90 Jahre Leitungsschutz: Was haben ABB und Mercedes Benz gemeinsam?

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Beide Pionierleistungen wurden in der Rhein Neckar Region getätigt – Mannheim und Ladenburg.

Seht ihr auch die Gemeinsamkeiten? Nein? Dann möchte ich euch ein paar Details nicht vorenthalten:

Hugo Stotz‘ Erfolgsgeschichte: im Jahr 1891 begonnen und im Jahr 1924 patentiert

Am 8. November 1924 revolutionierte Hugo Stotz die Elektroinstallation. Beim Berliner Reichspatentamt meldete er seinen „elektromagnetischen Überstromschalter“ unter der Nummer 458392 zum Patent an. Es war die Geburtsstunde des Sicherungsautomaten und der sicheren, einfachen und verfügbaren Nutzung elektrischen Energie. Seither meldete ABB weit über 200 Patente bezogen auf Sicherungsautomaten an.

Stotz Sicherungsautomat © ABB
Stotz Sicherungsautomat © ABB

Carl und Bertha Benz – Der Traum vom Automobil

Am 29. Januar 1886 veränderte Carl Benz die Welt. Beim Berliner Reichspatentamt meldete er sein „Fahrzeug mit Gasmotorenbetrieb“ unter der Nummer 37435 zum Patent an. Es war die Geburtsstunde des Automobils. Seither meldete Mercedes-Benz rund 80.000 weitere Erfindungen zum Patent an.

© Mercedes Benz
Benz Patent-Motorwagen, 1886 © Mercedes Benz

Mehr spannende Informationen über die Entwicklung und den Benz Patent Motorwagen beschreibt Christian Salzborn in seinem Blogbeitrag „Carl und Bertha Benz – Der Traum vom Automobil

Pionierarbeit: Es war einmal…

…vor langer, langer Zeit: Die Geschichte unserer Sicherungsautomaten begann im Jahr 1891. Hugo Stotz, ein echter Pionier im wachsenden Bereich der elektrischen Beleuchtung, gründete ein Familienunternehmen in Mannheim. Er sah die Notwendigkeit für eine Schutzschaltvorrichtung , die wieder geschlossen werden und mehrfach ohne Austausch auslösen konnte.

Die Erfindung war so genial wie einfach: Hugo Stotz suchte nach einer Lösung, wie elektrische Energie sicher und einfach in Häusern und Wohnungen zur Verfügung gestellt werden kann. Ausgangssituation war die noch heute bekannte Schmelzsicherung.

Patentveröffentlichung im Jahre 1928 © ABB
Patentveröffentlichung im Jahre 1928 © ABB

Im Jahr 1923 kombiniert Hugo Stotz eine thermische und eine Magnetauslöseeinheit in einem Gerät. Er begann eine wiedereinschaltbare Sicherung zu entwickeln, die unter Verwendung von elektrischen und mechanischen Komponenten den elektrischen Stromkreis im Fall einer Störung unterbrechen konnte, ohne dabei einen Draht zum Schmelzen zu bringen.

Heute unvorstellbar: die Schmelzsicherung

Stellt euch vor, es wären auch noch heute nur Schmelzsicherungen in unserer Wohnungsverteilung oder unserem Hausverteiler eingebaut! Mit jeder Überlast müsste nicht nur ein neuer Sicherungseinsatz gekauft werden, auch die Montage dürfte nur durch eine Elektrofachkraft erfolgen. Solange der neue Sicherungseinsatz nicht installiert ist, könnten zum Beispiel der PC, der Router, der Fernseher, der Kühlschrank und alle anderen an diesem Stromkreis angeschlossenen Geräte nicht mehr genutzt werden. Nur durch die Erfindung von Hugo Stotz sind wir heute in der komfortablen Lage den ausgelösten Sicherungsautomaten wieder einzuschalten – auch als Laie.

Im Jahr 1924 wurde ihm dafür das Patent mit der Nummer DRP 458392 für den elektromagnetischen Überstromschalter erteilt, den wir seit 1928 unter dem Markennamen STOTZ- Automat kennen. Heute ist seine Erfindung weltweit als Sicherungsautomat bekannt. Wie funktioniert eigentlich ein Sicherungsautomat?

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Kompatibilität verspricht Erfolg

Der erste Sicherungsautomat war ein voller Erfolg, denn er konnte einfach in die vorhandenen Sicherungssockel geschraubt werden. Es waren keine Änderungen an der elektrischen Installation notwendig. Im gleichen Jahr entwickelte STOTZ auch einen speziellen Sicherungsautomaten mit K-Charakteristik für Motoranwendungen um Lasten mit hohen Anlaufströmen gerecht zu werden.

1. 1923 Historischer Sicherungsautomat | 2. 1928 Historischer Sicherungsautomat in K-Charakteristik für den Motorschutz | 3. 1957 Historischer Hochleistungs-Sicherungsautomat S201-K4 | 4. 1961 Historischer Sicherungsautomat S 161 | 5. 2012 Sicherungsautomat aus System pro M compact® S200 © ABB
1. 1923 Historischer Sicherungsautomat | 2. 1928 Historischer Sicherungsautomat in K-Charakteristik für den Motorschutz | 3. 1957 Historischer Hochleistungs-Sicherungsautomat S201-K4 | 4. 1961 Historischer Sicherungsautomat S 161 | 5. 2012 Sicherungsautomat aus System pro M compact® S200 © ABB

Auf der Hannover Messe 1957 wurde ein neuer STOTZ Sicherungsautomat mit kürzerer Schaltzeit für einen Kurzschlussstrom von 10kA vorgestellt. Möglich machten dies ein neuer magnetischer Auslöser mit Schlagbolzen und andere neue bauliche Verbesserungen.

Standardisiertes Haltesystem

Im Jahr 1970 wurde die DIN-Schiene eingeführt. Von Anfang an gab es auch unsere Sicherungsautomaten für das neue standardisierte Haltesystem. 1980 folgte der weltweit erst selektive Sicherungsautomat S700. Er ermöglicht es, selektiv kaskadierte Schutzsysteme nur mit Leitungsschutzschaltern aufzubauen. Bis dahin war eine Selektivität nur durch Sicherungen möglich.

Seit 1999 produzieren wir, ABB STOTZ-KONTAKT, den System pro M compact® Sicherungsautomaten S200. Heute auf der modernsten Fertigungsanlage in Heidelberg. Bisher haben wir mehr als 950 Millionen Automaten gefertigt.

Ich hoffe ihr seht genauso wie ich die Gemeinsamkeiten von deutschen Pionieren und Erfindern und wie diese unser Leben geprägt und verändert haben.

Ich bin froh, dass es diese Entwicklungen gibt von denen wir heute alle profitieren, sie nutzen und sie als eine Selbstverständlichkeit ansehen.

Wenn ihr noch mehr über den Sicherungsautomaten erfahren wollt, dann schaut mal hier vorbei!

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Über den Autor

Florian Krackhecke

Ich arbeite bei ABB im Bereich der Niederspannungsprodukte als Produktmarketingmanager für Installationsprodukte. Meine Aufgabenschwerpunkte liegen in der Lebenszyklusbetreuung von Sicherungsautomaten und unserem Stecksockelsystem Smissline TP. In diesem Zusammenhang erstelle ich den richtigen Marketing Mix und unterstütze das operative Tagesgeschäft. Am liebsten erkläre ich jedoch meine Produkte, informiere mich auf Messen und Veranstaltungen über neue Trends, Produkte, Anwendungen und Lösungen im Rahmen der Energieeinspeisung und Verteilung von Niederspannungsanlagen.
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