Wüstenstrom: Dii-Studien liefern einzigartige und klare Ergebnisse

In den zurückliegenden Wochen hat es innerhalb der Dii Debatten über deren anzustrebende Ziele gegeben.

Die Presse berichtete, unter Gesellschaftern und Mitarbeitern der Dii gebe es Streit darüber, ob die Strategie der Dii weiterhin Stromexporte aus dem Mittleren Osten und Nordafrika nach Europa vorsehen solle. Bedauerlicherweise ist auf dem Höhepunkt der Diskussion dann auch noch die Desertec Foundation, ein wichtiges Gründungsmitglied der Initiative, sehr medienwirksam ausgestiegen. Dabei hat sich an den Zielen oder der Strategie der Initiative nichts geändert. Die Debatten und vor allem die Art, in der sie in die Öffentlichkeit getragen wurden, haben aber der Sache sicher nicht gedient.

Seit Beginn ist das unveränderte Ziel der Initiative zu zeigen, welchen finanziellen, politischen und technischen Nutzen ein integrierter Markt für erneuerbare Energie in der Region aus Europa, dem Mittlerem Osten und Nordafrika (EUMENA) hat und wie er erreicht werden kann – ausreichenden Nutzen vorausgesetzt.
Vor diesem Hintergrund bin ich – mit anderen – sehr überrascht von der in den zurückliegenden Wochen entstandenen Wahrnehmung einer Strategieänderung. Schon in den Papieren des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt, auf die das Konzept der Initiative ursprünglich zurück geht, stand immer, dass es in der Aufbauphase vor allem um die lokale Versorgung Nordafrikas sowie des Mittleren Ostens geht und ein Energieexport nach Europa erst später relevant wird.

Die aktuelle Studie „Getting Started“, die Dii Ende Juni in Brüssel vorgestellt hat, und die Studie „Desert Power 2050“ aus dem Jahr 2012 sind einzigartig und liefern erfreulich klare Ergebnisse: Erneuerbare Energien sind in Nordafrika und dem Mittleren Osten bereits heute an vielen Stellen wettbewerbsfähig oder sehr nahe daran. Sie können deshalb sofort einen wichtigen Beitrag zur Deckung des wachsenden Energiebedarfs leisten – wohlgemerkt: vor Ort.

Auf mittlere und lange Sicht bringt die Vernetzung der EUMENA-Region Vorteile. Zu nennen sind hier die weitaus größere Zahl sehr guter Standorte für die Nutzung erneuerbarer Energie in Nordafrika und dem Mittleren Osten im Vergleich zu Europa und der mögliche Ausgleich von Angebot und Nachfrage innerhalb der Region. Außerdem kann die Vernetzung kurzfristig helfen, die zunehmenden Überschüsse aus erneuerbaren Energien in Südeuropa zu nutzen. Am Anfang gäbe es dann sogar einen Energiefluss von Nord nach Süd.

Diese Zusammenhänge hat bisher außer der Dii noch niemand dargestellt, und sie machen die Vision plötzlich sehr greifbar. Darüber hinaus haben derzeit praktisch alle Länder in Nordafrika und dem Mittleren Osten substanzielle Programme zur Nutzung erneuerbarer Energien. Das war 2009 beim Start der Dii noch nicht der Fall. Natürlich hat die Initiative die Entstehung dieser Programme nicht aktiv betrieben – dafür ist sie sicherlich zu klein. Aber die Existenz eines einzigartigen Industrienetzwerks, das in diese Idee investiert, hat deren Glaubwürdigkeit sicherlich deutlich erhöht.

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Über den Autor

Jochen Kreusel

I lead the Industry Segment Initiative "Smart Grids" in ABB and I am a member of the Steering Committee of the European Technology Platform for Electricity Networks of the Future – short ETP Smart Grids. From 2008 to 2013, I was Chairman of the Power Engineering Society of VDE. Furthermore, I am an honorary professor at the RWTH Aachen and one of the four Vice presidents of T&D Europe, the European Association of the Electricity Transmission and Distribution Equipment and Services Industry, in charge of Energy Policy and chair of T&D Europe’s Energy Policy Working Group.
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