich, welche Faszination gerade für die Kinder von so einem Feuer ausgeht: immer mehr schauen „mal kurz vorbei“, wollen auch einen Stock ins Feuer werfen, oder einen eigenen Stock ankokeln, oder mit einer angebrannten Stockspitze auf die Sandsteinplatten malen.

Lagerfeuer und Stockbrot

So, die Glut ist genau richtig und los geht es mit dem Stockbrot. Auf einmal werden mir zehn Stöcke entgegengestreckt, also schnell Teig portionieren, rollen und um den Stock wickeln. Jeder kommt dran, es ist schließlich genug Teig da.

„Frau Armbruster, mein Stockbrot ist verbrannt!“ „Wie lange dauert meins noch?“ „Ist meins schon fertig?“ „Mein Stockbrot ist ins Feuer gefallen!“ „Kann ich noch eins machen?“ „Machst du mir meines fertig?“

Jetzt vier Hände mehr zu haben, das wäre nicht schlecht, denke ich, aber schließlich hat jeder sein Brot geschafft, mehr oder weniger knusprig! Und es wird höchste Zeit, alle Kinder ums Feuer zu holen, denn für die Spielgeräte wird es jetzt doch zu dunkel.

Bis wir zur Nachtwanderung aufbrechen erzählen die Kinder ihre Gruselgeschichten oder Witze und nein, natürlich ist ja keine Geschichte unheimlich!

Das Stockbrot schmeckt allen © ABB
Das Stockbrot schmeckt allen © ABB

Ein bisschen Angst gehört dazu

Als wir starten, stellt sich die Frage: wer macht den Anfang, wer den Schluss? Das Feuer wird gelöscht und nochmal durchgezählt. Gar nicht so einfach im Dunkeln, nur mit dem Taschenlampenlicht. Aber schließlich ist auch das geschafft und so tapst, marschiert und stapft eine Truppe von Kindern und Erzieherinnen durch den Wald. Eigenartigerweise werden die Unterhaltung und das Lachen der Kinder immer lauter, je dunkler der Weg wird.  Sogar ganz coole 13-jährige marschieren urplötzlich ganz nah bei mir. Auf einmal habe ich an jeder Hand zwei Kinder (wie war das noch mit den vier Händen??). Aber neeiin, es ist alles gar nicht unheimlich! Angst? Nie und nimmer!

Im Ferienhaus angekommen war ja alles natürlich ganz easy und überhaupt nicht gruselig! Und doch schleichen die Kinder mehr oder weniger ins Bad und der eine oder andere schenkt sich heute Abend das Zähne putzen.

Nachdem alle im Bett sind und es in den Zimmern ruhig ist, „schleiche“ auch ich nach Hause, recht froh, dass alles gut geklappt hat, es keine Verletzungen gab und die Kinder heil und zufrieden einen schönen Ferientag verbracht haben.

Jetzt aber schnell schlafen, schließlich ist es inzwischen schon nach elf Uhr und morgen früh heißt es beim Aufstehen sicher wieder:

„Frau Armbruster, was machen wir heute?“

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Im ABB Kinderferienhaus können Kinder von Mitarbeitern im Alter von drei bis 12 Jahren auf Kosten des Unternehmens ihre Ferien verbringen. Die Kinderfreizeiten finden ganzjährig statt. Das Haus bietet Platz für bis zu 56 Kindern pro Freizeit. Seit 1956 haben bereits über 27.000 Kinder von ABB-Beschäftigten dieses in der deutschen Unternehmenslandschaft einzigartige Angebot genutzt. Neben den Kinderfreizeiten gibt es so genannte Schnupperfreizeiten. Dabei verbringt ein Elternteil mit einem oder mehreren Kindern eine Woche im Kinderferienhaus. Ziel ist es, den Eltern zu zeigen, dass ihre Kinder in guten Händen sind.

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Über den Autor

Heike Armbuster

In meinem erlernten Beruf als Erzieherin arbeite ich seit 1987 bei ABB - im Kinderferienhaus in Schapbach im Schwarzwald. Im Jahr 2001 habe ich die Leitung des ABB Kinderferienhauses von meinen Eltern übernommen, die die Einrichtung seit 1973 geführt hatten. Ich liebe meine Heimat, die Arbeit mit Kindern und mit meinem Team. Das Kinderferienhaus und die Armbrusters gehören seit über 40 Jahren zusammen wie der Lichtschalter und die Stromleitung.
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