Die Energiewende ist wie ein Marathon (und wir sind bei Kilometer 10)

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Am 25. und 26. Februar fand die Konferenz "Smart Renewables 2014" statt. Hier wurde über Neuausrichtung der Förderung erneuerbarer Energien diskutiert.

Die Veranstaltung des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) findet seit 2011 jährlich in Berlin statt und hat sich seitdem zu einem wichtigen Treffpunkt der traditionellen Energiewirtschaft, der neuen Spieler und der Politik entwickelt.

In diesem Jahr stand die Konferenz ganz im Zeichen der Neuausrichtung der Förderung erneuerbarer Energien in Deutschland. Der Anteil erneuerbarer Energien an der elektrischen Last liegt bei 25%. Deutlich spürbar war, dass allen Teilnehmern bewusst war, dass es eine große Herausforderung ist einen Rahmen zu schaffen, in dem der weitere Ausbau orientiert am elektrischen Bedarf wirtschaftlich effizient erfolgt. Und in dem erneuerbare und nicht-erneuerbare Quellen gemeinsam für die Funktion des Versorgungssystems und die Versorgungssicherheit sorgen. In mehr und mehr Ländern – Deutschland gehört dabei zu den führenden – ist der Ausbau der erneuerbaren Energien inzwischen so weit fortgeschritten, dass eine saubere Integration in die energiewirtschaftlichen Mechanismen unausweichlich geworden ist.

Breite Einigkeit bestand darüber, dass erneuerbare Energien sich künftig ihre Abnehmer suchen müssen und so in die Marktprozesse integriert werden. Dagegen fand das auch von der Europäischen Kommission bevorzugte Ausschreibungsmodell, mit dem künftig die Vergütung im Wettbewerb festgelegt werden soll, nicht nur Zustimmung. Seine Kritiker befürchten einen sehr hohen Aufwand und eine deutlichen Zunahme der Projektrisiken mit der Folge, dass weniger Investoren zur Verfügung stünden.

Integration der EE-Förderung in den EU-Binnenmarkt

Ich habe an einer Podiumsdiskussion zum Thema “Wie gelingt die Integration der EE-Förderung in den EU-Binnenmarkt?” teilgenommen, die mit einem Kurzvortrag von Marie C. Donelly, Direktorin für Neue und Erneuerbare Energien, Energieeffizienz und Innovation in der Generaldirektion Energie der Europäischen Kommission, eröffnet wurde.

Sie betonte, dass ein Zielanteil von 27% erneuerbarer Energien am europäischen Gesamtenergiebedarf im Jahr 2030 für die elektrische Energieversorgung einen Anteil von 45% bedeute. Dieser hohe Anteil wird kaum noch mit nicht abgestimmten nationalen Programmen der Mitgliedsstaaten zu erreichen sein. Die Kommission favorisiert deshalb einen Rahmen, der darauf hin wirkt, dass die besten Standorte für die verschiedenen Quellen gewählt werden und so die im europäischen Rahmen effizienteste Lösung gefunden wird.

In diesem Zusammenhang habe ich darauf hingewiesen, dass ein sehr hoher Anteil erneuerbarer Energien wegen der Standortgebundenheit und der Volatilität grundsätzlich von einem weiträumigen, mindestens kontinentalen Verbund profitiert –eine der wichtigsten Motivationen für die Desertec-Idee, die im übrigen durch zwei Podiumsteilnehmer, nämlich Thomas Barth von E.ON und mir, in die Diskussion eingebracht wurde. Etwas überrascht war ich, als ich im weiteren Verlauf des Abends bemerkte, dass gerade dieser Aspekt für viele Teilnehmer der Veranstaltung neu war.

Marathon Energiewende

Am Ende der zwei Tage bleibt der Eindruck einer sehr konstruktiven Diskussion auf hohem Niveau, aber auch im Bewusstsein, erst am Beginn der systemtechnisch herausfordernden Veränderungsphase zu stehen. Oder, wie es einer der Redner unter Bezug auf das von Hildegard Müller, der Hauptgeschäftsführerin des BDEW, geprägte Bild des Marathonlaufs Energiewende sagte: „Ja, es ist ein Marathon – und wir sind bestenfalls bei Kilometer 10 angekommen.“

Mehr Informationen zur Energiewende mit ABB, findet ihr auf unserem Energiewende-Portal.

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Über den Autor

Jochen Kreusel

I lead the Industry Segment Initiative "Smart Grids" in ABB and I am a member of the Steering Committee of the European Technology Platform for Electricity Networks of the Future – short ETP Smart Grids. From 2008 to 2013, I was Chairman of the Power Engineering Society of VDE. Furthermore, I am an honorary professor at the RWTH Aachen and one of the four Vice presidents of T&D Europe, the European Association of the Electricity Transmission and Distribution Equipment and Services Industry, in charge of Energy Policy and chair of T&D Europe’s Energy Policy Working Group.
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